Überfall auf Reisebus bleibt mysteriös – Ging es wirklich nur um Bargeld und Ausweise?

Von Jochen Dannenberg · 21. Oktober 2025 um 17:00

Der Überfall auf einen Reisebus in der Nacht zum Montag an der Anschlussstelle der A93 bei Aiglsbach (Landkreis Kelheim) bleibt mysteriös. Trotz eines riesigen Medienechos und entsprechend vielen Zeugenaufrufen gibt es noch keine Spur von den Tätern.

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Die Kripo Landshut ermittelt mit Hochdruck, doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Jeder einzelne der Insassen des Reisebusses muss vernommen werden. Dafür werden Dolmetscher benötigt, denn bei den Passagieren soll es sich überwiegend um albanische Staatsangehörige handeln. Sie waren mutmaßlich auf der Rückfahrt in ihre Heimat. Die Übersetzungen der Befragungen sind zeitaufwendig. Doch nicht nur Übersetzungsprobleme sorgen für Schwierigkeiten bei den Ermittlungen.

Mutmaßlicher Überfall gegen 3.30 Uhr

Wie berichtet, soll sich der Überfall auf den Reisebus am Montag gegen 3.30 Uhr nachts ereignet haben. Den vorliegenden Erkenntnissen nach haben drei unbekannte Personen, die mit einem weißen VW Bus unterwegs waren, den Reisebus mittels Signalen an der Anschlussstelle Aiglsbach zum Abfahren und Anhalten gebracht.

Die drei Tatverdächtigen stiegen dann aus und gaben vor, eine Kontrolle durchzuführen. Alle drei Täter sollen Schusswaffen mitgeführt und Bargeld, sowie Dokumente der Insassen entwendet haben. Im Anschluss daran flüchteten die Täter auf der Autobahn mit dem VW in Fahrtrichtung München.

Der Kleinbus hat mutmaßlich eine deutsche Zulassung mit Teilkennzeichen „WR", das für Wernigerode im Harz steht. Die sofort nach Bekanntwerden eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen nach dem Fahrzeug verliefen bislang ergebnislos. Keiner der Businsassen wurde bei dem Vorfall verletzt oder bedroht.

Polizei hält sich bedeckt

Der Fall, in dem die Beamten der Kripo Landshut seit Montag ermitteln, weist Merkwürdigkeiten auf. Die Polizei ist bisher äußerst zurückhaltend mit öffentlichen Äußerungen zur Sache.

Zu klären wird sein, ob sich der Überfall überhaupt oder möglicherweise in den Details anders ereignet hat. Die Polizei selbst scheint Zweifel zu haben, ob sich das Geschehen wie von den Insassen des Busses vorgebracht, so ereignet hat.

So heißt es einleitend zu der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Niederbayern, das für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist: „Auf der A93 an der Anschlussstelle Aiglsbach soll am Montag, den 20.10.2025, gegen 3.30 Uhr ein Reisebus von bislang unbekannten Tätern überfallen worden sein.“

Tatsächlich sind Überfälle auf Reisebusse selten, sogar äußerst selten. Warum sollte sich jemand diesen Bus aussuchen, besetzt vorwiegend mit Menschen aus dem früheren Jugoslawien, überfallen worden sein? Wer hat es auf Geldbörsen und Personaldokumente abgesehen?

Fast 14 Stunden zwischen Tat und Meldung

Die Möglichkeit besteht, dass es in Wirklichkeit nicht um Bargeld und Ausweise ging. So verhielt es sich beispielsweise auch im April 2022, als ein Reisebus vom Ruhrgebiet auf dem Weg nach Serbien war. Die Täter hatten bei ihrem Überfall gedacht, im Bus sei viel Bargeld versteckt. Tatsächlich war laut Anklage eine Tasche mit rund 10.000 Euro an Bord gebracht worden. Die Männer dachten aber, dass viel mehr Geld in der Tasche wäre.

Auffällig ist bei dem angeblichen Überfall an der A93 bei Aiglsbach zudem der Zeitraum zwischen dem vermeintlichen Tatgeschehen sowie der Mitteilung der Polizei an die Öffentlichkeit und der damit verbundenen Einleitung der Öffentlichkeitsfahndung. Zwischen Tat und Meldung lagen fast 14 Stunden.