Prostituierte überlebt Würge-Angriff in Regensburg – Kommt Verdächtiger nie wieder frei?

Die Prostituierte kam mit dem Leben davon – aber wohl nur dank einer gehörigen Portion Glück. Nun könnte es sein, dass der Tatverdächtige nie wieder auf freien Fuß kommt. Wirft der Fall ein Schlaglicht auf Prostitution in Regensburg?
Rückblick: 24. November 2024. Ein Spätherbsttag in Regensburg. Es ist um die Mittagszeit. Ein Mann steht vor der Polizeiinspektion Regensburg Süd im Minoritenweg. Er klingelt. Und gesteht den Beamten, er sei „das in der Landshuter Straße“ gewesen.
Rund ein Dutzend Prostituierte in unscheinbarem Haus im Kasernenviertel
Das in der Landshuter Straße? Wie sich schnell herausstellt, meint der heute 45-Jährige damit ein grausiges Verbrechen an einer Prostituierten in einem Wohnungsbordell, das nur einen Steinwurf vom Polizeipräsidium entfernt liegt. Gegen 10.40 Uhr an jenem Sonntagvormittag im Spätherbst war der Deutsche dort zu Gast. Das wird später aus dem Polizeibericht hervorgehen.
Von außen wirkt das Haus unauffällig. Es weisen keinerlei Schilder auf die Wohnungsbordelle hin. Die Haustür hat kein Schloss – zumindest war das zum Tatzeitpunkt so. An die Wände hat jemand obszöne Krakeleien gemalt. Im Internet finden sich auch derzeit noch zahlreiche Inserate von Frauen, die vor allem Männern ihre Dienste anbieten. Rund ein Dutzend Prostituierte werben ganz offen mit dieser Adresse – eine von ihren Kolleginnen entrann dem Tod nur um Haaresbreite.
Hörte eine Nachbarin den Todeskampf? Regensburger Prostituierte hatte wohl großes Glück
Zurück zu jenem Sonntagvormittag im Herbst. Der Polizeibericht schildert das, was im Wohnungsbordell passiert sein soll, recht nüchtern: Die damals 51-Jährige sei gewaltsam angegangen worden, der Mann habe sie „im Halsbereich gewürgt“. Knapp ein Jahr nach der Tat haben die Ermittlungsbehörden nun mehr Details zu der Tat. Thomas Rauscher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, sagt auf Anfrage, dass der Mann die Prostituierte gewürgt habe, um ohne Gegenwehr und Bezahlung mit ihr schlafen zu können. Die Frau überlebte wohl nur durch großes Glück. MZ-Informationen deuten darauf hin, dass eine Nachbarin den mutmaßlichen Mordversuch hörte und eingriff. Die Prostituierte kam in ein Krankenhaus.
Was sagt dieser Fall über die Regensburger Rotlicht-Szene? Eine Welt, die zumeist im Verborgenen bleibt. Zum 31. Dezember 2024 waren in der Domstadt exakt 327 Prostituierte gemeldet. Das teilte das Bayerische Landesamt für Statistik unlängst mit. Offiziell gibt es 34 Prostitutionsstätten in der Stadt – ob die Wohnungsbordelle in der Landshuter Straße dazu zählen, ist unklar.
Mordversuch an Prostituierter in Regensburg: Bleibt der Verdächtige für immer hinter Gittern?
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Prostituierten-Würger vom Kasernenviertel wird sich wohl nur am Rande um diese Schattenwelt drehen. Für den 45-jährigen Mann steht einiges auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft hat Anfang September Anklage erhoben. Sie wirft dem Deutschen zwar nicht vor, die Absicht gehabt zu haben, die Frau töten zu wollen. Aber: Es habe es billigend in Kauf genommen, dass sein Würgen zum Tod führen könnte.
Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann versuchte besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit versuchtem Mord zur Last. Der 45-Jährige sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. MZ-Recherchen haben kurz nach der Tat ergeben, dass der Mann erst Monate vor der mutmaßlichen Attacke auf die Prostituierte aus dem Gefängnis frei kam. Dort saß er wohl aufgrund eines Drogendelikts.
Mutmaßlicher Prostituierten-Würger kam wohl erst Monate vor Attacke aus der Haft
Auch abgesehen davon ist der Mann kein unbeschriebenes Blatt. Vor etwa 20 Jahren soll er schon einmal eine Frau vergewaltigt haben, dafür wurde er zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass die Verhängung der Maßregel der Sicherungsverwahrung in Betracht kommt. Heißt im Klartext: Auch nach einer möglichen Haftstrafe könnte der Mann nicht auf freien Fuß kommen – zumindest wenn es nach dem Willen der Staatsanwaltschaft geht.
Staatsanwalt Rauscher weist ausdrücklich darauf hin, dass für den Mann nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt. Wenngleich er sich selbst bei der Polizei gestellt hat, hat der 45-Jährige im Ermittlungsverfahren geschwiegen. Das Landgericht Regensburg muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.
Würge-Mordversuch im Kasernenviertel: Beginnt der Prozess im Januar 2026?
Die dortige Pressesprecherin Ruth Koller teilt auf MZ-Anfrage mit, dass das Landgericht noch nicht über die Zulassung der Anklage entschieden hat. Aber: „Die Kammer hat rein vorsorglich für den Fall einer Zulassung der Anklage Termine ab Mitte Januar 2026 reserviert.“
Der Fall, den das Landgericht Regensburg wohl behandeln wird, hat dabei Seltenheitswert. Übergriffe dieser Dimension auf Prostituierte in der Domstadt sind nicht an der Tagesordnung – das letzte große Verbrechen liegt in etwa acht Jahre zurück. Die Parallelen zum Würger-Fall sind allerdings frapierend. Im gleichen Haus erwürgte ein Mann aus Mali im Sommer 2017 eine Prostituierte. Er stahl ihr Geld und Handy und ließ die Frau zum Sterben zurück.