Korruptionsvorwürfe und Machtkampf in Odessa: Sorge auch in Regensburg

Von Philip Hell · 17. Oktober 2025 um 15:00

Odessa ist vom Krieg gebeutelt – nun erschüttert die Regensburger Partnerstadt in der Ukraine auch noch eine innenpolitische Krise. Der Bürgermeister wurde abgesetzt. In Regensburg sorgt das für sorgenvolle Blicke gen Osten.

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Seit 2014 stand Hennadij Truchanow an der Spitze von Odessa. Nun wurde er von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymir Selenskyj abgesetzt. Hintergrund sind unter anderem Vorwürfe, wonach Truchanow in Besitz eines russischen Passes sei. Eine komplizierte Gemengenlage. Gegen Truchanow gibt es auch Vorwürfe wegen angeblicher Korruption. Odessa ist nun unter Militärverwaltung.

Abgesetzter Oberbürgermeister war erst vergangenes Jahr in Regensburg

Truchanow ist in Regensburg kein Unbekannter. Mehrfach war er in der Domstadt zu Gast – zuletzt vor nicht mal einem Jahr. Damals kam er zur Eröffnung der Ausstellung „Die historische Heimat der Deutschen in der Ukraine und Odessa“ in die Domstadt. Dabei ging es bei einer Podiumsdebatte auch um eine Abgrenzung Odessas von russischen Einflüssen.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) bedauert auf MZ-Anfrage, dass Odessa neben den schrecklichen Kriegshandlungen nun auch Austragungsort innenpolitischer Konflikte geworden ist. Sie betont zugleich: „Die Stadt Regensburg steht weiterhin in Kontakt zur Stadtverwaltung in Odessa.“ Auswirkungen auf die Städtepartnerschaft seien derzeit nicht erkennbar.

Regensburger Grünen-Fraktionschef: „Stehen an der Seite der Menschen in Odessa“

Der Grünen-Co-Fraktionschef Daniel Gaittet hat im Sommer rund zwei Wochen in Odessa verbracht – er hat nach wie vor Kontakte in die ukrainische Stadt. „Odessa erlebt gerade einen Machtkampf, die Situation ist komplex.“ Der Oberbürgermeister sei immer umstritten gewesen. „Die Korruptionsvorwürfe häufen sich, gegen ihn wird ermittelt.“

Die Reaktionen in Odessa seien sehr unterschiedlich, sagt Gaittet. „Verunsicherung beschreibt es wohl am besten.“ Dabei bräuchten die Menschen in der Stadt Sicherheit – aber auch Gerechtigkeit. „Der Winter wird hart, da ist Zusammenhalt wichtig.“ Gaittet hoffe, dass die Krise in Odessa keine Auswirkung auf die Städtepartnerschaft habe. „Egal wie die Geschichte ausgeht, wir stehen an der Seite der Menschen in Odessa.“