Grüne holen fast vergessenes Regensburger Brückenprojekt aus der Schublade

Regensburgs Grüne sind nicht prinzipiell gegen den Bau neuer Brücken – für eine fast vergessene wollen sie sich im Wahlkampf sogar richtig ins Zeug legen.
Der Widerstand gegen die Sallerner Regenbrücke ist ein zentrales Dauerthema der Regensburger Grünen. Generell gegen neue Flussübergänge sind sie allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: Zur anstehenden Kommunalwahl wollen sie ein Projekt wiederbeleben, das vor fünf Jahren in die Schublade gesteckt wurde und seither fast in Vergessenheit geraten ist: den Holzgartensteg, die Fußgänger- und Radlerbrücke vom Grieser Spitz nach Weichs. „Wir wollen deutlich machen, welche Verkehrsthemen für uns eine Rolle spielen“, erklärt OB-Kandidatin Helene Sigloch. Der Holzgartensteg sei als Lückenschluss für das Radwegenetz „absolut wichtig“.
Diese Meinung war lange Zeit sehr breit und prominent vertreten in der Stadtpolitik. Seit vor rund 20 Jahren mit der Wohnbebauung am Weichser Regenufer begonnen wurde, war der Brückenschlag zum Gries stets ein weitestgehend unumstrittener Bestandteil der Planungen.
Projekt fiel dem Koalitionsfrieden zum Opfer
Einer unkomplizierten Umsetzung stand die Tatsache entgegen, dass hier eine Bundeswasserstraße zu überspannen ist. Das bedeutet: Der „Steg“ muss eine stattliche Höhe haben und ist deshalb eigentlich eine ausgewachsene Brücke. Für die alles andere als triviale Planung gab der Stadtrat erst 2018 den Startschuss. Als zwei Jahre später drei prämierte Wettbewerbsergebnisse vorlagen und die Umsetzung in greifbarer Nähe schien, wurde das Projekt jäh gestoppt – offiziell wegen der in Folge von Corona unsicherer gewordenen Finanzlage der Stadt, in Wahrheit wegen des Friedens in der damals gerade frisch gegründeten Rathaus-Koalition. Deren größter Bestandteil, die CSU, wollte den Steg nicht mehr.
Doch die Vorteile des Vorhabens sind nach Überzeugung der Grünen zu groß, um es dauerhaft in der Versenkung zu belassen. Am Mittwochabend trommelte Sigloch daher eine Reihe von Unterstützern am Grieser Spitz zusammen, um die Werbung für die Brücke wiederaufzunehmen. So sprach Grünen-Stadtratskandidat Benedikt Benz vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) von einer „gesamtgesellschaftlich guten Sache“, sein Verbandskollege Klaus Wörle gar von einem „gigantischen Projekt“ und „architektonischen Highlight“ mit Mehrwert nicht nur für Radfahrer: „Der gesamte Norden und Nordosten hätte eine fußläufige Verbindung in die Altstadt – und in der Gegenrichtung würde ein attraktiver Weg von der Altstadt zum DEZ entstehen.“
Nichts ersetzt einen Weg abseits der Hauptverkehrsachsen. Das bedeutet auch für Autofahrer weniger Stress.
Wolfgang Bogie, Verkehrsclub Deutschland
Wolfgang Bogie, Ortsvorsitzender vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und ebenfalls Stadtratskandidat der Grünen, hob den Sicherheitsaspekt hervor. Der Holzgartensteg ermögliche 40.000 Leuten den Zugang in die Stadt, ohne dabei Hauptverkehrsachsen benutzen zu müssen. Das Gegenargument, dass der Neubau der Frankenbrücke mit einem breiten, gegenläufigen Radweg einen ähnlichen Effekt habe und den Holzgartensteg überflüssig mache, ließ er nicht gelten: „Nichts ersetzt einen Weg abseits der Hauptverkehrsachsen. Das bedeutet auch für Autofahrer weniger Stress.“
Dieses und viele weitere Plädoyers für den Brückenschlag sind also auch fünf Jahren nach dem Drücken der Pause-Taste noch aktuell. Dasselbe dürfte aber auch für den Widerstand gelten. Dieser war 2020 und auch schon davor überraschenderweise in Stadtamhof besonders groß. Statt der Freude über eine zusätzliche Anbindung wurde oft die Sorge vor einem übermäßigen Eingriff in die Natur am Grieser Spitz sowie vor zu viel (Rad-)Verkehr in den Mittelpunkt gerückt. Und selbst bei den Bewohnern der Häuser am Weichser Ufer herrschte damals nicht nur Jubel darüber, dass sich ihr Weg in die Altstadt deutlich verkürzen würde.
Vorteile sollen besser kommuniziert werden
Als die Planung konkret wurde, war plötzlich auch von der möglicherweise störenden Brückenbeleuchtung und fragwürdigem Publikum die Rede, das nachts den stets verlassenen Maria-Beer-Platz bevölkern könnte.
OB-Kandidatin Sigloch kennt diese Gegenargumente und will sich ihnen stellen. „Was man bei einem neuen Anlauf besser machen muss als beim letzten Mal, ist die Kommunikation“, sagt sie und betont unter anderem den hohen Freizeitwert der Brücke: „Für die Anwohner in Stadtamhof käme nicht nur zusätzlicher Radverkehr dabei heraus, sondern auch eine sehr attraktive Anbindung an den Norden und an das Regenufer.“
Zustimmung bekam sie dabei von Alois Zorzi von „Kultur am Regen – Kultur in Reinhausen“. Er erinnerte an das Sommerfest des Vereins am Maria-Beer-Platz, wo der Wunsch nach dem Holzgartensteg wiederholt ein Thema gewesen sei. Auch bei einer Podiumsdiskussion mit OB-Kandidaten: „Die waren einhellig dafür.“

Auf Eis gelegt seit Dezember 2020
• Entwürfe: Bei einem 2019 ausgelobten Planungswettbewerb gingen zwölf Beiträge ein. Drei davon wurden von der Stadt als gleichwertige Preisträger bestimmt und zur weiteren Überarbeitung zugelassen.
• Reaktionen: Im Februar 2020 fand eine Ausstellung der Entwürfe statt. In der Diskussion darüber reichten die Kommentare von „tolle Wettbewerbsergebnisse“ bis „Städteplanerischer Wahnsinn“.
• Entscheidung: Im Dezember 2020 kam das (vorläufige?) Aus. „Aufgrund der derzeitigen finanziellen Situation bei der Stadt Regensburg wird das Projekt Holzgartensteg auf absehbare Zeit nicht fortgesetzt“, lautete der Beschluss im Planungsausschuss.
• Kosten: 2020 wurde die für den Steg notwendige Investition auf 17,7 Millionen Euro geschätzt. Eine Detailplanung lag allerdings noch nicht vor.