Neun Millionen Euro für den neuen Grieser Steg in Regensburg: So soll er aussehen

Normalerweise ist der östliche Zipfel des Oberen Wöhrds zwischen den Donauarmen zur heißen Julizeit ein Freizeitparadies. Statt der Picknickdecken der Innenstadtbewohner hatte sich in den vergangenen Tagen hier aber schweres Baustellengerät ausgebreitet.
Die Stadt erkundete den Untergrund des Grieser Stegs, damit die Brücke neu gebaut werden kann. Denn die Verbindung für Fahrradfahrer und Fußgänger zwischen dem Unteren Wöhrd und Stadtamhof wurde 1949 eigentlich lediglich als Provisorium errichtet. Weil das nun schon ziemlich in die Jahre gekommen ist, muss der Steg erneuert werden. Eine Sanierung gilt als unmöglich. Die Schäden sollen einfach zu groß sein.
Höher, breiter, stabiler
Kosten könnte die neue Brücke laut Verena Bengler von der Pressestelle der Stadt rund neun Millionen Euro. Bis Ende 2023 werde eine konkretere Kostenberechnung vorliegen. Sollte genügend Geld dafür im Haushalt übrig sein, könne der Bau, der 15 Monate in Anspruch nehmen soll, im Jahr 2025 beginnen.
Der Nachfolger soll höher und breiter werden als das marode Provisorium, das geht aus der Planungsaufgabe des Wettbewerbs für das Vergabeverfahren hervor. Von momentan 3,80 Metern soll die Breite in Zukunft auf 6,50 Meter anschwellen. Damit die neue Brücke im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers nicht den Abfluss der Fluten behindert, wird der Kopf auf der Stadtseite um 1 bis 1,70 Meter höher liegen, was eine Rampe von 30 bis 40 Metern Länge in der Proskestraße erforderlich macht. Auf der anderen Seite, beim Andreasstadel, wird der Brückenkopf um 1 bis 1,60 Meter höher liegen als jetzt. Weiterhin soll hier die Fußwegkreuzung neu gestaltet werden.
Brücke für Fußgänger und Radfahrer
Entstehen soll wieder eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer, die aber im Katastrophenfall und zur Wartung auch von Fahrzeugen bis zu einem Gesamtgewicht von 16 Tonnen befahren werden kann.
Im vergangenen Herbst fiel die Wahl der Stadt dann auf den Entwurf der Planungsgemeinschaft Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure aus München mit dem Büro DKFS Architects aus London. Ihre Visualisierung zeigt eine unaufgeregt designte Brücke, die mit einem Pfeiler am Oberen Wöhrd auskommt. Das ist auch die Stelle, die vergangene Woche unter die Lupe genommen wurde. Laut Bengler sollten die Experten herausbekommen, in welcher Tiefe der gewachsene Fels ansteht. Denn auf dem soll die neue Brücke einmal fußen. Außerdem zogen die Arbeiter Bohrkerne aus der Erde, um die Sand-, Kies- und Felsschichten augenscheinlich und im Labor untersuchen zu können – für die statischen Berechnungen.
Stadtrat hat das letzte Wort
Bis Ende dieses Jahres sollen die Planer Bengler zufolge die Entwurfsplanung abschließen. Dabei müssten sie gerade noch Themen wie Materialien, Farbgebung, Beleuchtung oder Entwässerung erarbeiten. Weiterhin bedürfe es bis zum Baubeginn noch der wasserrechtlichen Genehmigung, der Ausführungsplanung, der Bauvorbereitung, des Vergabeverfahrens und natürlich des Maßnahmenbeschlusses im Stadtrat.
All diese Planungen, Entscheidungen und Bauarbeiten werden unter den Argusaugen der Stadtamhofer stattfinden, die sich nicht scheuen, für ihren Gries, so wie er jetzt ist, einzustehen. Das ist jedem klar, der noch den Konflikt um den Holzgartensteg im Kopf hat, der einmal wenige Meter weit entfernt von dieser Stelle entstehen sollte, inzwischen aber als begrabenes Projekt gilt.
Auch eine Bürgerversammlung im Jahr 2020, die die Stadtamhofer auf den aktuellen Stand zur Erneuerung des Grieser Stegs bringen sollte, dauerte länger als erwartet und zog trotz der damals noch grassierenden Coronapandemie viele Teilnehmer an.