Die Regensburger Akademie für Gestaltung fliegt aus dem Andreasstadel

Der von vielen als Kulturmäzen bezeichnete Unternehmer Oswald Zitzelsberger klagte die Kunstschule nach fast 20 Jahren aus den Räumlichkeiten. Auch der bislang geheime Erbpacht-Vertrag der Stadt wird bei dem Prozess zum Thema.
Bittere Niederlage für zwei renommierte Kultur-Vertreter: Georg Fiederer und Johannes Paffrath müssen den Andreasstadel spätestens zum 30. September verlassen. Das kam am Freitagvormittag bei einem Prozess vor dem Landgericht heraus. Der als Kulturmäzen bekannte Unternehmer Oswald Zitzelsberger hatte gegen die beiden Betreiber der Akademie auf Räumung geklagt – Richterin Theresa Kalteis machte klar, dass sie die Rechtslage so sieht wie Zitzelsberger und sein Anwalt Martin Schimmel.
Spendenregelung nicht relevant
„Nur der Mord verjährt nicht, aber alles andere hat ein Ende!“ Zitzelsberger machte im Prozess ziemlich deutlich, dass er keine Lust hatte, die Räumungsklage zurückzuziehen. Sein Anwalt warf den Betreibern der Akademie vor, Zitzelsberger mit dem Finanzamt gedroht zu haben. Hintergrund dafür ist, dass zwischen Zitzelsbergers Kulturstiftung und den Akademie-Betreibern monatliche Spenden über 500 Euro festgelegt wurden. Richterin Kalteis sah diese Spendenregelung aber als nicht relevant an – vielmehr bewertete sie den Nutzungsvertrag faktisch als Mietverhältnis. „Und das kann auch beendet werden.“
Zitzelsberger führte ins Feld, dass ukrainische Künstler Schlange stünden, um statt der Akademie einzuziehen. Deshalb wolle er sie draußen haben. Die Ateliers müssen laut Erbpachtvertrag kostenfrei – bis auf die Betriebsunterhaltskosten – zur Verfügung gestellt werden. Beim Einzug 2004 einigte man sich, dass monatlich eine Spende für Zitzelsbergers Kulturstiftung zu entrichten sei. Während Corona zahlten die Betreiber die Spende nicht: „Das hat Herrn Zitzelsberger sauer gemacht“, behauptete Anwalt Georg Graml.
Stadt Regensburg: „Grundsätzlich keine Auskünfte zu Verträgen mit Dritten“
Seit Februar ist öffentlich bekannt, dass das Tischtuch zwischen Zitzelsberger und den Betreibern der Akademie zerrissen ist. Seither ist fraglich, ob und wie sich die Stadt verhält: Zitzelsberger ist nämlich nur Erbpachtnehmer. 2003 hatte der Unternehmer zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Erbpachtvertrag geschlossen. Die Stadt wollte sich jetzt nicht in die Karten schauen lassen. Eine Sprecherin sagte gegenüber der MZ auf Anfrage, dass „die Stadt zu Verträgen mit Dritten grundsätzlich keine Auskünfte gibt“.
Irgendwie sind die Betreiber der Akademie in den Besitz des Pachtvertrags gekommen. Anwalt Graml ließ sich dann auch nicht unterbrechen, als er daraus laut vorlas. „Die Beendigung von Nutzungsverhältnissen ist so zu gestalten, dass die Stadt Regensburg einzubeziehen ist“, sagte Graml.
Strittig war dann auch, ob und wie sich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Kulturreferent Wolfgang Dersch in den Fall überhaupt eingebracht haben. „Ein Gespräch mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sowie Kulturreferent Wolfgang Dersch fand mit den Akteuren dazu statt“, hatte eine Sprecherin der MZ schon vor Monaten mitgeteilt. Zitzelsberger aber sagte: „Niemand ist von der Stadt auf mich zugekommen, um die Kündigung zurückzuziehen.“ Jährlich erhält Zitzelsberger nach Angaben der Stadt 55.000 Euro an Zuschüssen.
Sanierung des Andreasstadels kostete 3,5 Millionen Euro
Die Sanierung des historischen Gebäudes – erbaut 1640 als kurbayerisches Salzlagerhaus – kostete damals 3,5 Millionen, 60 Prozent davon gefördert. 2019 wurde bekannt, dass Zitzelsberger eigentlich raus wollte aus dem Andreasstadel, wie Stadträte aus nichtöffentlicher Sitzung berichteten. Die Stadträte wunderten sich dabei über die Forderungen des Mäzens.
Wäre eine Option, den Stadel städtisch zu betreiben? Bislang wurde seitens der Stadt aber „keine Vertragsverletzungen angemahnt oder Fristen gesetzt“, hieß es von dort. Anstalten macht die Stadt nicht, den Andreasstadel selbst zu übernehmen.
Die Betreiber der Akademie machten klar, dass ihr Auszug das Ende der Akademie an und für sich bedeuten würde. So wird es nun kommen – und eine fast 20-jährige Akademie-Geschichte geht zu Ende.

