Showdown in Regensburgs Kultur-Kleinod: Akademie fliegt aus dem Andreasstadel raus

Es ist ein kulturelles Kleinod in der Stadt: Der Andreasstadel in Regensburg. Doch hinter den Kulissen spielt sich derzeit ein Drama ab. Die Akademie Regensburg, eine Ausbildungsstätte für bildende Künstler, hat zum Ende Februar die Kündigung erhalten.
Die beiden Akademie-Leiter sind verzweifelt. Derweil kommt eine seltsame Praxis zutage: Die Mieter im Andreasstadel müssen faktisch keine Miete zahlen, dafür sollen sie aber an eine Kulturstiftung spenden.
Georg Fiederer betreibt mit seinem Partner Johannes Paffrath die Akademie. „Wir sind hier seit der ersten Stunde“, sagt Fiederer im Gespräch. Der Stadel wurde 2004 saniert und als Kulturstätte eröffnet. Doch jetzt ist plötzlich alles anders. In einem Brandbrief an ihre Unterstützer haben die beiden Akademie-Leiter den Fall öffentlich gemacht.
„Unsere Akademie wurde 2002 in Beratzhausen gegründet, der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger brachte uns ins Dachgeschoss des frisch sanierten Andreasstadels“, sagt Fiederer heute. 750 Künstler habe man in den knapp 20 Jahren dort nun ausgebildet. Und jetzt die Kündigung. „Das Verhältnis des Mäzens zu seinem Künstlerhaus und dessen Hausgenossen scheint sich in einem langsamen Prozess der Erosion ab Mitte der 2010er Jahren bis heute extrem verändert zu haben“, attestieren Fiederer und Paffrath dem Vermieter Oswald Zitzelsberger.
Pächter wollte aus Vertrag
In der Tat gab es 2019 den Versuch, sich vom Andreasstadel zu trennen. Dabei forderte Zitzelsberger laut damaligen Berichten 900 000 Euro Ablöse, dann würde er den Pachtvertrag frühzeitig auflösen.
Doch die Stadt reagierte zurückhaltend: Zitzelsberger könne den Vertrag jederzeit kündigen – ohne Ablöse. Darauf ließ er sich nicht ein. Auf eine entsprechende Anfrage, ob er diese Summe und den Vorgang bestätigen könne, antwortete Zitzelsberger nicht.
Doch er äußerte sich gegenüber der MZ dennoch zu der Kündigung der Akademie. Das sei nicht so leicht, da es sich um Geschäftsverbindungen mit Privatpersonen und Institutionen handle, aber schließlich habe die Akademie die Kündigung ja selbst öffentlich gemacht. „Alles hat eben seine Zeit“, sagte Zitzelsberger. Kunst und Kultur lebe auch von Veränderung. Üblicherweise würden die Nutzungsverträge für die Künstlerateliers jeweils für zwei Jahre abgeschlossen.
Dass die Akademie monatlich 550 Euro an die Zitzelsberger-Stiftung zahlen sollte, bestätigt dieser zwar, machte aber deutlich: Die Mietvertragsbeziehungen bestehen ausschließlich zwischen der Akademie und Oswald Zitzelsberger. Es gebe keinerlei vertragliche Beziehungen zwischen Zitzelsberger als Person und der Oswald-Zitzelsberger-Kunst- und Kulturstiftung, teilt Zitzelsberger mit. „Spenden sind eine freiwillige Leistung“, heißt es weiter, „die niemand akzeptieren muss“.
Auslöser für die Kündigung, das sagen wiederum Fiederer und Paffrath, sei aber genau der Umstand gewesen, dass sie durch Corona in Not gerieten – zweimal setzten sie die Spendenzahlung von 550 Euro im Monat aus. In einer Mail, die der MZ vorliegt, mahnte Zitzelsbergers Kunst- und Kulturstiftung, man habe festgestellt, dass 1100 Euro an Spenden nicht eingegangen seien. „Wir erwarten Ihre Zahlung umgehend!“, heißt es in der Mail von Zitzelsberger an die Akademie.
Doch Zitzelsberger sagt selbst, die Spenden seien freiwillig. Gleichzeitig verweist Zitzelsberger darauf, dass „der Mietzins für die Fläche von circa 550 Quadratmeter“ einen Euro je Quadratmeter beträgt.
Die Räume, die von der Akademie seit 20 Jahren genutzt werden, sollen laut Zitzelsberger nun in „normale Ateliers umgewandelt werden, so dass künftig wieder fünf neue Künstlerinnen und Künstler einziehen können“, so Zitzelsberger.
Laut Fiederer und Paffrath befinde sich die Akademie nun in einer „unsere Existenz bedrohenden Situation“. Eine verantwortungsvolle Förderung von Kunst und Kultur in Regensburg könne letztlich „nur eine politische sein“. Sie hoffen noch auf Einigung. Die anderen Mieter im Haus geben sich zurückhaltend. So wollen sich die Betreiber des Kinos beispielsweise nicht äußern. Klar ist: Auch sie spenden monatlich an die Stiftung.
Stadt zahlt 54 000 Euro
Bei der Stadt möchte man keine Auskünfte über Vertragsdetails nennen. Möglich wäre aber laut einer Sprecherin, den Vertrag auch von Seiten der Stadt zu kündigen, wenn man den Pächter abnahmen würde – das sei aber bislang nicht geschehen. 54 000 Euro bekommt Zitzelsberger jährlich an Förderung. Die Kündigung der Akademie sei bekannt – es habe Gespräche gegeben zwischen den Akteuren, dem Kulturreferenten und der Oberbürgermeisterin – bislang ohne Erfolg.

