Nach dem Stadtbahn-Aus: Verkehrswende treibt die Regensburger um

Nach dem Stadtbahn-Aus wird Regensburg auf eine weitere Optimierung der Buslinien, der Radrouten, auf die Bahnanbindung und Park&Ride-Plätze setzen. Wie soll sonst verhindert werden, dass die an vielen Tagen staugeplagte Stadt im Autoverkehr erstickt?
Der intensive Tram-Wahlkampf hat gezeigt, dass zahlreiche Menschen bereit sind, bei Lösungen mitzuwirken. Und dass vielen ein umweltfreundlicher Verkehr am Herzen liegt – immerhin haben mehr als 46 Prozent für die Stadtbahn gestimmt. Eine Zukunft mit zwei Linien war ein entscheidender Bestandteil der Verkehrsplanung. Wie geht es weiter?
Tram-Planung nicht umsonst
Die „Initiative Mobilität in Regensburg“, die die Tram unterstützte, hat sich entschlossen, weiterzumachen. Nach Meinung des Sprechers Bernd Edtmaier hat sich an der Grundaufgabe nichts geändert, wonach der Individualverkehr reduziert und dafür eine attraktive, leistungsfähige Alternative angeboten werden müsse. Diese Alternative sei nach wie vor im Bereich öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) und Fahrrad zu suchen. „Gerade jetzt braucht Regensburg Bürger, die sich in diesem Bereich dauerhaft engagieren.“
Das Stadtwerk will mehr neue Busse bestellen als in den Vorjahren. Sprecher Martin Gottschalk sagt, durch das Stadtbahn-Aus sei ein neuer verkehrsplanerischer Ansatz notwendig. „Dabei helfen aber auch die bisherigen Planungen für die Stadtbahn. Diese waren also alles andere als umsonst.“
Der ÖPNV werde künftig von einem Bussystem getragen, das beschleunigt und auch auf wesentlichen Linienabschnitten durch eigene Verkehrsflächen bevorrechtigt werden müsse. Diese Hochleistungskorridore für den Busverkehr werden nun erarbeitet. Es bestehe aber dennoch die große Gefahr, dass sich der ÖPNV weiter verlangsamt. Damit würde auch dessen Attraktivität sinken. Das will das Stadtwerk verhindern.
Radbrücken statt Parkhäuser
Eine weitere Herausforderung ist, das für die Entwicklungsschritte notwendige Personal zu gewinnen. Das Stadtwerk wird deutlich mehr Fahrer als heute brauchen.
Nach Urteil von Planungs- und Baureferent Florian Plajer ist die Verkehrswende das große Thema, das in Regensburg alle bewegt. Daran müsse und werde die Stadt weiter arbeiten und sich im Planungs- und Baureferat neu aufstellen. „Der Fokus muss auf der Optimierung des Bussystems sowie der weiteren Verkehrsträger im Umweltverbund – besonders Fahrrad, Fußgänger – liegen.“ Umsteigepunkte und die Attraktivität müssten starke Argumente bei der weiteren Planung sein.
Die Stadt strebt im Regensburg-Plan 2040 ohnehin an, den Anteil des Umweltverbunds, also Bus, Fahrrad und Fußgänger, bis 2035 auf 70 Prozent zu steigern (heute 59 Prozent). Für Wolfgang Bogie vom Kreisverband des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCS) müssten es sogar 80 Prozent werden. „Der Umweltverbund muss so attraktiv werden, dass die Menschen mitmachen.“ Er kritisiert scharf, dass noch keine einzige der 18 geplanten Hauptradrouten, beispielsweise zwischen Westbad und Baseballstadion, realisiert worden ist. Dass der Stadtrat bei Streichung von Parkplätzen eingebunden werde, bremse. „Es ist wichtig, dass wir nicht weiterhin fördern, dass mehr Autoverkehr in die Stadt kommt.“ Statt Parkhäusern wie beim Alten Eisstadion sollten Radbrücken wie der Holzgartensteg verwirklicht werden.
Kosten von ÖPNV-Tickets und Parkgebühren gleich behandeln
Seit Ende 2021 arbeiten unabhängige Verkehrsfachleute, Bürger, Stadt und Landkreis an einem Mobilitätskonzept für den Großraum Regensburg, das fast fertig ist. Rückgrat soll ein starker öffentlicher Nahverkehr sein. Viele Ziele sind erarbeitet worden: regionaler Ausbau von Radschnellwegen und -vorrangrouten, breiterer Fahrradweg auf der Mittelspur ab Dachauplatz bis zur Landshuter Straße, Ausweitung der alternativen Antriebsformen im öffentlichen Verkehr, schnellere Buslinien, Park&Ride-Plätze an allen Einfallstraßen und Bahnhaltepunkten sowie eine bessere Werbung dafür, weitere Innenstadtstraßen mit Tempo 30, weniger Parkplätze im öffentlichen Raum, intelligente Parkraumführung, mehr Kreisverkehre. Kosten von ÖPNV-Tickets und Parkgebühren sollen gleich behandelt werden.
Es hapert jedoch an den Schnittpunkten zwischen dem autodominiertem Landkreis und der Stadt, in der heute schon mehr Menschen Bus und Rad nehmen, und am Realisierungstempo. Die Brücke-Fraktion im Stadtrat fordert erneut, aus dem Amt für den Stadtbahn-Neubau, das abgewickelt werden soll, ein Amt für Mobilität zu machen. Die Themen Verkehrswende und alternative Mobilität sollten dort angesiedelt werden. Diese sind jedoch zum großen Teil beim Stadtwerk und beim Planungsreferat verankert.
Die Öffis nicht warten lassen
Der Verkehrsplaner Robert Wittek-Brix aus Heidelberg kennt die Regensburger Verhältnisse gut. Er hält Busspuren auf allen wichtigen ÖPNV-Strecken und eine Signal-Bevorrechtigung an Kreuzungen nach dem Stadtbahn-Aus für die richtige Lösung. Teilweise hat das die Stadt bereits umgesetzt. „Die Politik schießt sich selbst ins Knie, wenn sie die Öffis an Ampelkreuzungen warten lässt“, sagt Wittek-Brix.
Für den motorisierten Verkehr kommen Sallerner Regenbrücke, die noch mehr Autos in die Stadt ziehen wird, und der – dringend nötige – Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels.

