Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag, Nibelungenbrücke!

Von Jürgen Scharf · 15. Juni 2024 um 13:00

„Schlanke Optik, technisch brillante Logistik“: Vor 20 Jahren wurde die neue Nibelungenbrücke in Regensburg eröffnet.

Eines kann über die Nibelungenbrücke in Regensburg nun wirklich niemand sagen: Dass sie nicht benutzt wird. Mehr als 40.000Fahrzeuge sind Tag für Tag auf ihr unterwegs. Dazu unzählige Fußgänger und Radfahrer. Sie ist nichts weniger als die wichtigste Verkehrsverbindung vom Regensburger Norden ins Zentrum. Und deswegen wurde sie zu Beginn des Jahrtausends auch neu gebaut. An diesem Wochenende wird sie nun genau 20 Jahre alt.

Nicht „die schönste Brücke“, aber sie erfüllt ihren Zweck

Es ist ein unablässiger Strom an Bussen, Autos oder Motorrädern, der sich auch an diesem Freitagvormittag über einen der gewundenen Zubringer hinauf zur Nibelungenbrücke schiebt. Oben spazieren auf den zwei breiten Bürgersteigen an den Rändern der Brücke Menschen hinüber zum Donau-Einkaufszentrum und zurück. Einer davon ist Philipp Weißensteiner. Er geht Gassi mit seinem Hund Balu. Sie benutzen öfters die Nibelungenbrücke, sagt er. Wie er diese denn findet? „Nun, da hab ich ehrlich gesagt noch gar nicht so drüber nachgedacht“, meint er mit einem Lachen, fällt dann aber doch schnell sein Urteil: „Also, ich finde jetzt nicht, dass das die schönste Brücke der Welt ist, aber sie erfüllt zweifellos ihren Zweck.“

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die ursprüngliche Nibelungenbrücke gesprengt worden. Ab 1945 wurde sie dann wieder aufgebaut und war fortan erneut der wichtigste Donauübergang für den Weg in die Regensburger Innenstadt. Nach 50 Jahren genügte sie den gestiegenen Ansprüchen aber nicht mehr. Die Stadt Regensburg beschloss, eine neue zu bauen.

Beckstein eröffnete sie

Am 16. Juni 2004 wurde sie wiedereröffnet. Der bayerische Innenminister und spätere Ministerpräsident Günther Beckstein war zur Einweihung gekommen. „Gute Infrastruktur ist ein entscheidender Standort-Vorteil Bayerns“, sagte er. Der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger meinte, dass die neue Brücke ein „Symbol für Regensburgs gute Zukunft und für das Aufeinanderzugehen“ sei. Und sie sei ihm zufolge auch keinesfalls ein „Monstrum“, wie Gegner des Projekts vorher behauptet hatten.

40 Millionen Euro hatte die neue Brücke gekostet. Zwei Drittel übernahm der Freistaat Bayern. Das Bauwerk selbst erhielt bereits vor der Eröffnung viel Lob. Als „Meisterwerk“ wurde es in der damaligen Berichterstattung in der Mittelbayerischen Zeitung bezeichnet. Eine „schlanke Optik und brillante Logistik“ wurden ihm zugeschrieben. Und nicht zuletzt wurde damals auch die „mit eingebaute Zukunftsoption Stadtbahn“ erwähnt. Diese Option wird nun, das ist seit vergangenem Sonntag klar, aber nicht gezogen werden.

Mehr als 3000 Tonnen Beton- und mehr als 4000 Tonnen Konstruktionsstahl wurden in drei Jahren verbaut. Kritiker des Projekts hatten für diese Zeit ein Verkehrschaos erwartet. Doch das blieb zumeist aus. Die Stadt ließ es sich damals täglich 500 Euro kosten, dass eine Firma morgens um 6 Uhr die Engstelle auf der Südrampe auf zwei Spuren erweiterte. Zudem wurde der Stadt damals von vielen Seiten attestiert, dass sie auch kommunikativ ein Meisterstück hingelegt habe. Mit einer offensiven Informationspolitik gelang es ihr, dass viele Menschen in Regensburg und darüber hinaus Verständnis für die trotz aller Improvisationskünste nicht ganz ausbleibenden Verkehrsbehinderungen zeigten.

„Sie ist ein Kunstwerk“

Alfons Swaczyna war damals Leitender Baudirektor der Stadt Regensburg. „Die Brücke ist ein Kunstwerk“, sagte er 2004, kurz vor der Eröffnung. 20Jahre später zieht er noch einmal Bilanz. Die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer sei durch die Verbreiterung der Wege erheblich verbessert worden, erinnert er sich. Der Verkehrsfluss habe sowieso insgesamt von dem Neubau profitiert.

Doch auch in Sachen Ästhetik brauche sich die Brücke nicht zu verstecken, findet Swaczyna. Sie sei ein zukunftsweisendes und ansprechendes Bauwerk. Er erinnert auch daran, wie 2001 die alte Brücke um achteinhalb Meter in Richtung Osten verschoben wurde. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die zudem „spektakulär und publikumswirksam“ gewesen sei. Swaczyna sieht bei Brücken-Projekten übrigens immer auch eine zweite, tiefere Ebene: „Brücken bauen verändert die Welt zum Positiven, weil sie die Menschen verbinden.“

Für Philipp Weißensteiner und seinen Balu erfüllt die Nibelungenbrücke an diesem Freitag aber vor allem ihre Kernfunktion – einen Weg über die Donau zu bieten. Ein Weg der über acht Meter hohe Pfeiler führt. Über Pfeiler, an denen aufgrund der unzähligen Graffitis, die an ihnen angebracht wurden, nun wohl am besten abzulesen ist, dass die Brücke jetzt auch schon wieder 20 Jahre alt geworden ist.