Geplantes Netz aus Radrouten in Regensburg: Mini-Etappen statt großer Touren

Im Fahrradgeschäft von Junior-Chef Max Ehrl in Stadtamhof repariert und kontrolliert das Team jetzt im Akkord. Ordentlich strampeln sollte in den Augen einiger Radexperten jetzt besser auch mal die Stadt Regensburg. Ihnen geht es darum, dass die Wege für diese Menschen ebenso aufgerüstet werden, wie ihre Räder bei Ehrl.
Dabei hat sich in den vergangenen Jahren bei dem Thema durchaus einiges getan.Andreasstraße, Ostengasse, Burgunderstraße, Weichser Damm: In Regensburg gibt es inzwischen zehn Fahrradstraßen, auf denen die Radler das Tempo vorgeben.Um langfristig ein 172 Kilometer langes Radroutennetz entstehen zu lassen, das den Radverkehrsanteil bis 2035 auf 30 Prozent (2018: 24 Prozent) anheben soll, baute die Stadt zuletztden Radweg in der Grünthaler Straße, den von der Klenzebrücke bis zur Lessingstraße oder den vom Regentalradweg zum Europakanal. Als nächstes kommen laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, die Strecke am Unterislinger Weg zwischen Rauberstraße und Stadtgrenze bei Scharmassing, die auf der Donaubrücke nach Sinzing oder die auf der Leibnizstraße zur Kreuzhofbrücke und weiter zum Rainstallweg nach Neutraubling dran.
Abstellboxen entstehen
In der vergangenen Woche starteten zudem auch die Bauarbeiten für eine neue Abstellanlage am Hauptbahnhof: Hier sollen bis Ende Mai 200 Radbügel, 60 Fahrradboxen, zwei Sammelgaragen mit je 20 Plätzen, 18 Schließfächer für Helme oder Taschen und eine Reparaturstation entstehen. Zehn weitere Stationen sind geplant, etwa an den Bahnhöfen Prüfening und Burgweinting sowie am Baseballstadion.
Michael Achmann, Mitglied des Teams Radentscheid und Stadtrat bei den Grünen, aber sieht durchaus noch weiteren Handlungsbedarf. „Die Stadt sollte langsam einmal einen großen Wurf starten“, fordert er. Nachdem Regensburg die Inhalte des Entscheids Ende 2019 übernommen hatte, seien er und seine Mitstreiter ruhig und zufrieden gewesen. „Es ist ja auch klar, dass man erst einmal mit den kleinen Dingen beginnt“, sagt er über Maßnahmen wie die Fahrradstraßen.
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Jetzt sei es aber an der Zeit für ein großes Ding. Das sind zwei große Hauptrouten, erklärt Ingolf Radcke, der sich ebenfalls für den Radentscheid einsetzte: eine vom Graßer Weg bis zum Bismarckplatz und eine vom Westbad bis zum Baseballstadion. Bisher gebe es nicht eine der für Radfahrer geplanten Achsen. „Es hapert am Mut“, klagt Radcke.
Achmann ärgert sich zudem, dass Projekte wie ein städtisches Leihradsystem oder der Holzgartensteg gestrichen worden sind. „Im Investitionsprogramm gab es einen Topf von 200.000 Euro für kleinere Maßnahmen. Das war das einzige Geld, das für den Radentscheid eingestellt wurde“, sagt er. Weiterhin habe er bis jetzt nichts von dem Monitoring gehört, das die Stadt bei der Übernahme des Radentscheids versprochen hatte.
Details für mehr Sicherheit
Dass es auch bei Details hapert, zeigt Klaus Wörle, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Regensburg, exemplarisch an mehreren Stellen auf. So hat die Stadt inzwischen zwar einen Unfallschwerpunkt für Fahrradfahrer an der Kreuzung der Kumpfmühler Straße mit der Fritz-Fend-Straße durch eine veränderte Ampelschaltung entschärft. Optimal läuft das an der Stelle aber noch nicht. Regelmäßig kommen sich die Radfahrer hier beim Warten an der Ampel und beim Überqueren der Fahrbahn gegenseitig in die Quere. Sie blockieren sich. „Es fehlen die Haltestreifen auf dem Radweg im Bereich vor den Ampeln“, sagt Wörle.
Im Bereich der Kreuzung am Cinemaxx zeigt sich für ihn ein anderes Problem. „Der Raum, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssen, ist eine Minimalfläche, während sich hier bis zu sechs Spuren für Autos kreuzen“, erklärt er und deutet auf eine Gruppe von fünf Fußgängern, die die Straßenseite wechseln wollen.„Die haben vor der Ampel so wenig Platz, dass sie zwangsweise auf dem Radweg stehen. Das sorgt für Konflikte zwischen Radfahrer und Fußgängern“, skizziert Wörle die Folgen. Wenn Einfahrten zu Tankstellen wie in der Friedenstraße oder Bushaltestellen wie in der Kumpfmühler Straße Radwege kreuzen, gehe das zu Lasten der Sicherheit für Radfahrer, warnt er. Das könne übel ausgehen.
Beim Thema Sicherheit drängte zuletzt auch Achmanns Fraktion nach zwei tödlichen Unfällen am Anfang des Jahres, bei denen auch eine Radfahrerin ums Leben kam, im Planungsausschuss auf Information. Sie wollte wissen, mit welchen Maßnahmen die Stadt diese Zahl an Todesopfern wieder zu senken gedenke. Rechtsreferent Walter Boeckh verwies darauf, dass sich die Unfallkommission erst noch mit diesen beiden Fällen befassen werde.
