Mieten für junge Geringverdiener zu hoch: Braucht Regensburg ein Azubi-Wohnheim?

Von Jürgen Scharf · 6. Oktober 2025 um 05:00

Theo Shiferaw macht seit drei Jahren eine Ausbildung zum Erzieher. Das macht ihm auch großen Spaß, sagt er. Nur eines, das hat bis jetzt noch nicht geklappt: Von zuhause auszuziehen und völlig auf eigenen Füßen zu stehen: „Denn die Mieten in Regensburg kann ich mir einfach nicht leisten.“

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So wie Theo Shiferaw scheint es vielen jungen Menschen, die in Regensburg eine Ausbildung machen, zu gehen. Die Wohnraumsituation der Stadt ist seit Jahren angespannt. Die Mieten sind hoch und für Azubis aus eigener Tasche oft nicht zu stemmen.

Die Regensburger SPD, die IG Bau Oberpfalz und der Deutsche Gewerkschaftsbund schlagen nun Alarm. Der schwierige Wohnungsmarkt gefährde nicht nur individuelle Ausbildungschancen, sondern auch die Fachkräftesicherung in der Region, sagen sie.

Doch könnte es eine Lösung geben? „Während die Mittel für den allgemeinen sozialen Wohnungsbau vielerorts ausgeschöpft sind, gibt es für den Bereich Azubi-Wohnen noch Spielraum“, sagt etwa DGB-Jugendsekretär Martin Oswald. Er fordert Stadt und Stadtbau GmbH auf, „die entsprechenden Fördergelder endlich zu nutzen, bevor wir wieder ganze Ausbildungsjahrgänge verlieren, weil sie in Regensburg keinen Platz zum Leben finden“.

DGB fordert: Jetzt handeln!

Ein Weg, Unterkünfte zu erschwinglichen Mieten anzubieten, wäre ein Azubi-Wohnheim, findet der DGB. „Wenn junge Menschen keine Wohnung finden, entscheiden sie sich gegen eine Ausbildung hier vor Ort. Wer den Standort Regensburg zukunftsfähig halten will, muss deshalb jetzt handeln“, sagt der Regensburger Vorsitzende Rico Irmischer.

„Vor allem die Miete für eine eigene Wohnung haut vielen Azubis finanziell die Füße weg“, sagt Manfred Götz, stellvertretender Vorsitzender der IG Bau Oberpfalz. Und auch die Regensburger SPD äußert sich: „Wer keinen Wohnraum findet, bricht im schlimmsten Fall seine Ausbildung ab oder weicht in andere Städte aus. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, sagt Anna Gmeiner, stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands. Ein Azubi-Wohnheim würde junge Menschen in der Ausbildung entlasten und zugleich die Region stärken. SPD-Bezirksrat Bruno Lehmeier denkt dabei aber offensichtlich auch daran, die Wirtschaft mit in die Pflicht zu nehmen: „Azubi-Wohnheime anbieten zu können, ist doch für jeden größeren Arbeitgeber eine echte Win-Win-Situation angesichts der derzeit prekären Situation auf dem Ausbildungsmarkt.“

Die Trägerschaft eines Wohnheims gehört nicht zu unseren Aufgabenbereichen, die liegen woanders.

Hans Schmidt, Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz

Auch die Regensburger CSU unterstützt solche Planspiele. „Prinzipiell halten wir das für eine sehr gute Idee. Zumal es ja in der Tat eine Ungleichbehandlung zwischen Studenten und Azubis gibt“, sagt Stadtratsfraktionschef Michael Lehner. Als Träger eines Wohnheims kämen mehrere Stellen in Betracht, findet er. „Das könnten natürlich alle sein, die auch Studentenwohnheime unterhalten, und es könnte grundsätzlich auch die Stadt sein.“ Für ihn „logische Anlaufstellen“ bei diesem Thema wären aber IHK und Handwerkskammer. „Die nehmen schließlich Geld von ihren Mitgliedern ein und haben natürlich auch ein Interesse daran, dass ihre Lehrlinge hier wohnen können.“

Zumindest bei einer der beiden Institutionen rennt Lehner mit diesem Vorschlag allerdings keine offenen Türen ein. „Die Trägerschaft eines Wohnheims gehört nicht zu unseren Aufgabenbereichen, die liegen woanders“, sagt Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er sei aber auch der Meinung, dass etwas getan werden muss: „Zur Ausbildungsförderung gehört erschwinglicher Wohnraum natürlich dazu.“ Die Handwerkskammer fordere deswegen, dass die diesbezüglichen Förderungen erhöht werden.

Ist München ein Vorbild?

Für Theo Shiferaw werden die Änderungen wohl zu spät kommen. Er schließt seine Ausbildung bald ab. In punkto alleine Wohnen wird es dann bei ihm wohl am Ende bei Besichtigungsterminen geblieben sein. „Ich habe mir viel angeschaut“, erzählt er. Etwas, das in Ordnung und für ihn bezahlbar gewesen wäre, sei aber nie dabei gewesen. Er findet die Idee mit den Azubi-Wohnheimen „super“. Für Studenten gebe es dieses Angebot schließlich auch, findet er. Und damit wäre nicht bloß das Wohnen bezahlbar, es gäbe auch den direkten Kontakt zu anderen Auszubildenden. „In München gibt es sowas. Das bräuchten wir hier auch, denn Regensburg ist doch ebenfalls eine große Stadt“, sagt Shiferaw.

Vielleicht kommt beim Thema Azubi-Wohnheim bald auch wirklich etwas ins Rollen. Wie die Regensburger Stadtverwaltung mitteilt, habe die SPD-Fraktion einen Antrag dazu eingereicht. Dieser werde bei der nächsten Sitzung des zuständigen Gremiums auf die Tagesordnung kommen.