Zu Besuch in Regensburg: Kriegsreporterin Sophia Maier „will Mensch“ bleiben

Von Michael Scheiner · 5. Oktober 2025 um 17:00

„Verheulte Tussi, die ist doch für nichts zu gebrauchen.“ „Eine Islamhure, keine Journalistin!“ So oder ähnlich könnten harmlosere Attacken auf die Reporterin und Autorin Sophia Maier im Internet aussehen. Dabei bleibt es bei der Investigativjournalistin allerdings nicht, wie sie bei einer Lesung aus ihrem Buch „Herz aus Stacheldraht“ im Ostentor-Kino offenlegte.

Neben Kübeln voller Hass, oft getränkt von Frauenhass, und wüsten Beschimpfungen hat Maier für ihre TV-Reportagen und Dokus auch schon Morddrohungen bekommen. Was das mit ihr mache, wollte Moderatorin Angela van Brakel von Maier wissen, ob sie sich seither anders verhalte. Sie wisse, antwortete die Journalistin, „so etwas betrifft nicht nur mich. Es trifft auch Kolleginnen, Politiker und andere die Haltung zeigen“.

Norbert Blüm als „Mentor“

Allerdings habe sie schon bemerkt, dass sie sich in manchen Situationen häufiger umschaue, auch „ängstlicher geworden“ sei und sich frage, ob es das wert sei. „Das ist es wert“, formulierte sie gleich selbst entschieden und klar ihre Antwort. Darin bestärkte sie auch der Herz-Jesu-Sozialist Norbert Blüm, der ebenfalls Lager in Griechenland besuchte und den sie dabei als „meinen Mentor“ kennenlernte.

Die Buchvorstellung im gut besuchten Kino war für Maier „wie ein Heimkommen“. Habe sie doch während ihres Studiums der Germanistik und Demokratiewissenschaft „viele Jahre im Dachgeschoss gelebt“, antwortete die 38-jährige Autorin auf eine Frage der Moderatorin. Zudem lebe ihre Schwester noch in der Stadt und sie sehe „ein paar Freunde und Menschen von früher,“ winkte sie kurz ins Publikum. Zuvor hatte van Brakel sie als „nicht nur fachlich, sondern auch menschlich als eine der Besten ihres Faches“ und „Spiegel-Bestseller-Autorin“ vorgestellt.

In Flüchtlingslagern

Es sei „nie ihr Plan gewesen“ Kriegsreporterin zu werden, wie Maier wegen ihrer engagierten Berichte aus Syrien, dem Westjordanland oder Afghanistan oft bezeichnet wird. Ihr Ziel sei es gewesen „für den Spiegel zu schreiben“, erzählt sie. Begonnen habe es 2015/16, als sie „auf eigene Faust“ nach Griechenland gereist sei, um aus den Flüchtlingslagern Idomeni und von den Inseln Samos und Lesbos zu berichten. Dort habe sie sich mit „Kopftuch eingeschleust und Interviews auch mit Kindern gemacht“.

Eine Begegnung hat sie dabei so tief beeindruckt, dass daraus der Titel ihres Buches mit Reportagen aus ihren Reisen in Krisengebiete entstanden ist. Beim Abschied aus einem der Lager hat ihr „ein zierliches Mädchen“ ein Herz geschenkt, das es aus dem Stacheldraht geformt hat, der das Camp umgab. Maier hat darin inmitten der fürchterlichen Zustände in den Lagern, die sie für unvereinbar mit den europäischen Werten hält, ein „Zeichen der Hoffnung gesehen“. Abends habe sie sich in den Schlaf geweint. Auch bei der Begegnung mit Frauen, die im Frontgebiet in der Ukraine zu der Zeit seit Monaten in Kellern lebten, reagierte sie zutiefst betroffen. In einem Videoausschnitt war zu sehen, wie die Frauen sie zum Abschied umarmten und meinten, sie würden für sie und ihre Begleitung beten, damit sie sicher und gesund nach Hause kämen.

Reisen in Krisengebiete

Dafür sei sie oft kritisiert und angegriffen worden, das sei Betroffenheitsjournalismus. In einer solchen Situation „will ich aber nicht knallhart sein“, begründete sie ihre Offenheit. „Ich will Mensch sein“, betonte sie ihre Anteilnahme, mit der sie den Menschen im sicheren Europa auch einen Spiegel vorhält. Mit ihrem Buch, das bereits kurze Zeit nach dem Erscheinen auf der Bestsellerliste des Spiegel landete, wolle sie „die Realität abbilden“ und informieren. Es soll „aber nicht nur traurig machen“, sondern auch Hoffnung geben, denn diese sei „eine existentielle Triebkraft“, der sie bei ihren Reisen in Krisengebiete immer wieder begegnet sei.

Buchvorstellung

• Verlag: „Herz aus Stacheldraht", Komplett Media GmbH, ISBN: 978-3-8312-0646-9.

• Termine: Auf ihrer Lesetour ist Sophia Maier am 8. Oktober in München und am 14. Oktober in Nürnberg im Z-Bau zu erleben.