„Kämpferin für Toleranz und Menschlichkeit“: Regensburg verleiht Brückenpreis an Iris Berben

Von Martina Groh-Schad · 5. Oktober 2025 um 14:01

Die Bühne nutzen, den Finger in die Wunde legen und damit einen kleinen Weckruf starten. Auf diese kurze Formal brachte die diesjährige Preisträgerin des Regensburger Brückenpreises, die Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Iris Berben, ihr Engagement. Oberbürgermeisterin Gertrud Malz-Schwarzfischer begründete die Preisträgerschaft damit, dass Berben ihren hohen Bekanntheitsgrad als beliebte Schauspielerin nutzen würde, um Werte wie gegenseitigen Respekt, Toleranz, die Achtung der Persönlichkeitsrechte sowie der Menschenwürde und die Förderung einer lebendigen Erinnerungskultur in den Mittelpunkt zu stellen und einzufordern.

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Bronzeplastik des Brückenheiligen Nepomuk

„Sie haben sich entschlossen, in der Öffentlichkeit klare Haltung zu gesellschaftspolitischen Themen zu zeigen, für Toleranz und Mitmenschlichkeit einzustehen und gegen das Vergessen, gegen Rassismus und Antisemitismus anzukämpfen“, betonte Maltz-Schwarzfischer. Zum Preis gehören eine Bronzeplastik des Brückenheiligen Nepomuk und 15 000 Euro, die Iris Berben auf ihre Projekte aufteilen will.

Ihr Engagement ist vielfältig. Die Schauspielerin ist prominente Unterstützerin der #WeRemember-Kampagne zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts am 27. Januar. Darüber hinaus setzt sie sich als Botschafterin für den „Raum der Namen“ des Holocaust-Denkmals in Berlin ein und ist Jury-Mitglied des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises. Zudem ist Berben Mitglied der Gesellschaft „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ und Schirmherrin für das Musiktheaterstück „Die Kinder der toten Stadt“. Sie kam gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Heiko Kiesow zur Preisverleihung.

Berben hat „Lächeln der Regensburger in guter Erinnerung“

Regensburg als Stadt kannte sie bereits. Im Frühjahr 2024 war sie für den Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ mit Heiner Lauterbach für Dreharbeiten zu Gast. „Ich habe das Lächeln der Regensburger in guter Erinnerung behalten“, erklärte sie.

2023 wurde Iris Berben auch bei MENSCHEN in EUROPA ausgezeichnet: hier das Interview mit ihr von damals.

Die Laudatio für Iris Berben hielt die ehemalige Ministerin für Erziehung, Berufsausbildung und Sport des Großherzogtums Luxemburg und frühere Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats Anne Brasseur. „Sie eckt an, sie zeigt Rückgrat, sie sie mischt sich ein und nimmt kein Blatt vor den Mund“, beschrieb sie die Preisträgerin. Bereits in der Schule soll über Berben geschrieben worden sein, dass sie vorlaut und ungehorsam sei, die Stunden gestört habe und zu spät zum Beten gekommen sei. „Solche Beschreibungen haben sie mit Sicherheit geprägt und ihren Drang nach Freiheit stark beeinflusst.“ Berben und Brasseur kennen sich persönlich, denn beide sind Jury-Mitglieder des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises.

In einer Reihe mit Havel und Gorbatschow

Der Brückenpreis ist eine Auszeichnung der Stadt Regensburg, die seit 1995 zunächst unregelmäßig und seit 2016 alle drei Jahre verliehen wird. Sie würdigt Persönlichkeiten von überregionaler Bedeutung, die sich in besonderem Maße für das Überbrücken von Grenzen und Gegensätzen politischer, nationaler, wissenschaftlicher, sozialer, kultureller oder religiöser Art eingesetzt haben.

2022 ging der Preis an den Menschenrechtsaktivisten Michael Buschheuer. Andere prominente Preisträger früherer Jahre sind unter anderem die Autorin Carolin Emcke, die Politiker Michael Gorbatschow sowie Bernhard und Hans-Jochen Vogel. sowie der frühere teschechische Präsident Václav Havel. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Andreas Dombert.