Rekordzahl an Veranstaltungen im Regensburger Jahnstadion – doch das Minus wächst

Von Rainer Wendl · 25. September 2025 um 07:30

2024 gab es um Jahnstadion mehr Veranstaltungen als Tage im Jahr – über den wirtschaftlichen Erfolg der Arena entscheidet letztlich aber dennoch nur die Ligenzugehörigkeit des SSV.

Video ansehen

Mit zwei Abstiegen und einem Aufstieg in den letzten drei Spielzeiten hat sich der SSV Jahn den zweifelhaften Ruf einer „Fahrstuhlmannschaft“ erarbeitet. Dieses stetige Auf und Ab zehrt nicht nur an den Nerven der Fans, es bildet sich auch deutlich in der Verlustrechnung des Stadions ab. Die 2024er Jahresbilanz und der Zwischenbericht 2025 der „Arena Regensburg – Regiebetrieb der Stadt Regensburg“, so der geschäftsmäßige Name der Sportstätte, stehen am Donnerstag im Stadtrat auf der Tagesordnung.

Dass das Stadion Jahr für Jahr ein beträchtliches Minus macht, ist nichts Neues. 2024 lag der durch die Stadt auszugleichende Verlust bei 2,837 Millionen Euro. Der größte Teil davon, nämlich ziemlich genau zwei Millionen Euro, ist dem Kapitaldienst mit Schuldentilgung und Abschreibungen zuzuordnen und damit nicht beeinflussbar.

22 Fußballspiele und 361 „Drittveranstaltungen“

Der interessantere, weil weitaus volatilere Wert ist der Verlust aus dem laufenden Betrieb. Dieser belief sich 2024 auf 854.000 Euro, während er 2023 bei lediglich 154.000 lag. Dies war das bislang geringste operative Minus seit der Eröffnung des Stadions. Der Hauptgrund dafür: In dem einen (Geschäfts-)Jahr spielte der Jahn überwiegend in der 2. Bundesliga, im anderen in der 3. Liga. Aus der Auflistung in den Stadtratsunterlagen geht hervor, dass jede einzelne Partie in der höheren Klasse Geld bringt. Zusätzlich zum Nutzungsentgelt, sprich Stadionmiete, summieren sich die Mehrerlöse aus Einnahmen an Spieltagen, Vermarktungsnebenrechten, Parkplatznutzungen und Catering aufs Jahr auf 470.000 Euro.

Weil in der Jahresplanung seitens des Regiebetriebs eine Zugehörigkeit zur 3. Liga zugrunde gelegt worden war, belief sich das ursprünglich prognostizierte Minus aus dem laufenden Betrieb sogar auf 1,383 Millionen Euro. Das letztlich viel bessere Ergebnis ist auch einer guten Entwicklung des Veranstaltungsgeschäfts zu verdanken. Statt wie veranschlagt 300.000 Euro wurden hier 498.000 Euro eingenommen.

Wir werden also auch in diesem Geschäftsjahr ein sehr stabiles Ergebnis sehen.

Martin Gottschalk, Stadtwerk-Sprecher

„Das abgelaufene Geschäftsjahr stellt zahlenmäßig im Drittveranstaltungsbereich ein Rekordjahr dar“, sagt dazu Martin Gottschalk, Sprecher des Stadionbetreibers Stadtwerk. Mit „Drittveranstaltungsbereich“ meint er alles, was kein Fußballspiel ist. 22 davon fanden 2024 im Stadion statt – dem gegenüber stehen nicht weniger als 361 sonstige Veranstaltungen, dazu zählen auch die 25 vom Stadtwerk selbst organisierten „Kultur im Stadion“-Termine, Parkplatznutzungen oder auch private Feierlichkeiten.

„Den deutlich bestimmenden Hauptanteil bilden allerdings geschäftliche Firmenveranstaltungen wie Workshops, Kunden-Events oder Tagungen“, führt Gottschalk weiter aus und erklärt, was sich wirklich rentiert: „Die stark übertroffenen Erwartungen resultieren insbesondere aus großen gebuchten Messen und Kongressen, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Haushaltsplanung noch nicht bekannt waren.“

Diese Entwicklung halte an, auch 2025 sei die Nachfrage im Drittveranstaltungsbereich „sehr gut“ und werde sich bei etwa 300 Terminen einpendeln. „Wir werden also auch in diesem Geschäftsjahr ein sehr stabiles Ergebnis sehen“, lautet Gottschalks Prognose. Das ändert aber nichts daran, dass kein Faktor die wirtschaftliche Situation des Stadions stärker beeinflussen kann als der sportliche Erfolg des SSV Jahn.

Rechtsstreit um verblasste Fassade geht weiter

In der Vorlage für den Stadtrat ist dies so formuliert: „Die Zielgröße eines kostendeckenden Betriebs lässt sich unter den gegenwärtigen strukturellen Rahmenbedingungen nur (annähernd) bei einer dauerhaften Zugehörigkeit des Hauptmieters zur 2. Liga erreichen.“

Dieser Zustand ist momentan ebenso wenig in Sicht wie ein leuchtendes Rot an der Stadionfassade. Zwar hat das Landgericht im Mai die ausgebleichte Farbe als Baumangel klassifiziert und der Stadt Schadenersatz in Höhe von 440.000 Euro zugesprochen – doch die Gegenpartei hat mittlerweile Berufung eingelegt, informiert Gottschalk: „Der Rechtsstreit verläuft in der nächsten Instanz am Oberlandesgericht Nürnberg.“

Die Zeit bis zur Entscheidung wolle man beim Stadtwerk dazu nutzen, sich über die komplexe Sanierung schlau zu machen. Es brauche dafür Speziallacke, die wegen des Ausdehnungsverhaltens der Trapezbleche eine gewisse Elastizität mitbringen, aber dennoch farbstabil sind.

PV-Anlage auf dem Dach muss warten

• Planung: Analog zur bereits fertiggestellten Anlage auf dem Dach der Donau-Arena wollte das Stadtwerk in diesem Jahr auch das Jahnstadion mit Photovoltaik nachrüsten. Wegen des noch laufenden Rechtsstreits bezüglich der Farbsanierung ist die Umsetzung jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt.

• Leistung und Kosten: Die Anlage soll pro Jahr 632.000 Kilowattstunden Strom erzeugen, die dafür notwendige Investition hat das Stadtwerk vor einem Jahr mit 1,07 Millionen Euro veranschlagt. Wegen der Verzögerung wurden bislang nur Planungskosten wirksam, diese beliefen sich im Jahr 2024 auf 31.000 Euro.