Sofortiger Wiederaufstieg von Jahn Regensburg wäre Hunderttausende Euro wert

Wie sehr sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg zusammenhängen, zeigt der Finanzplan fürs Jahnstadion, der diese Woche Thema im zuständigen Stadtratsausschuss ist.
Die Aktiven selbst sind natürlich vorsichtig. Da ist immer wieder von der „schönen Momentaufnahme“ die Rede und davon, dass „die Saison noch lange dauert“, man „von Spiel zu Spiel denken“ muss und „auf dem Teppich bleiben“ will. Was man halt so sagt als Trainer oder Spieler im Profi-Fußball.
Bei den Fans schaut es schon anders aus. Nach acht Siegen am Stück trauen sie dem Frieden zwar noch nicht vollständig, aber dennoch keimen die ersten Hoffnungen, dass die sofortige Rückkehr in die 2. Bundesliga ein Thema für den SSV Jahn werden könnte. Bei der Stadt Regensburg hofft man mit, und zwar aus handfestem finanziellen Interesse.
Über 300 Veranstaltungen
„Im Falle eines Wiederaufstiegs des SSV Jahn Regensburg in die 2. Liga würde sich die Erlössituation signifikant verbessern“, lautet der zentrale Satz in der Sitzungsvorlage des Ausschusses für Verwaltung, Finanzen und Beteiligungen. Dort steht am Donnerstag der Wirtschaftsplan der „Arena Regensburg – Regiebetrieb der Stadt Regensburg“, so lautet der behördliche Name des Jahnstadions, auf der Tagesordnung.
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Das umfangreiche Zahlenwerk ist an sich nicht unerfreulich. So hat das Stadion im ersten vollen Jahr ohne Corona-Einschränkungen seinen Status als vielseitiger und nachgefragter Veranstaltungsort festigen können. Bis zum Stichtag 31. August wurden 218 Termine mit insgesamt 120.000 Besuchern registriert, bis Jahresende sollen 100 weitere dazukommen.
Statistisch gesehen ist also an weniger als 40 Tagen im Jahr nichts los in der Oberislinger Arena. Der Jahresfehlbetrag entspricht mit gut 2,5 Millionen Euro ziemlich exakt der im Wirtschaftsplan enthaltenen Prognose. Rechnet man den Kapitaldienst, also die Aufwendungen für Zins und Tilgung, heraus, machte das Stadion „nur“ ein Minus von 668.000 Euro.
Wirtschaftlicher Erfolg ist eine Frage der Liga
An dieser letzten Zahl aber wird deutlich: Trotz aller Vielseitigkeit handelt es sich in erster Linie doch um ein Fußballstadion. Dessen wirtschaftlicher Erfolg hängt von den knapp 20 dort ausgetragenen Spielen im Jahr ab. Genauer gesagt von der Frage, in welcher Liga diese Spiele stattfinden.
Über all die Jahre hatte die Stadt einen Abstieg des Jahn in die 3. Liga einkalkuliert, weil dies die kaufmännische Vorsicht so erfordert. Jeder Klassenerhalt sorgte für ein besseres Ergebnis mit kleinerem Minus als prognostiziert. Doch heuer hat es den SSV erwischt, und die seit Langem theoretisch errechneten Folgen sind greifbar.
Denn obwohl sich die meisten Kennzahlen im Wirtschaftsplan für 2024 im Rahmen des Vorjahres bewegen, steigt der Fehlbetrag auf knapp 3,3 Millionen Euro beziehungsweise 1,45 Millionen Euro ohne Kapitaldienst.
Wer zahlt den neuen Rasen?
Die Lücke zu den 668.000 Euro von 2023 ist nahezu ausschließlich auf den Abstieg zurückzuführen. „Ein variables Nutzungsentgelt fällt bei der Zugehörigkeit zur 3. Liga nicht mehr an“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.
Ein prominentes Beispiel für die geminderte Ertragslage sind die Namensrechte und weitere Vermarktungsmöglichkeiten im Stadion. In der 2. Liga überweist der Jahn dafür 250.000 Euro an die Stadt, jetzt nur noch die Hälfte. Sogar die Frage, wer im Sommer 2024 die 120.000 Euro für den turnusmäßig neu zu verlegenden Rasen zahlt, hängt von der Liga ab. Steigt der Jahn auf, kommt er für die Kosten auf. Andernfalls die Stadt.
Wie das Minus ohne Kapitaldienst bei einem Verbleib in der 2. Bundesliga ausgesehen hätte, lässt sich in den alten Unterlagen für den Wirtschaftsplan 2023 nachlesen: 476.000 Euro, also fast eine Million niedriger. Das wäre der finanzielle Wert eines Wiederaufstiegs.