Viertelmillion für Bayerwald-Tierpark: Letzter Wille eines Unbekannten sorgt für Aufsehen

Niemand in der Gemeinde Lohberg im Landkreis Cham kannte Peter M. persönlich. Der Tod des 59-Jährigen, der nach einer schweren Krankheit Ende 2023 gestorben war, hat jedoch für einiges an Aufsehen gesorgt, weil sein letzter Wille gewesen war, dass der Bayerwald-Tierpark den Hauptteil seines Vermögens erbt – nach Abzug aller Verpflichtungen dürfte es sich hierbei um eine Viertelmillion Euro handeln.
„Wir können allerdings noch keine endgültigen Zahlen sagen“, relativiert der Geschäftsleiter der Gemeinde Lohberg, Alois Schneck, auf Nachfrage unseres Medienhauses bezüglich der Wertangabe. Peter M. sei nach allem, was von ihm bekannt sei, nie mit seiner Tierliebe in die Öffentlichkeit getreten. „Nach unserem Wissen war er weder Tierpate noch Jahreskarteninhaber oder dergleichen“, gibt Schneck Auskunft.
Kommune von Steuer befreit
Das erste Mal habe die Gemeinde als Träger des Bayerwald-Tierparks Mitte vergangenen Jahres von dem Nachlass des unbekannten Gönners gehört. Der hätte ein Testament verfasst, in dem er über sein Vermögen verfügt habe. Dazu habe ein Haus in Bayerisch Eisenstein gehört, das er erst rund sechs Jahre zuvor errichtet habe und das somit neuwertig sei. Darüber hinaus habe der Mann noch über weitere Geldmittel verfügt, von denen gewissen Tierheimen in Niederbayern und der Oberpfalz jeweils ein Anteil zukommen solle. Auch diese Geste lasse vermuten, dass es sich um einen ausgesprochenen Tierfreund gehandelt habe.
Die Gemeinde vermute, so der Geschäftsführer, dass der aus Weilheim in Oberbayern stammende Erblasser im Zuge seines Hausbaus in Bayerisch Eisenstein öfter auch nach Lohberg gekommen sei und offensichtlich großen Gefallen am ortsansässigen Tierpark gefunden haben könnte. Anders sei nicht erklärbar, dass der Tierpark sein „Haupterbe“ geworden sei.
Nach dem Tod des Mannes im Dezember 2023 sei das Nachlassgericht auf die Gemeinde zugekommen. Wie beim Tierparkträger mittlerweile bekannt sei, habe es sich beim Erblasser um einen alleinstehenden Herrn gehandelt, der beruflich in leitender Position tätig gewesen sei. Da zwischen dem Ableben des Gönners und der Mitteilung an die Gemeinde ein gutes halbes Jahr gelegen hätten, könne wohl davon ausgegangen werden, dass es keinerlei Angehörige gebe, die ein Anrecht auf einen Anteil hätten. Diesen Umstand dürfte das Nachlassgericht geklärt haben, bevor die Gemeinde Lohberg informiert worden sei.
Einfamilienhaus in Bayerisch Eisenstein bereits besichtigt
Inzwischen sei das Einfamilienhaus in Bayerisch Eisenstein besichtigt worden und solle demnächst verkauft werden. Aufgrund des einwandfreien und neuwertigen Zustandes gehe man in der Gemeinde davon aus, dass es Interessenten dafür geben werde. Nach dem Verkauf der Immobilie – so sei es der Wunsch des Verstorbenen gewesen – müssten noch die Zuschüsse für die vom Erblasser genannten Tierheime in Niederbayern und der Oberpfalz überwiesen sowie verschiedene Nebenkosten beglichen werden. Nachdem Kommunen von der Erbschaftssteuer befreit seien, werde der Restbetrag nicht durch Ansprüche des Finanzamtes gemindert. „Es bleibt aber dennoch abzuwarten, welche Summe letztendlich übrigbleibt“, so Alois Schneck. Allerdings sei die Summe von 250.000 Euro „ziemlich realistisch“. Deshalb habe er die Summe auch in dieser Höhe bereits in den Verwaltungshaushalt eingestellt.
Der Erblasser habe sein gesamtes Vermögen inklusive des Hauses mit einer halben Million beziffert. „Wenn man alle Verpflichtungen abzieht, dürften nach jetzigen Kenntnissen ziemlich sicher 250.000 Euro übrigbleiben“, so der Geschäftsleiter.
So wird das Geld verwendet
Der Tierpark stehe grundsätzlich auf gesunden Beinen. „Wir schreiben seit etlichen Jahren schwarze Zahlen. Allerdings fallen jährlich Betriebskosten von mehr als 700.000 Euro an“, sagt Schneck. Das Erbe sei für den Tierpark zweckgebunden und fließe in Instandhaltungen und Gehegeverbesserungen. Handlungsbedarf bestehe aktuell am Dachsgehege oder an der Beschilderung. „Stillstand gibt es hier keinen“, weiß der Geschäftsleiter.
Mit dem unerwarteten Geldfluss fielen Investitionen leichter, zumal die Gemeinde keine Zuschussmittel für die Einrichtung erhalte.