„Alte Metzgerei“ soll bayernweit Modell für die Nachnutzung von Leerständen werden

Von Stefan Weber · 24. September 2025 um 05:00

Gut vier Jahre ist es her, als die Stadt das Gebäude der ehemaligen Metzgerei Schoierer (prominent zwischen Hotel zur Post und Rathaus gelegen) ersteigern konnte – zum Mindestgebot von damals 125 000 Euro. Schon beim Kauf hatte der Bürgermeister betont, dass eine Nachnutzung „ohne Fördermittel nicht denkbar“ sei, dass es aber auch „keinen Grund zur Eile gebe“. Das Warten scheint sich gelohnt zu haben: Am Dienstag kündigte das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr an, mit der „Alten Metzgerei“ mutig neue Wege beschreiten zu wollen.

Die „Alte Metzgerei“ wird eines von nur drei Pilotprojekten im Freistaat, bei denen das Ministerium neue und vor allem auch experimentelle Wege gehen will: Das alte Rathaus aus den 1950er-Jahren in Reischach und ein leerstehendes Drogeriegebäude in Marktbreit stehen ebenfalls auf der kurzen Liste der Modellprojekte, bei denen vor allem eines gesammelt werden soll: Erfahrung.

Raum für (Wohn-)Experiment

„Leerstand jetzt wohnen“ heißt das Projekt, das es so eigentlich noch gar nicht gibt, wie Elisabeth von Mücke vom Referat Städtebauförderung und Ivankavic Heigermoser vom experimentellen Städtebau erklären. Das, was in den drei Modell-Orten bis Anfang kommenden Jahres an Ideen erarbeitet wird, soll am 20. April von Bayerns Bau-Minister Christian Bernreiter erst vorgesellt werden.

Um zu wissen, was sich die Bürger der jeweiligen Orte vorstellen könnten, werden die ab sofort auch für die „Alte Metzgerei“ befragt. Dafür hat das Ministerium mit „Gruppe 3“ ein Büro beauftragt, das für die Kommunikation verantwortlich ist.

Bürger sollen mitreden

Das hat nicht nur Plakate entworfen und auch am Dienstag die „Alte Metzgerei“ mit dem Logo des Projekts versehen, sondern wird auch die Ideen, die über die Website Leerstand-jetzt-wohnen.de, die Sozialen Medien oder auch ganz klassisch über den Postkasten an der Tür der „Alten Metzgerei“ abgegeben werden können, sammeln. Zwei wichtige Fragen sollten sich jeder und jede allerdings stellen, bevor eine Idee abgegeben werde: Nicht nur, „welche Wohnraumnutzung ist gewünscht“, erklärt von Mücke, sondern auch: „Welche öffentliche Nutzung soll im Erdgeschoss entstehen“. Denn das sei ein entscheidender Punkt in der gesamten Planung, dass auch ein Raum für die Allgemeinheit geschaffen werde – wobei die aktuelle Nutzung durch die Initiative FreiRäume jetzt schon großes Lob der Besucher an diesem Tag fand.

Dem Projekt – wohin sich das auch immer bis Ende des Jahres entwickeln wird – steht Peter Brückner zur Seite. Der Architekt hat in den vergangenen Jahren schon einige Sanierungsvorhaben mit Unterstützung der Städtebauförderung realisiert, wie er sagt. „Ohne geht es auch meistens gar nicht“, sagt er.

Mit Plakaten und Flyern wie diesen wird auf die Aktion hingewiesen - einfach den QR-Code scannen, und schon kann man sienen Vorschlag abgeben. - Foto: Gruppe 3

Das sie natürlich auch im Ministerium bekannt, sagt auch Elisabeth von Mücke. Gerade weil Objekte wie die eigentlich baufällige „Alte Metzgerei“ für Investoren aus der Privatwirtschaft uninteressant, für Kommunen der Erhalt historischer Bausubstanz im Ortskern ohne Förderung aber auch nicht machbar sei, wolle die Städtebauförderung mit „Leerstand jetzt wohnen“ neue Wege beschreiten.

Darum sei es erst einmal nicht hauptsächlich, wie viel die Umgestaltung von Schlachthaus und Co. in der „Alten Metzgerei“ zu einer Wohnraumnutzung letztlich kosten wird: Die Stadt könne nicht nur auf bis zu 80 Prozent Übernahme der förderfähigen Kosten bauen, sondern auch auf einen finanziellen Ausgleich bei den Mieteinnahmen. Denn der Wohnraum, der in der Innenstadt neu geschaffen werden wird, der solle nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch erschwinglich sein. Damit sich die Investition für die Stadt – ähnlich wie bei privaten Investoren – in einem überschaubaren Rahmen von rund zwei Jahrzehnten auch amortisieren können, werde der Freistaat auch hier finanziell unterstützen. Nun stellt sich nur noch die Frage: Was soll aus dem Gebäude werden?

Das Projekt

■ Worum geht es? Das Modellvorhaben „Leerstand jetzt wohnen“ wurde von den Referaten Experimenteller Wohnungsbau und Städtebauförderung ins Leben gerufen. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden leerstehende Gewerbe-, Büro- und Einzelhandelsflächen in kostengünstigen und hochwertigen Mietwohnraum umzuwandeln.

■ Wie wird es umgesetzt? Die Umsetzung des Vorhabens erfolgt in Kooperation mit den Gemeinden. Die bleiben Eigentümer der Gebäude und vermieten die entstehenden Wohnungen, um kostengünstigen Wohnraum zu schaffen. Darüber hinaus werden gemeinschaftlich genutzte Räume und Freiflächen geschaffen, die das soziale Miteinander fördern.

■ Wer kann teilnehmen? Aktuell befindet sich das Modellvorhaben in der Startphase, in der ausgewählte Pilotgemeinden erste Umsetzungen vornehmen. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln, die auf andere Gemeinden übertragbar sind, und das gewonnene Wissen sowie Netzwerke weiterzugeben.