Vor zehn Jahren führte der Weg für Oli Zilk zum Live-Club im Bahnhof Koetzting

2016 erhielt Oli Zilk die Genehmigung, im historischen Bahnhofs-Gebäude in Bad Kötzting (Landkreis Cham) Konzerte veranstalten zu dürfen. Ein Konzept, für das er mehrfach ausgezeichnet worden ist in den vergangenen zehn Jahren. Doch: Wie kam es eigentlich dazu?
Mit knapp über 50 wohnt Oli Zilk in einem Bahnhofsgebäude. Die Bodendielen knarren immer ein wenig in seiner Wohnung im zweiten Stock, die Einrichtung ist vom Flair der 1960er Jahre bestimmt. Im ersten Stockwerk übernachten mehrmals die Woche Musiker aus aller Welt, nicht nur, wenn sie im Erdgeschoss, sondern auch im ehemaligen Spital in Viechtach oder im Sommer auf mehreren Open-Air-Bühnen auftreten. Es war der 15. September 2016, als ein Schreiben aus dem Landratsamt Cham die Weichen in eine Richtung gestellt hat, auf die Zilk seinen Wagen schon viele Jahre vorher gesetzt hatte.
Heute lebt er in dem Bahnhofsgebäude, das er im Juli 2017 von der Stadt kaufen konnte. Ein Umstand, den er sich noch einige Jahre zuvor nicht hatte vorstellen können, wie er sich erinnert.
Wie kam es zum Live-Club?
Doch die Geschichte, wie er vom Redakteur bei einem Münchner Fernsehsender zum Live-Club-Betreiber geworden ist, die sei eigentlich noch viel älter, erzählt Oli Zilk – zehn Jahre, nachdem ihm das Landratsamt den Betrieb einer Kleinkunstbühne im Bahnhofsgebäude genehmigt hat. „Ich habe schon während meines Studiums gelernt, wie man Partys organisiert“, sagt er. „Das habe ich genossen und geliebt.“
Eine Leidenschaft, die er neben der Arbeit in der Landeshauptstadt später auch im privaten Bereich an den Wochenenden in Bad Kötzting habe ausleben können. „Sehr oft waren DJs da, aber irgendwann spielte einfach auch mal eine Band.“ Nicht nur da habe ihn die Leidenschaft gepackt. Auch die Benefizkonzerte für die Außengestaltung der Jahnhalle im Jahr 2012, ebenso die Disco Asyl, die es 2015 gegeben hat, hätten ihm gezeigt, dass es die Organisation von Konzerten und die Gemeinsame Party sind, die ihn reizen. Aber wo? „Die Jahnhalle war schon ganz cool, und hatte ich auch eine Zeit lang überlegt“, erinnert sich Zilk. Aber regelmäßig die Größe der historischen Turnhalle belegen, das schien ihm dann doch etwas zu ambitioniert – und dann sei der Besuch des Bahnhofs-Gebäudes im Jahr 2013 plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt.
„Erst einmal bin ich da sofort rückwärts wieder raus“, sagt Oli Zilk. Jahrzehnte ungenutzt, das Dach undicht, das habe nicht viel Vertrauen in die Substanz geweckt. „Aber der Bahnhof war’s“, sagt er noch heute mit leuchtenden Augen. Anfang des Jahres 2016 bekam er die Genehmigung, sein Konzept an einigen wenigen Konzerten auszuprobieren. Die maximale Zahl hatte er schnell erreicht, weitere wurden genehmigt. Doch mit dem Schreiben vom 15. September des Jahres war der Betrieb einer Kleinkunstbühne richtig genehmigt. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte.
Den Job beim Fernsehen gab es da schon nicht mehr, und „große Sprünge kann ich auch nicht machen“, sagt Oli Zilk. Fördermittel und Preisgelder, die er in den vergangenen zehn Jahren erhalten hat, seien voll in die Gagen der Künstler geflossen.
Die „Traumlocation“
Dafür habe sich der Bahnhof zur „Traumlocation für viele Künstler etabliert“, freut sich Zilk. Aus über 140 Ländern seien die bislang gekommen, und das zu wohl über 1000 Konzerten. „Irgendwann, wenn ich in Rente bin, muss ich das mal genau zählen“, sagt er und grinst: „Aber allzu viel Zeit werde ich dafür nicht haben, dazu macht mir zuviel Spaß, was ich jetzt mache.“

Corona-Pandemie, Inflation, der Krieg in der Ukraine – die vergangenen zehn Jahre hätten nicht gerade dazu beigetragen, dass mehr Geld für die Kultur, also auch für den Besuch von Konzerten ausgegeben werde. „Ohne Förderung würde es gar nicht gehen“, sagt Zilk nicht ohne Bedauern – und doch bringe er einen eigenen Beitrag, um die Kultur zu fördern: „Bis zum Alter von 25 Jahren ist bei mir der Eintritt frei – das ist wichtig, damit die Hürde für junge Menschen möglichst niedrig ist, bei allem digitalen Angebot auch ein echtes Konzert zu besuchen, bei dem der Künstler zwei Zentimeter vor Dir die Gitarre würgt.“
Auch nach zehn Jahren sei es für ihn immer noch derselbe Traumberuf wie zu Beginn, daran können alle Vorzeichen nichts ändern: Aus aller Welt werden weiter die Künstler in den Bayerischen Wald kommen.