Für eine Million zu haben: Das Sauseneck in Regensburg steht zum Verkauf

Von Rainer Wendl · 19. September 2025 um 15:55

Wegen seiner markanten Lage und seiner Funktion als Kneipe ist das Sauseneck in Regensburg eine der bekanntesten Immobilien im Altstadtkern. Jetzt steht das Gebäude zum Verkauf. Hat es auch eine gastronomische Zukunft?

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Im alle vier Wochen erscheinenden Newsletter der Makler von Remax wird es als „Immobilie des Monats“ beworben. Diese zeitliche Einordnung darf getrost als Untertreibung gesehen werden, denn ein Objekt wie das Haus „Zum Sauseneck“ kommt nur alle heilige Zeiten auf den Markt. Für 995.000 Euro ist das markant in die Keplerstraße hineinragende Gebäude, laut Remax das „einzige freistehende Haus in der Regensburger Altstadt“, zu haben.

Mit der Suche nach einem passenden Käufer wurde Sabine Lehner betraut. Die Remax-Maklerin kam über einen gemeinsamen Bekannten mit Hauseigentümer Uwe Fritz zu dem Auftrag und kann bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung der Anzeige von einer großen Resonanz berichten: „Es läuft sehr gut an, es haben auch schon die ersten Besichtigungen stattgefunden.“

Der Sanierungsbedarf ist enorm

Die aufgerufene Million für die rund 280 Quadratmeter Wohnfläche scheint also kein Hemmnis für die Interessentenschar zu sein. Weil in der Anzeige das berühmte Kürzel VB für „Verhandlungsbasis“ fehlt, dürfte auch kein großer Spielraum bei diesem Preis bestehen.

Für die Sanierung braucht man wohl in etwa noch einmal dieselbe Summe.

Sabine Lehner, Maklerin

Doch damit wird es längst nicht erledigt sein, wie der Anzeigentext in seltener Offenheit verdeutlicht. „Geben Sie sich keinen Illusionen hin – Sie werden Zeit, Arbeit und Geld investieren müssen, um dieses Juwel erneut zum Strahlen zu bringen“, steht da zu lesen. Maklerin Lehner präzisiert: „Für die Sanierung braucht man wohl in etwa noch einmal dieselbe Summe.“

Denn so schmuck das Sauseneck von außen auch ausschaut – die letzte grundlegende Sanierung fand 1980 statt, damals mit viel Eigenleistung der Familie Fritz durchgeführt. Vor allem für die auf zwei Ebenen aufgeteilte, als Lagerraum genutzte Dachfläche gilt daher das Prädikat „stark sanierungsbedürftig“.

Ihre große Bekanntheit verdankt die Immobilie neben ihrer auffälligen Lage vor allem ihrem Erdgeschoss. Dort ist seit Jahrzehnten eine Gaststätte untergebracht, die von ihren Stammgästen als eine der letzten ursprünglichen Kneipen Regensburgs gepriesen wird. Ob es in dieser Hinsicht eine Zukunft für das Haus gibt? Sabine Lehner schließt dies nicht aus: „Unter den bisherigen Interessenten gibt es welche, die sich eine gastronomische Nutzung wieder vorstellen könnten. Aber da ist noch nichts spruchreif.“

„Ich fände es wichtig, dass das Sauseneck als Wirtshaus erhalten bleibt. Es hat ein reizvolles Ambiente und verkörpert einen anderen Typus von Gastronomie als das, was man sonst mittlerweile überall in der Stadt hat.

Joachim Buck, Vorsitzender Arbeitskreis Kultur

Auch Joachim Buck geht gern auf ein Glas ins Sauseneck. Der Vorsitzende des Vereins Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger bezeichnet das offiziell stets nur an Freitag- und Samstagabenden geöffnete Lokal als „Boazn“ und versteht diesen Begriff keineswegs als Schmähung, sondern als Ehrentitel: „Ich fände es wichtig, dass das Sauseneck als Wirtshaus erhalten bleibt. Es hat ein reizvolles Ambiente und verkörpert einen anderen Typus von Gastronomie als das, was man sonst mittlerweile überall in der Stadt hat.“

Als Architekt, Stadtplaner und Gästeführer hat Buck aber nicht nur die Biertisch-Qualitäten des Verkaufsobjekts im Blick. Er weiß, dass das Sauseneck in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts um ein Haar den irrwitzigen damaligen Verkehrsplanungen zum Opfer gefallen wäre; es stand einer leistungsfähigen Donau-Parallele ohne lästige Kurven im Weg und sollte daher abgerissen werden. Derlei Überlegungen sind freilich längst vom Tisch und dem Gegenteil gewichen, wie Buck erleichtert feststellt: „Das im Juli vom Stadtrat beschlossene Verkehrsberuhigungskonzept für die Altstadt sieht ja auch vor, die West-Ost-Durchfahrt der Kepler- und Thundorferstraße zu unterbinden – das ergibt neue Chancen für die stadträumliche Situation beim Sauseneck.“

Ziel: Vollzug bis Jahresende

Konkret meint er damit die Möglichkeit, dass künftig nicht nur das frisch sanierte Haus glänzt, sondern auch sein Vorplatz aufgeweitet wird und damit stärker zur Geltung kommt. Mit der unmittelbaren Umgebung von Kepler-Wohnhaus, Kepler-Museum und Runtingerhaus könnte so eine attraktive Einheit entstehen. „Doch jetzt ist zunächst einmal wichtig, dass der Käufer vom Sauseneck nicht nur Geld, sondern auch die notwendige Liebe für so ein besonderes Gebäude mitbringt“, betont Buck.

Maklerin Lehner ist zuversichtlich, einen solchen zu finden. Und zwar in sehr überschaubarer Zeit. „Das Ziel des Eigentümers ist ein Abschluss bis Ende des Jahres.“ Der im ersten Obergeschoss des Hauses wohnende Uwe Fritz selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Stichpunkte zur Geschichte des Hauses

• Baudaten: Im Regensburg-Band des Nachschlagewerks „Denkmäler in Bayern“ ist das trapezförmige Gebäude in der Keplerstraße 8 als „freistehendes spätgotisches Haus mit barockem Erker“ beschrieben. Errichtet wurde es um 1330, der Name „Sauseneck“ ist seit dem Jahr 1363 belegt. Der auffällige Erker an der Südseite wurde erst 1768 angebaut.

• Unikat: Durch seine freistehende Position stellt das Sauseneck eine absolute Ausnahme unter den Gebäuden im Altstadtkern dar. Das aktuelle Erscheinungsbild geht auf das Jahr 1980 zurück, damals fand die letzte Sanierung statt.

• Name: Die Ortsbezeichnung geht auf den Vitusbach zurück. Als dieser noch oberirdisch floss, machte er laut „Denkmäler in Bayern“ vor seiner Mündung in die Donau auf Höhe des Hauses einen scharfen Knick nach Norden. „Das rauschende Geräusch des um die Ecke sausenden Bachs gab diesem Bereich seinen Namen“, heißt es in dem Buch.