Regensburg bietet modernen Blick auf Himmelsforscher Johannes Kepler

Von Marion Koller · 19. Januar 2024 um 05:00

Im Februar öffnet in der Regensburger Altstadt das neu gestaltete document Kepler – Es bietet Biographie, Wissenschaft und Hausgeschichte.

Durch die neue Glastüre blickt er auf die Besucher. Streng sieht Johannes Kepler aus. Er trägt Schnauzer, Kinnbart und einen hohen Kragen. Bei der Vorbesichtigung des document Kepler nach der Sanierung gruppieren sich die Vertreter der Stadt mit Kulturreferent Wolfgang Dersch fröhlich um die Büste. Die Fachleute sind erleichtert, dass die Maßnahme mit den immensen Kostensteigerungen bald zu Ende gehen wird. Am 2. Februar öffnet das document Kepler für Besucher.

Stadt erhält eine hohe EU-Förderung

Zwar sind aus den ursprünglich veranschlagten 750.000 Euro vom Jahr 2016 sage und schreibe fünf Millionen Euro geworden, doch die Stadt erhält eine hohe EU-Förderung – und vor allem ein unvergleichliches Kleinod. In dem mittelalterlichen Patriziergebäude mit Geschlechterturm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist Johannes Kepler mit 58 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

Durch die Glaseingänge in der Keplerstraße und im Scheugässchen sowie die Leuchtschrift an den Fassaden ist das frühere Kepler-Gedächtnishaus sichtbarer geworden. Matthias Freitag von den Museen der Stadt Regensburg, spricht am Donnerstag von einem Schaufenstereffekt. „Auch wenn das Museum geschlossen ist, nimmt man es wahr.“ Der Historiker kennt das Haus wie kaum ein anderer. Er hat unzählige Male Besucher geführt.

Die Mutter gerettet

Das hat er auch bei der Vorbesichtigung übernommen. Der südliche Eingang ist neu. Das beauftragte Frankfurter Architekturbüro Wandel Lorch Götze Wach fand überzeugende Lösungen: Ein neuer Aufzug in einem Anbau an der Südseite des Gebäudes, der an eine Ellipse erinnert, bietet einen barrierefreien Zugang zu den vier Etagen. Zugleich sind die historischen Decken und Treppe im Museum erhalten geblieben.

Der Berliner Kepler-Experte Pablo von Frankenberg hat die Ausstellung konzipiert. Sie ist spannend, unterhaltsam – und überrascht. Warum bin ich so erschöpft? Warum kann das Leben nicht einfacher sein? In wessen Dienst werde ich stehen? Das fragt sich Johannes Kepler bei der Ankunft in Regensburg. Er hatte die Reise auf sich genommen, um ausstehende Gelder einzutreiben.

Vieles Interessante über sein Leben

Besucher erfahren, dass der Wissenschaftler in seinem Leben 25.000 Kilometer zurücklegte, das war damals sehr viel. Die durchschnittliche Tagesleistung betrug 30 bis 60 Kilometer. Er hatte Briefkontakt zu zahlreichen Kollegen, verdiente 42 Gulden monatlich, ein Schreiner sieben. Die Mutter des kaiserlichen Hofmathematikers wurde als Hexe angeklagt, nicht zuletzt durch die Bemühungen ihres berühmter Sohnes aber freigesprochen.

Natürlich geht es vor allem um die wissenschaftliche Arbeit. Nikolaus Kopernicus stellte die Theorie auf, dass die Erde die Sonne umkreist, nicht umgekehrt. Erst Johannes Kepler erkannte, dass sich die Planeten auf elliptischen Bahnen bewegen, nicht wie vorher angenommen, auf Kreisen. Damit vollendete er das moderne Weltbild mit der Sonne im Zentrum des Planetensystems.

1630 in Regensburg gestorben

Der Astronom und Mathematiker, der 1630 in Regensburg gestorben ist, hat aber auch herausgefunden, warum Schneeflocken sechseckig sind.

Warum haben sich die Menschen vor 400 Jahren mit der Astronomie beschäftigt? „Sie ist wichtig für die Orientierung im Raum und in der Zeit“, erklärt Matthias Freitag. „Die Navigation war ein Riesending.“

Laufschriften in zwei Räumen vermitteln einen Überblick, was im 17. Jahrhundert geschah, vom Dreißigjährigen Krieg bis zu den Hexenverbrennungen.

Mitmach-Labor für Schüler

In einem Raum kann man sich vom Liegestuhl aus mit Keplers Erkenntnissen zum Planetensystem beschäftigen. Das Museum wurde erweitert: Im Obergeschoss wohnte früher ein Hausmeister. Diese Räume wandeln sich nun in ein Science Lab, eine Art experimentelles und interaktives Mitmach-Labor. Gäste werden Fragen an die Astronomie stellen können. Die Stadt hat vor, Schüler über Projekte einzubinden.

Kulturreferent Wolfgang Dersch betont, die Baukosten seien dann doch nicht auf die erwarteten 5,4 Millionen Euro geklettert, sondern auf fünf Millionen. Dank der EU-Förderung müsse die Stadt nicht mehr als drei Millionen Euro schultern.

Astronom erzählt aus seinem Leben

Besucher: Zur Eintrittskarte erhalten sie einen zweisprachigen Audioguide. Ein Sprecher berichtet in der Ich-Form aus Keplers Leben. Auch eine App wird es geben.

Preise: Diese orientieren sich am Historischen Museum. Geöffnet wird ab 2. Februar jeweils von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt gratis. Für Turnus-Führungen verlangt die Stadt acht Euro pro Person und fünf Euro für das ermäßigte Ticket. Sonderführungen kosten 45 Euro, zusätzlich zahlt jeder Teilnehmer 2,50 Euro.

Warum ist das Leben nicht einfacher? Diese und viele andere Fragen stellte sich Kepler. Foto: Lex
Ein Erd- und ein Himmelsglobus sind zu sehen, die die Stadt einst anfertigen ließ. Foto: Stadt Regensburg/Effenhauser
Vom Liegestuhl aus kann man das Welt- und Sternenbild des Astronomen erkunden. Foto: Lex
Haben hart für die Neueröffnung gearbeitet: (v. l.) Andreas Boos, Matthias Freitag (beide von den Museen der Stadt), Kulturreferent Wolfgang Dersch und Maria Lang vom Kulturamt Foto: Lex