Klinik Mainburg: Förderverein sieht „politisches Desaster“ – Folgt Rolle rückwärts?

Die Ingolstädter CSU stellt wie berichtet die geplante Fusion regionaler Krankenhäuser in Frage – und beschert dem Landkreis Kelheim eine heftige Diskussion um die Klinik Mainburg. Der Förderverein spricht von einem „politischen Desaster“ und fordert eine Neuausrichtung des Krankenhauses. Auch 20 Kreisräte plädieren dafür. Nun zeichnet sich eine Sondersitzung ab.
Zwar bekräftigte Ingolstadts OB Michael Kern (CSU) am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung „die regionale Zusammenarbeit“, schränkte aber ein, dass es keine Nachteile für irgendeine Seite geben dürfe. Eine „Win-win-Situation“ (Kern) sieht der Förderverein des Mainburger Krankenhaus offenkundig derzeit nicht. „Unsere Klinik wird abgebaut und von einem Haus mit stationärer Grund- und Notfallversorgung zu einem sektorenübergreifenden Versorgungszentrum herabgestuft“, erklärt Vorsitzende Karoline Fritz-Ertlmaier.
Selbst Schnittverletzungen werden nicht mehr versorgt
Bereits jetzt zeigten sich dramatische Folgen, so der Förderverein in einer Pressemitteilung: „Notfall- und Betriebsarzt sind nicht mehr verfügbar, selbst kleinere Verletzungen wie Schnittwunden oder Betriebsunfälle können nicht mehr versorgt werden.“ Ab 1. Januar 2026 sei nur noch eine kleine internistische Abteilung vorhanden und nur ambulante Leistungen und geplante Eingriffe vorgesehen – eine stationäre Notaufnahme entfalle.
Das auch vom Kreistag abgesegnete Nabe-Speichen-Modell der Region 10, in das kleinere Häuser wie Mainburg mit laut Förderverein „klar begrenzten Aufgaben“ eingebunden werden, „entpuppt sich zunehmend als strategische Sackgasse“, sagt Fritz-Ertlmaier. Die Herabstufung in ein sektorenübergreifendes Versorgungszentrum (SÜV) sei erfolgt, obwohl es noch keine „bundesrechtliche Klarheit darüber gibt, welche Leistungen ein SÜV künftig erbringen muss und wie die Notfallversorgung in ländlichen Regionen gesichert werden kann“.
Umso dringlicher sei es nun, „Mainburg durch die Anmeldung zentraler Leistungsgruppen abzusichern“. Vereinfacht gesagt, sind damit medizinische Abteilungen gemeint. „Ziel muss es sein, die wohnortnahe, stationäre Grund- und Notfallversorgung 24/7 dauerhaft zu gewährleisten.“
In dasselbe Horn stoßen 20 Kreisräte – neun von den Freien Wählern, sieben von der SPD und je zwei von SLU und FDP. Sie beantragen zum einen eine außerordentliche Kreistagssitzung und für Mainburg die Leistungsgruppen Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Herznotfallkatheter und Geriatrie und eine Notfallversorgung von 24/7.
Da 20 Kreisräte hinter den Anträgen stehen, „muss eine Sondersitzung angesetzt werden, da ein Drittel des Kreistags dafür erforderlich ist und das ist bei insgesamt 60 Kreisräten nun gegeben“, sagt FW-Fraktionssprecher Christian Nerb.
Kelheimer Landrat hält Debatte für „verfrüht“
Allerdings hatte der Kreistag im Juli 2025 beschlossen, keine Leistungsgruppen zu beantragen. Für Landrat Martin Neumeyer ist es Teil der Demokratie, solche Entscheidungen auch zu akzeptieren. FW-Fraktionssprecher Christian Nerb sieht aber eine veränderte Situation. „Es ist zu befürchten, dass die Stadt Ingolstadt aus den Fusionsplänen aussteigt.“
Der Landrat hält „die Diskussion auf Kreisebene aktuell verfrüht. Es liegt derzeit keine Entscheidung oder auch nur belastbare Absichtsbeurkundung des zuständigen Stadtrates in Ingolstadt vor.“ Erst wenn sich daran etwas ändere, wäre eine Debatte „sinnhaft“.
Wir sehen die Politik in der Pflicht, umgehend eine eigene Krankenhaus-Strategie auf Landkreisebene zu entwickeln.
Karoline Fritz-Ertlmaier, Vorsitzende des Fördervereins
Nerb pocht weiter auf der Beantragung der Leistungsgruppen. Auch die ÖDP stellt über Peter-Michael Schmalz einen Antrag auf Leistungsgruppen für Mainburg: Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Intensivmedizin, Notaufnahme/ Notfallmedizin, Kardiologie, zum Teil in Kooperationen. Zudem soll im Kreistag „über mögliche Alternativen zum Nabe-/Speichenmodell und Kooperationen auch mit anderen Einrichtungen des Krankenhauswesens beraten werden“.
Sollte die Beantragung der Leistungsgruppen abgelehnt werden, wollen FW und FDP-Kreisrat Michal Schöll „den Landrat auffordern, entsprechend dem zwischen den Landkreisen Kelheim und Pfaffenhofen geschlossenen Gesellschaftsvertrag die Rechte des Landkreises Kelheim einzufordern“. In dem Vertrag sei „der Betrieb der Kliniken Pfaffenhofen und Mainburg einschließlich der zugehörigen medizinischen Versorgungszentren festgelegt“ und zudem festgehalten, in Mainburg „ein Krankenhaus der Grundversorgung zu betreiben“. „Die Gesellschaft Ilmtalkliniken hat den vertraglich geregelten Pflichten nachzukommen“, fordert Nerb.
Auf ein Haus der Grundversorgung zielt auch der Förderverein ab. „Wir sehen die Politik in der Pflicht, umgehend eine eigene Krankenhaus-Strategie auf Kreisebene zu entwickeln“, sagt Fritz-Ertlmaier. Für Gutachten und Beratung seien „enorme Summen im siebenstelligen Bereich ausgegeben worden“. Künftig brauche es „mehr Selbstbestimmung im eigenen Landkreis anstatt sich von externen Konzepten und Fremdlandkreisen abhängig zu machen“.