„Es erdet einen“: Regensburger Pathologin erklärt, wie ihr Beruf die Sicht auf das Leben verändert

Die Faszination für Rechtsmedizin begleitet Prof. Dr. Dr. Ramona Erber schon lange – ihr Weg führte sie schließlich aber an das Institut für Pathologie der Universität Regensburg. Warum das zwei getrennte Arbeitsbereiche sind und wie ihr Beruf die Sicht auf das Leben verändert, erklärt sie hier.
Floristin, Tierärztin oder Juristin – als Kind hatte Prof. Dr. Dr. Ramona Erber unterschiedliche Berufswünsche. „Mit zwölf oder 13 Jahren hat es angefangen, dass ich mich für Rechtsmedizin interessiert habe. Sonntagnachts lief damals auf RTL II die Doku-Reihe Autopsie – Mysteriöse Todesfälle. Das konnte ich nur in den Ferien schauen, weil es so spät kam. Aber ich fand es total spannend.“
Die Faszination für Rechtsmedizin bleibt bis zum Abitur. Nach ihrem Schulabschluss beginnt Erber ein Medizinstudium an der Universität Erlangen. „Wenn man in diesen Bereich will, studiert man Humanmedizin“, erklärt sie. Praktika in der Krankenpflege, Einblicke in die Chirurgie, aber auch Fächer wie Mikrobiologie, Pharmakologie und Histologie – die Untersuchung von Gewebe unter dem Mikroskop – gehörten dazu. „Eigentlich will man ja in die Klinik“, erinnert sie sich. „Aber am Anfang war es eben auch jede Menge auswendig lernen.“
Rechtsmedizin und Pathologie: Zwei unterschiedliche Arbeitsbereiche
Auch nach dem Physikum hat Erber damals noch vor, in die Rechtsmedizin zu gehen. Gelandet ist sie aber letztendlich in der Pathologie – und das, erklärt die 37-Jährige, seien entgegen der landläufigen Meinung zwei ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche.
„Wenn ich erzähle, was ich arbeite, denkt jeder direkt an CSI oder den Tatort. Dabei sind Rechtsmedizin und Pathologie in Deutschland zwei unterschiedliche Facharztausbildungen.“ Der Umschwung sei mit der Suche nach einem Promotionsthema und einer Stelle als studentische Hilfskraft einhergegangen. „Ich musste mir das Studium selbst finanzieren und wollte etwas machen, was mich später auch weiterbringt. Im Bereich Rechtsmedizin gab es zu diesem Zeitpunkt keine Angebote. Mein ehemaliger Chef in der Pathologie in Erlangen hatte allerdings eine Promotion ausgeschrieben mit dem Thema Brustkrebs und Brustkrebspathologie. So kam es, dass ich seit dem fünften Semester eigentlich in der Pathologie geblieben bin – und den Bereich sehr interessant finde.“
Die eigene Gesundheit schätzen lernen
Pathologie sei die „Lehre von den Krankheiten“ – ein Fach, in dem man der Vergangenheit vor allem durch Obduktionen Schlüsse auf Erkrankungen gezogen habe. „Da kam es auf das an, was man mit dem bloßen Auge gesehen hat. Zum Beispiel, ob bei Gelbsucht die Leber oder auch mal der ganze Körper verfärbt sind.“ Mit der Erfindung der Mikroskopie sei später die Untersuchung von Gewebe unter dem Mikroskop dazugekommen – etwas, mit dem auch Erber in ihrem Arbeitsalltag viel Zeit verbringt. „Man schaut sich auch heute noch Strukturen oder Gewebe mit bloßem Auge an – nicht mehr nur im Rahmen von Obduktionen, sondern wenn der Patient am Leben ist. Trotzdem hat sich das Tätigkeitsfeld ein wenig verschoben“, erklärt sie.

Zusätzlich dazu spiele mittlerweile die molekulare Diagnostik eine große Rolle. „Man untersucht etwa, ob sich in einem Tumor verändertes Erbgut befindet. So können wir die klinischen Kollegen darauf hinweisen, dass beispielsweise auch die Familienmitglieder eines Patienten humangenetisch beraten werden sollten.“
Die Perspektive auf das Leben habe ihre Arbeit schon in einigen Bereichen verändert, sagt Erber. „Ich würde sagen, man schätzt die eigene Gesundheit mehr. Es erdet einen.“ Dadurch, dass man nicht in direktem Kontakt mit den Patienten steht, falle es etwas leichter, Abstand zu schweren Krankheitsfällen zu halten. „Wenn es aber zum Beispiel ein sehr junger Patient ist, der unter einer bösartigen Erkrankung leidet, ist das trotzdem etwas, worüber man nachdenkt.“ Schwierig sei auch, wenn die Pathologin bei Untersuchungen mit Namen konfrontiert werde, die sie kenne. „Das ist schon vorgekommen“, sagt sie.
Netzwerken gehört dazu
Dass Pathologen allesamt schweigsame Menschen seien, die den ganzen Tag im Keller sitzen und Kaffee trinken, hält Erber für ein Klischee. Zwar sitzt sie, seit sie im Juni 2024 für eine Professur von Erlangen an das Institut für Pathologie der Universität Regensburg gewechselt ist, tatsächlich im Untergeschoss. Das sei aber mehr der Architektur des Baus am Universitätsklinikum Regensburg geschuldet. „Es gibt hier Fenster und Tageslicht – und generell ist mein Eindruck, dass wir alle ziemlich gerne reden und nicht menschenscheu sind. Wir stellen unsere Forschungsergebnisse auch regelmäßig auf Kongressen vor und netzwerken viel.“
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Spannend findet Erber auch, wie sich ihr Beruf in Zukunft weiterentwickeln werde. „Digitalpathologie kommt mehr und mehr“, sagt sie. „Das heißt, dass man sich feingewebliche Schnitte nicht nur am Mikroskop, sondern auch mit Scannern digitalisieren und auf dem Monitor anschauen kann.“ Künstliche Intelligenz könne in Sachen Mustererkennung helfen – doch Angst davor haben, dass das Berufsbild aufgrund von KI verschwinde, müsse man nicht. „Am Ende braucht es den Arzt, der die Ergebnisse überprüft.“