Doktorandin Maria Drießlein arbeitet in Regensburg an Immuntherapien gegen Leukämie

Von Florian Teuber, Markus Berer · 1. September 2025 um 13:00

In weißen Kitteln bewegen sich Forscherinnen und Forscher durch die Gänge des Leibniz Institut für Immuntherapie (LIT) in Regensburg. In einem schmalen, grell belichteten Raum desinfiziert Maria Drießlein sorgfältig die Arbeitsfläche. Dann führt sie mit ruhiger Hand die Pipette und hantiert vorsichtig mit Immunzellen. Die Arbeit der rund 140 Mitarbeiter könnte das Leben vieler Menschen verändern, denn sie forschen zu einer der bedrohlichsten Erkrankungen unserer Zeit: Krebs.

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Maria Drießlein ist 26 Jahre alt, stammt aus dem Landkreis Passau und hat sich bewusst für den Weg in die Forschung entschieden. Sie promoviert am Universitätsklinikum Regensburg und ist Teil der Arbeitsgruppe von Prof Dr. H. Poeck. Ihr Thema: Leukämie. Das Ziel? Den Stammzellentransplantationsprozess zu verbessern.

Regensburger Forschung: Arbeit mit Spenderzellen

In ihrem Projekt geht es darum zu zeigen, welchen Einfluss das Darmmikrobiom auf das Immunsystem und den Transplantationsprozess hat. Das bedeutet: Sie untersucht, wie die Darmbakterien das Abwehrsystem des Körpers beeinflussen. Insbesondere steht im Fokus, wie neues Knochenmark nach einer Transplantation gegen Leukämie eingesetzt werden kann, ohne gesunde Zellen des Patienten anzugreifen. Die Zellen für ihre Forschung erhält sie von Spendern und behandelt diese mit bestimmten Substanzen. Danach beobachtet sie die Reaktion, etwa ob sie aktiver werden oder absterben. Dabei will Maria Drießlein herausfinden, wie genau diese Substanzen die Immunzellen beeinflussen.

Die Begeisterung für Naturwissenschaften war schon früh da. „Bereits in der Schule fand ich, dass Biologie und Chemie die spannendsten Fächer sind“, erklärt Drießlein. In der 10. Klasse absolvierte sie dann ein Praktikum im Krankenhaus. „Ich habe schnell gemerkt, dass ein Medizinstudium aber nicht das Richtige für mich ist“, schildert sie. Ihr Weg führte sie schließlich nach Regensburg, wo sie Molekulare Medizin studiert hat. Über Bachelor und Master kam dann die Spezialisierung in Richtung Immunologie und Onkologie. Im Konkreten bedeutet das: sie beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Immunsystem und Krebserkrankungen – zwei Schlüsselfaktoren bei der Behandlung von Leukämie. „Und im Moment ist das genau die Verbindungsstelle.“

Einen persönlichen Bezug zur Leukämieforschung hat Drießlein zum Glück nicht. Wie bei vielen anderen Menschen auch, habe es in ihrem Bekanntenkreis zwar schon Fälle von Krebs gegeben, die Entscheidung für das Thema sei aber eine fachliche gewesen, angetrieben von Neugierde. „Ich bin aber sehr froh, dass ich hier bin“, sagt sie und lacht.

Abwechslungsreicher Alltag am Regensburger LIT

Der Arbeitsalltag kann für Maria Drießlein abwechslungsreich sein – planen könne sie deshalb nur bedingt. Manchmal muss sie Versuche auswerten und sitzt vor dem Computer, ein anderes Mal muss sie aktiv im Labor pipettieren. Dazu kommen Termine wie eine Arbeitsgruppenbesprechung, ein LIT übergreifendes Meeting oder Seminare innerhalb der Abteilung. „Und dazwischen plant man selbst seine Versuche“, sagt sie.

Für die mehrjährige Promotion benötigt Maria Drießlein auch einen langen Atem, denn: Forschung kann sehr langwierig sein. „Mit jedem Ergebnis muss man sich neu nachjustieren“, erklärt sie ihr Vorgehen. Für sie ist Neugierde und Eigenmotivation unerlässlich, wenn man den Weg in die Forschung gehen will. Die Promotion dauere etwa vier Jahre, das sei aber eher eine kurze Zeit, um wirklich etwas Substanzielles herauszufinden. Die 26-Jährige lässt sich davon aber nicht abschrecken: „Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz.“

Forschung am Regensburger Leibniz Institut für Immuntherapie

An ihrem eingeschlagenen Weg hat Maria Drießlein nie ernsthaft gezweifelt. Nach dem Master stand ohnehin die Entscheidung an: Industrie oder Forschung? Sie hat sich bewusst für die Wissenschaft entschieden. Ganz ohne Selbstzweifel geht es aber nicht – kleine Momente des Innehaltens gibt es doch: „Es laufen hier wahnsinnig viele intelligente Menschen rum“, erklärt sie mit Respekt. „Ich glaube man muss sich immer in Erinnerung rufen, dass man selbst auch schon so weit gekommen ist.“ Schließlich habe Sie mit 16 im Praktikum auch nicht kommen sehen, dass sie zehn Jahre später zu Leukämie und Stammzellentransplantation am Universitätsklinikum in Regensburg forschen wird.

Gerade bei so einem ernsthaften Thema ist der Ausgleich zur Arbeit wichtig. Mittags isst Maria Drießlein gerne mit Kollegen zusammen und bespricht auch andere Themen. Bei schönem Wetter geht es in den grünen Innenhof, um neue Energie für den Nachmittag zu tanken. Und auch zuhause hat Maria Drießlein sich ein Gegengewicht zum Alltag geschaffen: „Bei mir ist es Sport“, sagt Drießlein. Sie reitet, spielt Tennis und geht laufen. „Manchmal muss es aber auch einfach der Abend auf der Couch sein“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Das Regensburger Leibniz Institut für Immuntherapie (LIT) ist seit 2022 Teil der Leibniz-Gemeinschaft – einem Verbund außeruniversitärer Forschungsinstitute mit hohem wissenschaftlichem Anspruch. Es bündelt die immunologische Forschung in Regensburg und steht für transnationale Forschungsprojekte.

Die Idee dahinter sei, neue Immuntherapien zu entwickeln, um Krankheiten zu heilen, die man bisher nicht heilen konnte, wie etwa Krebs, schwere Autoimmunerkrankungen, Transplantatabstoßung oder Entzündungserkrankungen. Enge Kooperationen gibt es mit dem Universitätsklinikum Regensburg.