Unterwegs im Untergrund: Diese Kanalarbeiter sind in den Tiefen von Regensburg im Einsatz

Von Marion Neumann · 25. August 2025 um 14:25

Platzangst dürfen Peter Dorfner und seine Kollegen nicht haben: Die Kanalarbeiter sind in den Tiefen der Stadt unterwegs. Was sie bei ihrer Arbeit im Untergrund erleben und warum auch der Chef des Regensburger Kanalunterhalts, Robert Kick, alles andere als einen reinen Schreibtischjob hat, lesen Sie hier.

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Geht es für Peter Dorfner und seine Kollegen vom Reinigungstrupp unter die Erde, steht Sicherheit an erster Stelle. Bevor sich der Vorarbeiter über eine Reihe von Steigeisen hinunter in die Tiefe begibt, misst ein anderer Mitarbeiter die Konzentration der Gase unten in dem dunklen Schacht. Sauerstoffgehalt, Kohlenmonoxid. Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und Methan: Alle Werte müssen im grünen Bereich liegen, damit der Untergrund gefahrlos betreten werden kann.

„Wir arbeiten zu dritt, im Winter auch zu viert, wenn Maurerarbeiten in den Kanälen anstehen“, erklärt Dorfner, der an diesem Tag einen geklinkerten Kanalschacht auf dem Gelände des Bauhof Ost inspiziert. In der Regel gehe mindestens einer der Arbeiter nach unten, erklärt er. Häufig transportiere ein Kollege Material von A nach B – und einer der Männer bleibe oben am Einstieg, um bei Gefahr den Notruf verständigen zu können.

Faulgase und Starkregen kann lebensbedrohlich werden

Denn nicht nur giftige Faulgase, sondern auch plötzlich auftretender Starkregen könne dort unten lebensbedrohlich werden. „Selbst an einem warmen Tag wie heute kann sich das in Minuten ändern“, sagt Dorfner. Tatsächlich brennt an diesem Tag die Sonne vom Himmel und lässt den Vorarbeiter in Schutzkleidung, Helm und oberschenkelhohen Gummistiefeln schwitzen. Doch selbst bei strahlendem Sommerwetter gebe es keine Entwarnung, dass das Wetter nicht plötzlich umschlagen könnte. „Wenn es stark regnet, steigt das Wasser wahnsinnig schnell. Man muss dann sofort raus.“

Obwohl die Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeit im Kanalnetz enorm wichtig seien, würde nicht jeder verstehen, warum mindestens drei Mitarbeiter für einen Einsatz gebraucht werden würden, sagt Dorfner. „Es kommt schon mal vor, dass Bürger bei der Stadt anrufen und sich darüber beschweren, dass da ein Mitarbeiter scheinbar nur oben am Einstiegsschacht herumsteht. „Dabei braucht es oben jemanden, der weiß, dass es den Kollegen unten gut geht.“

Der Reinigungstrupp um (v. li.) Andreas Tingler, Peter Poiger, Peter Dorfner mit Robert Kick, Sachgebietsleiter des Kanalunterhalts - Foto: Marion Neumann

Wertgeschätzt werde die Arbeit der Kanalarbeiter vor allem dann, wenn etwas nicht mehr so funktioniert, wie es soll, und behoben werden muss. So gehöre auch die Beseitigung von Verstopfungen im Kanalnetz zu den Aufgaben der Abteilung. Gar nicht so selten würden kuriose Fundstücke im unterirdischen Leitungssystems auftauchen. Schmuck, ein Bademantel und sogar ein Gebiss seien einige der Gegenstände, die schon aus dem trüben Wasser gefischt worden seien. „Wirklich aufpassen muss man, wenn Spritzen herumliegen“, so Dorfner.

Ratten in der Toilette? Auch das gibt es in Regensburg

Den Überblick über das Regensburger Kanalnetz hat Robert Kick, Sachgebietsleiter des Kanalunterhalts. Die Abteilung gehört zum Tiefbauamt der Stadt, hat ihren Sitz am Kreuzhof im Osten – und beschäftigt 37 Mitarbeiter. Nicht nur die Reinigung der Kanäle – im Durchschnitt erfolgt diese alle zwei Jahre, in der Innenstadt wird sogar jährlich gereinigt – gehört zu dem Tätigkeitsbereich der städtischen Arbeiter. Auch um Sanierungsmaßnahmen, Betrieb und Instandhaltung der Maschinentechnik sowie um den Neubau von Hausanschlusskanälen kümmert sich der Kanalunterhalt.

Unterirdische Schädlingsbekämpfung sei ein weiteres Thema, mit dem sich ein Trupp der Abteilung beschäftigen muss. „Vor allem in der Altstadt gibt es da einige Brennpunkte“, sagt Kick. „Zum Beispiel, wenn sich oberirdisch eine Kantine befindet und dort sehr viel Essen anfällt.“ In den 15 Jahren, in denen er im Kanalunterhalt tätig ist, habe er auch zwei Anrufe von Bürgern erhalten, dass plötzlich eine Ratte aus der Toilette herausgeschaut habe. „Küchenabfälle runterzuspülen, sollte man unbedingt vermeiden. Die gehören definitiv nicht in den Kanal“, sagt er.

Regenüberlaufbecken entlasten die Kanalisation

Neben den regulären Arbeiten sei sein Team bei Öl- und Benzinunfällen, aber auch bei Starkregenereignissen und Hochwasser gefordert. „Wir haben Alarmpläne für verschiedene Szenarien“, sagt Kick. Während des Hochwassers im Juni letzten Jahres seien Zwölf-Stunden-Schichten die Regel gewesen. „Wir haben dann durchgehend Betrieb und kontrollieren, damit die Pumpwerke laufen und das Abwassersystem funktionsfähig bleibt, so dass die Kanäle nicht überlaufen.“

Um bei Starkregenereignissen Kanalisation zu entlasten, gebe es im Stadtgebiet mehrere Regenüberlaufbecken. Regenrückhaltebecken würden dazu dienen, das Regenwasser zwischenzuspeichern und es zeitverzögert an die Kläranlage abzugeben, um dort eine Überlastung zu vermeiden. Auch dort – eines der Überlaufbecken befindet sich beispielsweise in der Nähe der Nibelungenbrücke – sind die Kanalarbeiter regelmäßig unterwegs.

Im Regenüberlaufbecken trägt Robert Kick Schutzkleidung. - Foto: Marion Neumann

Ein abwechslungsreicher Job

Kick, der studierter Bauingenieur ist und zuvor in der Straßenbauabteilung gearbeitet hat, mag, dass seine Arbeit kein reiner Bürojob ist. „Ich bin selbst hin und wieder im Kanal unterwegs. Genauso wie auf Baustellen oder wenn Gespräche mit Bürgern anstehen.“ Auch wenn die Arbeit seines Teams meist im Verborgenen in der Tiefe abläuft: Ohne den Kanalunterhalt stünde die Stadt schnell still. „Ich mag, wie abwechslungsreich es hier ist“, sagt Kick. „Hier ist es nicht so, dass man nur am Schreibtisch sitzt und Formulare ausfüllt.“

Info: 440 Kilometer Kanal

• Gebühren: In Regensburg gibt es ein Mischwassersystem: Das heißt, dass Schmutz- und Regenwasser in den Kanälen dem Klärwerk zugeführt wird. Die Gebühren liegen derzeit bei 1,57 Euro pro Kubikmeter – im Vergleich zu anderen Kommunen sei das sehr günstig, sagt Robert Kick.

• Länge: Das Kanalnetz der Stadt Regensburg umfasst insgesamt rund 440 Kilometer. Jährlich wächst das Netz um zwei bis vier weitere Kilometer. In Luftlinie gemessen, reicht das bis nach Venedig“, so Kick. Hinzu kommen circa 300 Kilometern an Hausanschlüssen.

• Bauwerke: Die Herstellungskosten des gesamten Kanalsystems liegen bei etwa 400 Millionen Euro. 82 Bauwerke mit maschinentechnischer- und elektrotechnischer Ausrüstung sorgen dafür, dass das Abwasser zum Klärwerk transportiert und das System nicht überlastet wird.