Kuriose Gerichts-Panne: Prozess fällt aus, weil keiner den Angeklagten vom Knast abholt

Von Philipp Breu · 4. September 2025 um 16:20

Ein 27-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf, der als Bombenbastler für Schlagzeilen sorgte und derzeit im Gefängnis sitzt, hätte sich am Donnerstag eigentlich erneut vor Gericht verantworten müssen – diesmal wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Doch daraus wurde nichts. Daran ist aber nicht der Angeklagte schuld.

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Die Uhr in Sitzungssaal zwei des Amtsgerichts Amberg schlug neun. Alle hatten sie Platz genommen: Richterin Franziska Paintner, Staatsanwältin Julia Scheitzach und Rechtsanwalt Shervin Ameri. Nur der Angeklagte fehlte. Das war insofern ungewöhnlich, weil der Beschuldigte seine Ladung gar nicht hätte ignorieren oder vergessen können.

Denn bei Personen, die zum Zeitpunkt ihrer Hauptverhandlung im Gefängnis sitzen, wird per Gefangenentransport dafür gesorgt, dass diese pünktlich vor Gericht erscheinen.

Amberger Amtsgericht hatte die Abholung nicht beauftragt

Weitere zehn Minuten vergingen. Weil immer noch kein Auto in den abgesicherten Hinterhof des Amtsgerichts eingefahren war, hakte Richterin Paintner nach. Das Ergebnis war ernüchternd. Das Gericht hatte zwar die Ladung an die JVA Bayreuth geschickt, in der der Angeklagte derzeit einsitzt. Doch offensichtlich sei vergessen worden, die Bereitstellung und Abholung des Häftlings in Auftrag zu geben.

Weil die Fahrzeit doch beträchtlich ist und ad hoc kein Personal zur Verfügung stand, konnte der Gefangenentransport letztlich auch nicht kurzfristig noch in die Wege geleitet werden. Richterin Paintner blieb nichts anderes übrig, als die Verhandlung auszusetzen. Am 10. Oktober soll es nun weitergehen.

Der 27-Jährige ist in der Vergangenheit schon häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er gilt als Drogensüchtiger. Im Oktober 2021 fanden Ermittler bei einer Durchsuchung in dessen Wohnung eine etwa zwölf Zentimeter lange Rohrbombe, die der Mann aus dem Landkreis gebaut hatte.

Bei Wohnungsdurchsuchung im Jahr 2023 wurden Polizisten erneut fündig

Damit aber nicht genug: Der Mann soll gegenüber Ermittlern auch noch mit Sprengungen im Umfeld der Schwandorfer Polizeiwache und deren Beamten gedroht haben. Ein knappes Jahr später saß er unter anderem dafür auf der Anklagebank im Amberger Amtsgericht. Dort zeigte er sich reuig und geständig. Das Gericht verurteilte ihn damals zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie der Auflage, sich einer ambulanten Therapie zu unterziehen.

Im April 2023 kam erneut Bewegung in den Fall. Denn der verurteilte Rohrbomben-Bauer bekam wieder Besuch von der Polizei. Die Beamten fanden in dessen Wohnung Amphetamin und eine Flüssigkeit mit mindestens 30 Prozent Wasserstoffperoxid-Lösung. Mit anderen Chemikalien wie Aceton oder Säure in Verbindung wird daraus eine hochexplosive Mischung. Die Staatsanwaltschaft erhob erneut Anklage wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und beschränkten Ausgangsstoffen für Explosivstoffe. Des Weiteren musste sich der Angeklagte in einem anderen Fall wegen Diebstahls und Urkundenfälschung verantworten.

Bombenbastler zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt

Im April vergangenen Jahres sollte er sich dafür vor dem Schwandorfer Amtsgericht verantworten, doch auch hier fiel der Prozess zunächst aus. Der Angeklagte schlief auf der Fahrt zum Gerichtssaal im Zug ein und wachte erst in Nürnberg wieder auf.

Im Juni saß der heute 27-Jährige schließlich auf der Anklagebank. Amtsrichterin Kathrin Heitzer verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Seitdem sitzt er in der JVA Bayreuth hinter Gittern.

Nun wird ihm unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen – eine Straftat, die der Angeklagte bereits vor seiner Inhaftierung begangen haben soll. Wie das Amtsgericht Amberg dazu entscheidet, wird sich nun am 10. Oktober herauskristallisieren.