Bombenbastler schläft auf dem Weg zu seinem Prozess ein: Nickerchen hat Folgen

Von Philipp Breu · 8. April 2024 um 15:00

Nicht einmal 15 Minuten dauerte der Prozess, der am Montag um 13 Uhr am Schwandorfer Amtsgericht angesetzt war. Ein Mann aus dem Landkreis Schwandorf musste sich wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln, Ausgangsstoffen für Explosivstoffe sowie Diebstahls in Tateinheit mit Urkundenfälschung verantworten. Doch der Angeklagte erschien nicht. Nun muss er erstmal ins Gefängnis.

Verteidiger Shervin Ameri schlug die Hände vors Gesicht und schüttelte den Kopf. Nachdem sein Mandant nicht wie vereinbart am Amtsgericht erschienen war, griff er zum Telefon. „Er ist wohl auf dem Weg von Regensburg nach Schwandorf im Zug eingeschlafen und erst in Nürnberg wieder aufgewacht“, sagte der Anwalt zu Richterin Kathrin Heitzer. Und die machte daraufhin kurzen Prozess: Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass der Angeklagte mit Unpünktlichkeit und Abwesenheit geglänzt habe. „Dann geht er halt erstmal in Haft, veräppeln lasse ich mich nicht“, sagte sie und erließ kurzerhand Sitzungshaftbefehl.

Angeklagter muss nun in der JVA auf Hauptverhandlung warten

Das bedeutet, dass der Mann nun erstmal von der Polizei festgenommen wird und bis zur erneuten Durchführung der Hauptverhandlung in einer Justizvollzugsanstalt einsitzen muss.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Angeklagte negativ auffällt. Bereits im August 2022 musste sich der Landkreisbürger vor dem Amberger Amtsgericht verantworten.

Er galt laut Staatsanwaltschaft als Drogensüchtiger. Bei einer Durchsuchung im Oktober 2021 fanden Ermittler in der Wohnung des Mannes zudem eine etwa zwölf Zentimeter lange Rohrbombe, die dieser laut Richterspruch gebaut hatte.

Doch damit nicht genug. Der heute 26-Jährige soll gegenüber den Ermittlern auch noch mit Sprengungen im Umfeld der Schwandorfer Polizeiwache und deren Beamten gedroht haben. Als er ein knappes Jahr später unter anderem dafür auf der Anklagebank in Amberg saß, zeigte er sich reuig und geständig. Das Gericht ließ ihn daraufhin mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie der Auflage, sich einer ambulanten Therapie zu unterziehen, davonkommen.

Rohrbomben-Bauer bekam erneut Besuch von der Polizei

Doch am Freitag, 14.April 2023, sollte erneut Bewegung in den Fall kommen. Denn der verurteilte Rohrbomben-Bauer bekam erneut Besuch von der Polizei. Die Beamten fanden laut Anklage im Anwesen Amphetamin und eine Flüssigkeit mit mindestens 30 Prozent Wasserstoffperoxid-Lösung – eine Flüssigkeit, die in Verbindung mit anderen Chemikalien wie Aceton und Säure zu einer hochexplosiven Mischung wird. Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb erneut Anklage wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und beschränkten Ausgangsstoffen für Explosivstoffe.

Zudem muss sich der Mann in einem anderen Fall wegen Diebstahls und Urkundenfälschung verantworten, weil er im Juli vergangenen Jahres ein Kennzeichen von einem Lastwagen geklaut und dieses an seinem eigenen Auto angebracht haben soll.

Beide Angelegenheiten wären am Montag am Amtsgericht verhandelt worden. Wann der Prozess neu angesetzt wird, steht noch nicht fest.