Kreis Schwandorf: Wollte der Bombenbastler wieder aktiv werden?

Eine funktionsfähige Rohrbombe hatte ein junger Mann aus dem Landkreis Schwandorf schon gebaut und dafür 2022 eine Bewährungsstrafe erhalten. Hat er den letzten Warnschuss des Gerichts überhört? Bei einer erneuten Durchsuchung einer Wohnung machten Ermittler kürzlich einen alarmierenden Fund.
Bis zuletzt schien es, so verlautete aus Ermittlerkreisen, dass der heute 25-Jährige aus seinem Fehler gelernt und den richtigen Lebensweg eingeschlagen hat. Und auch nach den neuesten Entwicklungen geben die Behörden den Mann offenbar nicht auf. Er habe womöglich noch eine Chance, meinte ein Beamter.
Rückblende: Im August 2022 musste sich der Landkreisbürger vor dem Amberger Amtsgericht verantworten. Er galt laut Staatsanwaltschaft als Drogensüchtiger. Bei einer Durchsuchung im Oktober 2021 fanden Ermittler in der Wohnung des Mannes zudem eine etwa zwölf Zentimeter lange Rohrbombe, die dieser laut Richterspruch gebaut hatte. Sie soll fachmännisch verdämmt und knapp 200 Gramm schwer gewesen sein. Ein Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) schätzte den Sprengkörper damals als „voll funktionsfähig“ ein. Die Bombe, so wurde unserer Zeitung berichtet, soll aus einem Abwasserrohr bestanden haben, das mit sogenanntem Blitzknallpulver gefüllt war.
Mit Sprengungen gedroht
Doch damit nicht genug. Der heute 25-Jährige soll gegenüber den Ermittlern auch noch mit Sprengungen im Umfeld der Schwandorfer Polizeiwache und deren Beamten gedroht haben. Als er ein knappes Jahr später unter anderem dafür auf der Anklagebank in Amberg saß, zeigte er sich reuig und geständig. Das Gericht gab dem Angeklagten eine Chance und ließ ihn mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie der Auflage, sich einer ambulanten Therapie zu unterziehen, davonkommen.
Polizei stellte verdächtige Gegenstände sicher
Doch am Freitag, 14. April, sollte erneut Bewegung in den Fall kommen. Oberstaatsanwalt Carsten Reichel bestätigte, dass es sich bei dem verurteilten Rohrbomben-Bauer von 2021 und dem nun Durchsuchten um dieselbe Person handelt. Aufgrund eines richterlichen Beschlusses nahmen Polizeibeamte die Wohnung des 25-Jährigen erneut ins Visier. „Grund dafür war der Verdacht eines Verstoßes nach dem Betäubungsmittelgesetz“, wie es Polizeisprecherin Corinna Wild in ihrem Bericht formulierte. Nicht nur Betäubungsmittel konnten die Beamten laut Pressebericht auffinden. Auch „weitere verdächtige Gegenstände und Substanzen“ fielen ihnen auf, Spezialkräfte vom LKA wurden hinzugezogen. „Nach einer ersten Einschätzung der Experten könnte es sich bei den aufgefundenen Gegenständen um Materialen zur theoretischen Herstellung von Sprengstoff handeln“, so Wild weiter. Nun würden weitere Laboruntersuchungen vorgenommen.
Den 25-Jährigen erwartet ein Ermittlungsverfahren. Er befindet sich aber auf freiem Fuß, wie sein Rechtsanwalt Shervin Ameri auf Anfrage mitteilte. Bei den von der Polizei sichergestellten Gegenständen handle es sich um „nichts Verbotenes in Richtung einer Bombe“, erklärte der Regensburger Jurist. Wollte sein Mandant wieder einen Sprengkörper bauen? „Diese Frage kann ich verneinen“, so Ameri.
− km