Wo die Nittenauer der Schuh drückt: Mehr Fachärzte und Aldi gewünscht

Wie beurteilen die Nittenauer die Lebensqualität in ihrer Stadt, und welche Verbesserungswünsche haben sie? Antworten auf diese Fragen hat die Verwaltung mit Hilfe einer Bürgerumfrage gesucht. Nun liegen die Ergebnisse vor. Im Rathaus arbeitet man bereits an Verbesserungen.
Man habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Bürgerbefragung durchzuführen, sagt Rathauschef Benjamin Boml (FW). Kürzlich habe sich dann eine unkomplizierte Gelegenheit zur Realisierung ergeben: Ein Unternehmen aus Nürnberg, das auf Online-Umfragen in kleineren Kommunen spezialisiert sei, habe sich gemeldet und die kostenlose Durchführung einer Umfrage in Nittenau angeboten.
Im Juli hatten die Nittenauer Zeit, sich durch den standardisierten Fragebogen zu klicken. 735 Bürger machten mit – und äußerten sich zu Themen wie Infrastruktur, Kultur, Wohnraum oder Stadtverwaltung. Maximal fünf Punkte konnten für optimale Zufriedenheit vergeben werden.
Senioren sind in Nittenau am zufriedensten
Mit der Lebensqualität vor Ort seien die Nittenauer offenbar insgesamt sehr zufrieden, sagt Boml: Für diesen Aspekt vergaben sie durchschnittlich 3,41 Punkte. Damit liege man in Nittenau über dem Mittelwert von 3,24 für die anderen Kommunen, die bereits dieselbe Umfrage durchgeführt hätten. „Die Nittenauer fühlen sich hier wohl“, sagt Boml.
Allerdings könne man in Sachen Zufriedenheit durchaus einen Unterschied bei den Altersklassen erkennen: Am höchsten sei die Zufriedenheit mit der Lebensqualität in Nittenau bei den älteren Bürgern, besonders bei jenen ab 65. Deshalb sei es nun beispielsweise wichtig, dass es im Jugendtreff Junit vorwärts gehe: Dank der neuen Jugendsozialarbeiterin werde er am 25. September eingeweiht und öffne ab Oktober an zwei Nachmittagen pro Woche. Damit komme man auch einem Wunsch nach, der in der Umfrage häufiger geäußert worden sei.
Straßen sind in schlechtem Zustand
Wenig überrascht worden ist der Bürgermeister nach eigener Aussage von den im Schnitt 2,62 Punkten für Straßen, Geh- und Radwege im Stadtgebiet. „Wir wissen um den schlechten Zustand unserer Straßen“, sagt Boml. Im Herbst werde man die Ergebnisse einer Kanalbefahrungen im Stadtgebiet vorstellen - und dann in Sachen Straßensanierung eine Prioritätenliste erarbeiten.
Erfreulich findet Boml, dass die Umfrageteilnehmer die Einkaufsmöglichkeiten in Nittenau mit einem Wert von 3,75 vergleichsweise gut bewertet haben. Der Mittelwert anderer Kommunen liege mit 2,96 deutlich darunter. Wunschlos glücklich sind die Nittenauer mit der Auswahl an Geschäften allerdings nicht: Am häufigsten wünschten sich die Umfrageteilnehmer, dass sich ein Aldi ansiedeln solle.
Sicherheitswacht soll Situation verbessern
Was Boml bei der Lektüre der Umfrageauswertung gewundert hat, ist die Tatsache, dass die Nittenauer die Sicherheitslage in ihrer Stadt mit einem Wert von „nur“ 3,27 bewerten. Dabei habe man aus der Kriminalitätsstatistik der Polizeistation Nittenau für das Jahr 2024 einen Rückgang der Straftaten um 3,4 Prozent ablesen können.
Offenbar decke sich hier das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger nicht mit den offiziellen Daten, sagt Boml. Deshalb sei es wichtig, dass die geplante Sicherheitswacht in Nittenau bald ihren Dienst aufnehme. Außerdem befasse sich die Stadt mit der Frage, ob man beispielsweise am Kirchplatz Überwachungskameras installieren könne.
Hallenbad und großer Spielplatz gewünscht
Aufschlussreich waren aus Sicht von Boml auch Antworten auf die Frage, welche Dienstleistungen oder öffentliche Einrichtungen den Nittenauern fehlen. Am häufigsten wurde der Wunsch nach mehr Fachärzten wie einem Kinder- und einem Frauenarzt genannt. Auch mehr Freizeit- und Sporteinrichtungen wie etwa ein Hallenbad oder ein großer Spielplatz werden vermisst.
Ein solcher soll eigentlich auf der Angerinsel entstehen. Der Abriss der dortigen alten Gebäude sei von den Umfrageteilnehmern äußerst positiv bewertet worden, sagt Boml. Doch wann es hier mit der schon seit Jahren geplanten Neugestaltung tatsächlich vorwärts gehe und der häufig genannte Wasserspielplatz gebaut werden könne, sei im Moment schwer vorherzusagen – hier müsse man abwarten, wie es mit dem geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen für Nittenau weitergehe.
Service im Rathaus verbessern
In puncto Freundlichkeit, Digitalisierung und Effizienz habe man bei den Bürgern gute Bewertungen erzielt, sagt Boml. Allerdings hätten sich die Umfrageteilnehmer längere Öffnungszeiten des Rathauses gewünscht. Man werde künftig an zwei Tagen Nachmittagsöffnungszeiten anbieten, und zwar dienstags und donnerstags. An den übrigen Nachmittagen seien individuelle Termine möglich und könnten künftig online vereinbart werden.