Für den Ex-Trainer der Eisbären Regensburg wurde ein Rauswurf zum Neuanfang

Von Rainer Wendl · 31. August 2025 um 19:00

Sein ganzes Erwachsenen-Leben lang war Igor Pavlov Eishockey-Profi, erst als Spieler, dann als Trainer, zuletzt bei den Regensburger Eisbären. Vor gut fünf Jahren hat er die Branche gewechselt – wie geht es ihm dabei?

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Ein Profisportler muss sich um vieles kümmern. Um seine Fitness, seine Leistung oder seinen nächsten Vertrag zum Beispiel. Einigermaßen egal kann ihm hingegen sein, woher das gute Geld kommt, das er verdient. Darüber denkt er in der Regel erst dann nach, wenn der Strom plötzlich versiegt. Îgor Pawlow ging es da nicht anders. „Spielen, Spaß haben, gewinnen, Titel holen – das war mein Leben“, blickt er auf 35 Jahre im professionellen Eishockey-Zirkus zurück. „Jetzt spüre ich auch die finanzielle Verantwortung.“

Diese neue Gefühlskomponente ist das Resultat eines ziemlich radikalen Perspektivwechsels. Es begann, als Pawlow im November 2019 als Trainer der Eisbären entlassen wurde. „Das war normal, das passiert“, sagt er zu der zwangsläufigen Routine dieses Berufs, den er nach Ende seiner Spielerkarriere in Russland, in der Schweiz sowie an zahlreichen Stationen in Deutschland, darunter zweimal in Regensburg, ausgeübt hat. Trotzdem war es dieses Mal anders. Statt sofort wieder aufs Karussell aufzuspringen und sich den nächsten Klub zu suchen, hielt der damals 54-Jährige inne. Notgedrungen, wie er betont: „Ich hatte gesundheitliche Probleme, meine rechte Hüfte war kaputt. Ich hatte ständig Schmerzen, konnte nicht einmal mehr richtig laufen. Auf andere Dinge konzentrieren kann man sich auch nicht, wenn einem ständig etwas derart wehtut.“

Begegnung im Degginger

Um also wieder einen klaren Gedanken zu seiner künftigen Lebensplanung fassen zu können, brauchte er erst einmal ein künstliches Hüftgelenk. Im Januar 2020 war die OP, die Wartezeit vor diesem Termin verbrachte Pawlow oft im Degginger. Schon zu seiner Zeit als Eisbären-Coach war er gern in dem Kreativ-Café in der Wahlenstraße, um sich Konzerte anzuschauen oder einfach um abzuschalten. „Mir hat die Atmosphäre dort schon immer gefallen“, erklärt er.

Umgekehrt war den Machern vom Degginger nicht verborgen geblieben, dass ein Promi aus der hiesigen Sportwelt ein Stammgast bei ihnen geworden war. Irgendwann fasste sich Werner Zapf ein Herz und fragte ihn: „Igor, was machst du? Wir brauchen Leute, die bei uns anfangen.“ Zapf ist einer der Geschäftsführer der HTW-GmbH, einer Veranstaltungsagentur, die neben dem Degginger auch den Prüfeninger Schlossgarten als Gastronomie- und Eventstandort betreibt. Der überraschte Pawlow reagierte damals zunächst einmal mit einer Gegenfrage: „Was soll ich da machen?“

Disziplin, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit – diese Grundwerte sind im Sport so entscheidend wie bei der Arbeit als Veranstalter. Und am Ende geht es immer darum, erfolgreich zu sein.

Igor Pavlov

Andererseits hat ihn als ehrgeizigen Menschen sofort die Herausforderung des Wechsels in eine völlig andere Branche gereizt. Nicht umsonst heißt sein Motto „Man muss sich immer weiterentwickeln“. Mehr als fünf Jahre später ist der bis dahin scheinbar ewige Eishockey-Profi längst einer der Gesellschafter bei HTW. Und was er da macht, versteht sich von selbst: Er fungiert auch im neuen Wirkungsbereich als Coach, ist bei den Mitarbeitern für Themen wie Motivation, Struktur und Teamgeist zuständig. „Disziplin, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit – diese Grundwerte sind im Sport so entscheidend wie bei der Arbeit als Veranstalter. Und am Ende geht es immer darum, erfolgreich zu sein. Auf erfolgreiche Projekte schaue ich bei meiner neuen Aufgabe genauso gern zurück wie auf Siege im Sport“, beschreibt der 60-Jährige die großen Gemeinsamkeiten der so unterschiedlich wirkenden Welten.

„Eine gute Gelassenheit“

Für das Gefüge innerhalb der HTW GmbH scheint die Anwerbung des deutlich älteren Trainers jedenfalls ein Glücksgriff gewesen zu sein. „Igor strahlt eine gute Gelassenheit aus, die sich positiv aufs Team auswirkt. Man merkt einfach, dass er schon viele Extremsituationen erlebt hat“, sagt Johannes Damjantschitsch, einer der Gesellschafter-Kollegen von Pawlow. Dieser profitiert im Gegenzug von der Arbeit mit den jungen Menschen. Kreative Prozesse bei der Planung der Events gehören ebenso dazu wie das handfeste Zupacken bei der Durchführung. Dass der Ort des Geschehens oft der Prüfeninger Schlossgarten ist, verbucht Pawlow als weiteren Pluspunkt: „Da ist ein wunderbares Fleckchen Erde.“

Doch geht ihm Eishockey wirklich gar nicht ab? Auch zu dieser Frage liefert er Klartext: „Ich arbeite gern im Hintergrund. Das Stehen in der Öffentlichkeit und das ganze damit verbundene Palaver fehlen mir nicht. Aber ich bin ja erst 60, da kann man noch lange als Trainer arbeiten.“