Hoch auf den Turm der Dreieinigkeitskirche in Regensburg: Ehrenamtliche machen es möglich

Von Marion Neumann · 29. August 2025 um 09:00

Ein Panoramablick über die ganz Regensburg und darüber hinaus: Vom Nordturm der Dreieinigkeitskirche aus haben Besucher eine beeindruckende Aussicht. Damit der Aufstieg möglich ist, braucht es Ehrenamtliche wie Johannes Koehler, die den Turmdienst übernehmen.

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„Muss ich dafür schwindelfrei sein?“ – Diese Frage hört Dr. Johannes Koehler besonders oft. Seit rund eineinhalb Jahren sitzt der Regensburger regelmäßig in dem holzgetäfelten Zimmer, dessen Fenster den Blick auf den Innenraum der protestantischen Kirche im Herzen der Altstadt freigeben.

Als eines von 27 Mitgliedern des „Turmteams“ besetzt er die Schichten, in denen die Besteigung des Nordturms der Dreieinigkeitskirche möglich ist. „Besucher, die unsicher wegen der Höhe sind, gibt es immer wieder“, sagt er. „Ich habe aber noch nie mitbekommen, dass jemand wieder umgekehrt ist oder es bereut hat, hinaufgestiegen zu sein.“

Die Stadt von oben sehen

Tatsächlich ist der Weg von ganz unten 157 Stufen hinauf zum Turm, wo eine Aussichtsplattform den Panoramablick in alle Himmelsrichtungen ermöglicht, wohl selbst mit einer nicht zu ausgeprägten Höhenangst noch gut machbar. Nichts wackelt, und auf den Stufen – größtenteils blickdicht und aus Holz – hat man einen guten Tritt. Dass Koehler nach dem Abstieg noch keine Beschwerden gehört hat, mag aber auch an dem beeindruckenden Ausblick liegen, der die Besucher oben erwartet.

Wer aus dem engen Treppenhaus hinaustritt, blickt nämlich nicht nur auf rotgeziegelte Altstadt-Dächer, Patriziertürme und den Dom St. Peter sowie auf die Kirchtürme sämtlicher weiterer Gotteshäuser in der Innenstadt. Auch die Winzerer Höhen samt der Dreifaltigkeitskirche, der Keilberg und – sofern das Wetter mitspielt – die Walhalla, ein aus der Ferne kleines, weißes Gebäude inmitten von viel Grün, sind zu erkennen.

Das schönste Bild von Regensburg

Steigt Koehler wie an diesem Nachmittag selbst mit auf den Turm hinauf, fasziniert ihn die Architektur der Stadt. „Im Mittelalter hat niemand gefragt, wo er bauen kann oder darf“, sagt er, während sein Blick auf dem Dächermeer ruht. „Das alles ist aus der Historie heraus gewachsen. In einem Bereich haben sich alle Töpfereien angesiedelt – und in einer anderen Ecke ist das Kaufmannsviertel entstanden.“

Das Panorama, das wohl am meisten von den Besuchern fotografiert wird, ist die Ostseite mit dem Dom. „Dieser Teil des Anblicks ist auch für mich das schönste Bild von Regensburg“, sagt Koehler.

Auf dem Weg nach unten: Johannes Koehler steigt die Treppen im Nordturm hinab.

Obwohl sich die Kirche, deren Grundstein im Jahr 1627 gelegt und die 1631 eingeweiht worden ist, mit ihrer Lage in der Gesandtenstraße mitten in der Stadt befindet, seien es vor allem Auswärtige, die auf den Turm steigen. Einheimische würden die Aussichtsplattform vor allem dann besuchen, wenn sie Gästen die Stadt zeigen möchten. „Wenn Freunde von auswärts zu Besuch sind, ist das eine tolle Gelegenheit, einen anderen Blick auf Regensburg zu bekommen.“

Entfernungen erscheinen plötzlich ganz anders

Doch auch ohne Gäste genießt Koehler, der seit vielen Jahren auch als Stadtführer tätig ist, die Sicht über die Stadt. „Es ist eine völlig veränderte Perspektive“, sagt er. „Jemand, der schon lang in Regensburg lebt, kann genau einschätzen, wie lange er beispielsweise zu Fuß vom Neupfarrplatz zum Arnulfsplatz braucht. Man muss nicht einmal wissen, wie viele Meter das sind – man hat es einfach im Gefühl. Doch aus der Vogelperspektive erscheinen Entfernungen plötzlich ganz anders, als wenn man im Alltag unten durch die Straßen läuft.“

Aus der Vogelperspektive erscheinen Entfernungen plötzlich ganz anders.

Johannes Koehler über den Blick vom Turm auf die Stadt

Jedes Mal, wenn Koehler eine der zweistündigen Schichten im Turmdienst übernimmt, zieht es ihn jedoch nicht bis nach oben. „Ich bin kürzlich 80 geworden“, sagt er. Auch unten in dem Raum, in dem die Tickets verkauft werden, bekommt er allerdings mit, wenn die Besucher Unfug machen – wie etwa, wenn sie beim Abstieg versuchen die große Glocke zu läuten, die nur beim Sonntagsgottesdienst oder bei kirchlichen Festen wie einer Taufe erklingt. „Wenn jemand versucht, den großen Klöppel zu bewegen, hören wir das unten natürlich. Wir machen dann ein grimmiges Gesicht – aber mehr können wir nicht tun.“

Beim Turmdienst verkauft Johannes Koehler Tickets an die Besucher – und hat dabei durch die Fenster einen schönen Blick ins Innere der Dreieinigkeitskirche. - Foto: Marion Neumann

Ein Dienstplan für den Turm

Neben Koehler, der vor rund zwei Jahren durch einen Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung auf die Aufgabe aufmerksam geworden ist, übernehmen noch 25 weitere Ehrenamtliche und ein Hauptamtlicher den Turmdienst. Einige der ehrenamtlichen Mitglieder sind berufstätig, viele sind wie er in Rente. Während der Sommerzeit – meist vom letzten Märzwochenende bis Ende Oktober – ermöglichen sie mittwochs bis sonntags die Besteigung des Nordturms.

„Wer wann eine Schicht übernimmt, ist manchmal nicht so einfach zu koordinieren“, erklärt Koehler, der für die Organisation des Dienstplans zuständig ist. „An einem Tag sind drei Schichten zu je zwei Stunden zu besetzen. Nicht alle Ehrenamtlichen haben aber an allen Öffnungstagen Zeit – wegen ihres Berufs oder weil sie sich zum Beispiel um die Enkelkinder kümmern.“

Dadurch, dass Freiwillige den Turmdienst übernehmen, kommen die Eintrittsgelder in vollem Umfang dem Bauunterhalt der Kirche zugute, sagt Koehler. So wird etwa auch die Sanierung des Gesandtenfriedhofs, der sich an der Ost- und Südseite der Kirche befindet, mit unterstützt.