Nach 15 Jahren kommt Bietigheim mal wieder in die Donau-Arena zu den Eisbären Regensburg

Von Claus Wotruba · 2. November 2023 um 19:00

Die Wege trennten sich am 16. März 2008. Das ist das Datum des bisherigen letzten Duells der Eisbären gegen die Steelers des SC Bietigheim-Bissingen in der Donau-Arena, das die Regensburger 1:0 gewannen. Am Freitagabend geht es ab 20 Uhr dort nach 15Jahren wieder mal gegen das Team aus der 44000-Einwohnerstadt 20 Kilometer nördlich von Stuttgart, das als DEL-Absteiger die raue Luft der der zweiten Eishockey-Liga als Tabellenletzter erlebt.

Die als Tabellenvierter bei 25Punkten aus 15 Spielen bestens dastehenden Regensburger, die bereits wieder über 3000 Karten verkauft haben, haben auch am Sonntag im zweiten Wochenendspiel einen prominenten Kontrahenten: Dann ist Meister Ravenburg Towerstars, der aktuell mit 24 Punkten Sechster ist, ab 18.30 Uhr der Gastgeber.

Im letzten Duell gegen Bietigheim trug Eisbären-Trainer Max Kaltenhauser übrigens selbst das Eisbären-Trikot. Danach trennten sich die Wege – bis heute. Bietigheim wurde seither fünf Mal Zweitliga-Meister (2009, 2013, 2015, 2018 und 2021) und verbrachte zuletzt sogar zwei Jahre in der Erstklassigkeit. Die Regensburger kämpften sich zwar nach dem Konkurs derweil schnell aus der fünften in die dritte Liga, mussten dort aber zermürbend lange Jahre verbringen, ehe 2022 der Aufstieg gelang.

Der 16. März 2008 aber hat sich eingebrannt ins Gedächtnis einer legendären Eisbären-Phase, an deren Ende sich eine dezimierte Eisbären-Mannschaft, die kein Geld mehr bekam, mit zwei 1:0-Siegen in Landshut und eben zuhause gegen Bietigheim nach einer famosen Aufholjagd (übrigens mit Kaltenhauser-Vorgänger Igor Pavlov als Trainer an der Bande) sportlich den Klassenerhalt gesichert gehabt hätte.

Selbstredend sind die Ereignisse von damals bei Max Kaltenhauser noch präsent. „Zwei Sachen sind bei mir vor allem noch im Kopf“, erinnert sich der 42-Jährige, der in der Saison damals 32 Mal für die Eisbären spielte und jetzt gegen Bietigheim sein 202.Spiel als Eisbären-Trainer absolviert. „Zum einen war die Halle ausverkauft und die Zuschauer haben voll mitgezogen. Davor waren wir ja geprügelte Hunde gewesen.“ Zum anderen hatte Niklas Hede, der nach Vorarbeit von Ervin Masek und Jan Hemmes schon nach 139 Sekunden das Siegtor erzielte, seine liebe Müh und Not beim Wasserlassen bei der Dopingprobe. „Deswegen hat er lange ned mitfeiern können.“ Freilich helfen die alten, glorreichen Geschichten wenig für die Gegenwart – obwohl die Eisbären ihre zwei jüngsten Kontakte mit Bietigheim auch erfolgreich gestalteten.

In der Vorbereitung gab es auswärts einen Penaltysieg, in der Punktrunde ein 4:2, das eine kleine Negativserie von drei Niederlagen in den Partien zwei, drei und vier zum Saisonstart beendete.

Der bei 19 Abgängen und 15Zugängen komplett neu sortierte DEL-Absteiger kämpfte mit Verletzungs- und Anpassungsproblemen, hechelte dem feld hinterher und entließ schon neun Spielen die Trainer, von denen mit Co Fabian Dahlem einer auch EVR-Vergangenheit hatte. Seit dem Trainerwechsel zu Dany Naud attestiert Max Kaltenhauser dem Gegner bei vier Siegen und drei Niederlagen einen Aufwärtstrend. „Sie haben halt spät angefangen zu gewinnen“, sagt Kaltenhauser. „Wenn jetzt jemand sagt, da kommt der Tabellenletzte, da hat er mit Verlaub gesagt keine Ahnung.“

Drei Tore in 33 Sekunden

Vor allem kommt Bietigheim mit dem Hochgefühl, beim 7:5 am Dienstag gegen Dresden ein 1:5 noch gedreht zu haben. Dabei wurde in der Schlussminute mit drei Treffern binnen 33Sekunden aus einem Rückstand der Sieg. Ob sich das gut oder schlecht für die Eisbären auswirkt, mag Max Kaltenhauser nicht beurteilen. In seinem Team ist die Krankheitswelle nicht überstanden. „Mal hat der eine, mal hat der im Training gefehlt“, sagt Kaltenhauser. Fest steht: Mit Tom McCollum wird der neben Lucas Flade zweite Eisbär mit Bietigheimer Vergangenheit das Tor hüten.

Christoph Schmidt (rechts) und die Eisbären haben Bietigheim in dieser Saison bereits zweimal bezwungen. Foto: Imago/Avanti