Spritzen auf dem Bürgerbüro-Klo: Regensburger Dachauplatz hat ein Drogen-Problem

Von Philip Hell · 29. August 2025 um 05:00

Der Dachauplatz im Osten der Regensburger Altstadt macht seit Längerem Sorgen. Dort werden Drogen gehandelt und genommen, es kommt mitunter auch zu brenzligen Situationen.

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Die Stadt schreibt auf Anfrage, dass das Ordnungsamt den Dachauplatz bestreift. Die Lage sei aus Sicht des Amts seit zwei Jahren unverändert, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. „Bedingt durch die Nähe zu den öffentlichen Toiletten, den Sitzgelegenheiten und auch den Einkaufsmöglichkeiten von Alkohol halten sich dort viele Suchtkranke oder Obdachlose auf.“ Das wirkt sich auch auf die Behörden rings um den Dachauplatz aus. Im Bürgerbüro Stadtmitte, das unmittelbar neben dem Dachauplatz liegt, seien heuer viermal Drogenbestecke – also für gewöhnlich Spritzen – gefunden worden, sagt von Roenne-Styra.

Regensburger Altstadt: Täglicher Drogen-Konsum im Umfeld der Toiletten

Generell gebe es ein Problem mit Drogensüchtigen auf den öffentlichen Toiletten in der östlichen Altstadt. „Im Umfeld der WC-Anlagen am Neupfarrplatz, Schwanenplatz und Trunzergasse halten sich täglich Personen auf, die Betäubungsmittel konsumieren“, sagt von Roenne-Styra. Auch dort geht das Ordnungsamt auf Streife. Sowohl tags als nachts, betont die Stadtsprecherin. Eine dauerhafte Überwachung dort oder auch am Dachauplatz sei allerdings nicht möglich.

Das Bürgerbüro Stadtmitte: Hier wurden heuer schon vier Drogenbestecke auf der Toilette gefunden. - Foto: Philip Hell

Polizeisprecherin Karin Paul betont auf Anfrage, dass die Einsatzzahlen am Dachauplatz im Vergleich zum Vorjahr leicht ansteigen – aufgrund des Parkhauses habe ein Viertel der Einsätze einen Bezug zum öffentlichen Straßenverkehr. Generell halte sich der überwiegende Teil der Bürger nicht lange auf dem Platz auf – allerdings habe bis vor Kurzem eine kleine Gruppe von Alkohol- und Drogenabhängigen auf den Sitzgelegenheiten dort gesessen. „Diese Personengruppe löste vermehrt Polizeieinsätze wegen Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten aus.“ Wohin diese Gruppe verschwunden ist, wisse man derzeit nicht, sagt Paul. Von den Drogen-Vorfällen auf dem Bürgerbüro-Klo weiß die Polizei nichts – aber: „Die Toilettenanlagen des Parkhauses werden, wie auch schon in den zurückliegenden Jahren, regelmäßig zum Konsum harter Drogen genutzt.“

Blutige Hinterlassenschaften im Parkhaus

Das Parkhaus ist in Verantwortung der Stadtwerke – dort ist das Problem freilich bekannt, sagt Sprecher Martin Gottschalk. „Das äußert sich durch das Auffinden von Spritzen in den Toiletten und etwaigen Blutspuren.“ Eine akute Zunahme sei nicht zu beobachten, betont Gottschalk. Zumal die Anlage aufgrund ihres schlechten Zustands derzeit saniert werde und erst im Spätherbst wieder geöffnet werden kann. Aufgrund der Situation haben in den vergangenen Jahren auch immer wieder Gespräche mit der Polizei stattgefunden, sagt Gottschalk. „Die Beamten integrieren das Parkhaus und dessen Umfeld auch in die allgemeinen Kontrollen.“

CSU fordert Kameras und Abschiebungen

CSU-Chef Michael Lehner ist die Situation seit Längerem ein Dorn im Auge. Ein Stadtratskandidat seiner Partei betreibt ein Lokal am Platz – und berichtet regelmäßig von üblen Vorfällen. „Es ist Wahnsinn, was da los ist“, sagt Lehner. „Das kann doch so nicht weitergehen.“ Am Dachauplatz werde gepöbelt, es gebe einen offenen Drogenhandel. Seine Fraktion habe daraufhin unter anderem die Polizei und die Stadtwerke zu einem Ortsbesuch eingeladen. Für Lehner steht fest: „Natürlich kann man nicht an jede Ecke in der Altstadt einen Polizisten stellen.“ Kameras könnten allerdings helfen, sagt der CSU-Chef. „Und gewisse Leute muss man einfach ausweisen.“ Das Dachauplatz-Problem hänge auch mit Migration zusammen. „Es sind viele Tunesier oder Syrer“, sagt Lehner.

Von Kameras und Abschiebungen hält die grüne OB-Kandidatin Helene Sigloch naturgemäß wenig. Für sie ist es eine Problematik, die sich vom Bahnhof in diese Richtung verschoben hat. Die Frage sei doch, wie man mit den Leuten umgehen wolle. Verdrängung sei keine Lösung. „Zumal es solche Drogenprobleme in jeder Großstadt gibt.“ Sigloch fordert ein Konzept mit Konsumräumen. „Natürlich nicht zum Dealen“, betont Sigloch. „Das Problem verschwindet nicht durch mehr Überwachung.“

„Der Dachauplatz ist kein Hotspot“

Brücke-OB-Kandidat Thomas Thurow beobachtet ebenfalls ein Verdrängungsproblem. Auch er fordert Konsumräume. „Aber da bremst der Freistaat ja leider.“ Er betont: „Die Leute werden sich einen Platz suchen.“ Um das Problem am Dachauplatz zu lösen, brauche es zum einen die Polizei – zum anderen aber auch die Stadt. „Wir müssen den Platz aufwerten. Es ist ein historischer Platz, doch darauf weist nichts hin.“ In seinem jetzigen Zustand sei der Dachauplatz nur eines: „Nicht einladend.“

Für den SPD-OB-Kandidaten Thomas Burger haben Probleme wie am Dachauplatz zwei Seiten. Zum einen geht es um Drogenkriminalität, also Menschen, die mit Rauschgift handeln. „Dagegen müssen wir mit aller Macht vorgehen.“ Das sei der Stadt am Bahnhof gut gelungen. Zum anderen gebe es aber die Seite der Drogenabhängigen, die mitunter mit Obdachlosigkeit kämpfen. „Diesen Menschen müssen wir helfen. Sie brauchen unsere Unterstützung.“ Zumal Städte ab einer gewissen Größe naturgemäß mit solchen Themen zu tun hätten. Burger ist wichtig zu betonen, dass es zwar ein Problem am Dachauplatz gibt – man müsse den Ort aber nicht sofort schlecht reden. „Der Dachauplatz ist kein Hotspot.“