Massive Umsatzeinbußen: Unternehmer verzweifeln an Dauerbaustelle in Regensburg

Ein erstes Geschäft hat schon aufgegeben, weitere Unternehmen sind massiv unter Druck: Wegen einer Dauerbaustelle mitten in der Regensburger Altstadt sehen Ladeninhaber schwarz – und kritisieren die Stadt.
Montagmorgen am Viereimerplatz. Ein Dachdecker hat sich quer mitten auf den Platz gestellt. Er versperrt Blick und Weg zum Friseurgeschäft „Haarkult“. Ein paar Meter weiter hat ein Maler seinen Kastenwagen geparkt. Zwischen einem Baum und dem Viereimerbrunnen gibt es nun auch kein Durchkommen mehr. Wer zur Filiale von „Hanf.com“ möchte, muss nun einen ordentlichen Umweg machen. Solche Vorfälle lassen Geschäftsleute am Viereimerplatz und in der Simadergasse verzweifeln. Dazu kommt ein weiträumig umzäuntes Baustellenlager für den Umbau des Gloria-Kinos mitten auf dem Platz. Es sorgt dafür, dass die Geschäfte kaum mehr zu sehen sind.
Regensburger Geschäftsmann: Handwerker parken meinen Laden zu
Seit Mitte 2023 geht das so, sagt Marcus Roith. Er leitet die Filiale von „Hanf.com“. Anfangs habe es geheißen, der Bauzaun verschwinde Ende 2024 wieder. Mit Müh und Not schaffte Roith es, am Zaun ein Werbeplakat für die Unternehmer zu befestigen. Dagegen habe sich die Stadt anfangs massiv gesträubt. Nach einigen Monaten habe er die Erlaubnis für die Plakate bekommen – dann kam schon das nächste Problem: „Baustellenfahrzeuge, die direkt vor meinem Laden geparkt haben.“ Immer wieder meldete er sich bei der Stadt. Die Resonanz sei allerdings überschaubar gewesen, sagt Roith. Auch die Handwerker selbst habe er angesprochen – ohne dass sich viel geändert habe.
Mehrfach sei das Ende der Baustelle verschoben worden. Roiths letzter Stand: Im August soll sie wegkommen. Daran glaubt er allerdings nicht. „Ich habe mich davon verabschiedet, dass die Baustelle heuer noch wegkommt.“ Dabei leide sein Geschäft seit rund zwei Jahren unter der Baustelle. In den ersten vier Monaten sei der Umsatz in den Boden gerauscht. Danach habe er sich zwar wieder etwas stabilisiert – dennoch fehlt ihm bis heute die Laufkundschaft. „Teilweise kommen viele Touristen zu uns. Wenn man komplett verdeckt ist, wird das natürlich schwierig.“
Auch wegen der Baustelle: Regensburger „Frauenzimmer“ hat aufgegeben
Einem Geschäft unweit des Viereimerplatzes hat die Dauerbaustelle schon den Todesstoß versetzt: Das Frauenzimmer in der Simadergasse wird demnächst schließen. Wegen der Arbeiten vor der Ladentüre und der Konkurrenz durch den Online-Handel seien die Umsätze um etwa 40 Prozent zurückgegangen, berichteten die Betreiberinnen unlängst der MZ.
Auch beim Friseur Haarkult im Eck des Viereimerplatzes sind die Umsätze in den Keller gerauscht. Von mehreren tausend Euro monatlich weniger in der Kasse erzählt Inhaber Claus Fischer. Sein Schaufenster sei schlicht nicht sichtbar. „Wir haben so gut wie keine Laufkundschaft mehr. Die Leute sehen uns einfach nicht.“ Kurz bevor die Baustelle kam, hat er sich ein sogenanntes „bewegtes Schaufenster“ installieren lassen. Dabei sieht man von außen besondere Animationen – oder besser: Man sollte besondere Animationen sehen können, wäre da nicht die Baustelle.
Dazu komme die Unsicherheit. „Es gibt für uns keine Infos, wie lange das noch so weitergeht.“ Sein Friseurladen grenzt unmittelbar an die Baustelle. Er kämpft nicht nur damit, vom Zaun und von Fahrzeugen verdeckt zu werden. Er hat auch noch ein Lärm-Problem – und das nun schon seit zwei Jahren. Anfragen bei der Stadt seien versandet. Ob er Hoffnung auf Besserung hat? „Nein, gar nicht.“ Fischer will dennoch weitermachen. „Für meine Angestellten.“ Er rechnet damit, dass die Baustelle vielleicht im kommenden Jahr verschwindet. Er glaubt nicht, für Weihnachten seine Schaufenster dekorieren zu können. „Es würde ja eh niemand sehen.“
Manfred Müller ist Chef des Feinkostladens „vom Fass“, der sich am Eck zwischen Viereimerplatz und Fröhliche-Türken-Straße befindet. Auch er bestätigt, dass die Baustelle die Läden dort behindert. Kontrollen des Ordnungsamts fänden nur selten statt.
Stadt Regensburg über Baustelle: Einschränkungen lassen sich nicht vermeiden
Die Geschäftsleute sehen vor allem die Stadt in der Verantwortung. Aus der Verwaltung heißt es von Sprecherin Katrin Butz, dass die Absicherung eines Materiallagers angeordnet worden sei. „Diese wurde bis jetzt zweimal verlängert.“ Butz betont, dass die Stadt die Erreichbarkeit der Gewerbetreibenden sicherstellt. „Einschränkungen lassen sich bei einer Baumaßnahme jedoch nicht immer völlig vermeiden.“ Handwerker mit Handwerkerausweis dürtfen während der Lieferzeiten in Fußgängerzonen parken, wenn sie dabei niemanden behindern, sagt Butz. Dabei müssen sie allerdings Durchgangs- und Durchfahrtsbreiten gewährleisten.
Grundsätzlich, so Butz werden Baustellen im Rahmen der personellen Möglichkeiten überwacht. „Der Verkehrsüberwachungsdienst überwacht den ruhenden Verkehr und ahndet festgestellte Ordnungswidrigkeiten.“
Wann der Baustellen-Spuk ein Ende hat, ist derzeit noch kaum abzusehen. Der neue Gastronom im Gloria-Kino rechnet damit, Ende des Jahres zu eröffnen. Die aktuelle straßenverkehrsrechtliche Anordnung gilt bis Ende des Jahres, bestätigt auch die Stadt. Das sei allerdings nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit dem Ende der Baumaßnahmen.