Dauerbaustellen und Onlinekonkurrenz: Beliebtes Modegeschäft „Frauenzimmer“ vor dem Aus

Das „Frauenzimmer“ im Regensburger Obermünsterviertel zieht die Reißleine. Seit August 2024 ist der Umsatz des Modegeschäfts um rund 40 Prozent gesunken. Deshalb schließen Nina Brandl und Andrea Baumgärtner den Laden. „Wir haben viele Stammkundinnen, aber das reicht nicht aus“, sagt Seniorchefin Baumgärtner.
Melanie Dallmayr legt zwei grüne Pullover und eine schwarze Mütze auf die Verkaufstheke. „Ich finde es so schade, dass das Frauenzimmer zusperrt“, sagt die 36-Jährige. Ihre Mutter Edith stellt fest: „Wir haben jedes Mal etwas gefunden, ob Kleidung oder einen Kissenbezug.“ Nach sechs Jahren muss das Geschäft in der Obermünsterstraße schließen. Gründerin Andrea Baumgärtner und ihre Tochter Nina Brandl machen vor allem die übermächtige Onlinekonkurrenz dafür verantwortlich, aber auch Dauerbaustellen und die Kaufzurückhaltung der Kundinnen.
„Es ist der Wandel. Die Menschen kaufen nicht mehr so viel im Einzelhandel vor Ort ein“, erlebt Nina Brandl, die vor zwei Jahren übernommen hat. Sie schauten stärker auf das Geld und investierten wohl eher in einen Restaurantbesuch. Andrea Baumgärtner sagt, der Umsatz sei seit August 2024 um rund 40 Prozent gesunken. Auch einige Baustellen vergrämten die Kundinnen. Wegen des Umbaus im früheren Gloria-Kino sind kaum mehr Passanten über die Simadergasse gekommen. Dort liegt der hintere Eingang.
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Steigende Kosten haben den Geschäftsfrauen zugesetzt – ob für Energie oder den Wareneinkauf. „Weiterleben werden Geschäfte, deren Inhaber zugleich Hauseigentümer sind“, ist Andrea Baumgärtner überzeugt. Die 61-Jährige kritisiert, dass die Stadt die kostenlose erste Stunde in den Parkhäusern abgeschafft hat. Diese hätten die Kundinnen gerne genutzt.
Zehn Prozent Leerstand
Das Geschäft bietet Markenmode auch für kurvige Frauen. Stammkundinnen finden regelmäßig den Weg in die Obermünsterstraße. Auch im Ausverkauf ist das Interesse lebhaft. Im Laden ziehen modische Alltagskleidung, Hosenanzüge und Abendkleider in strahlenden Farben das Auge auf sich. Geschenke, Kerzen und Wohn-Accessoires sind zu haben.

Brandl weist auf die Leerstände in der Obermünsterstraße und am Neupfarrplatz hin. Auch Tanjas Wäschestudio im Nachbarhaus hört nach 27 Jahren auf. Gesundheitliche Gründe nennt die 79-jährige Betreiberin.
In der Altstadt gibt es etwa 400 Geschäfte. Die gesamte Verkaufsfläche beträgt 62 500 Quadratmeter. Der Leerstand hat laut einer aktuellen städtischen Erhebung zehn Prozent erreicht (vorher acht). Die verwaiste Galeria Kaufhof mit ihren 12 500 Quadratmetern Verkaufsfläche ist nicht eingerechnet.
Maria Müller, Geschäftsführerin der Kaufleute-Vereinigung Faszination Altstadt, bestätigt, dass bei Textilien die Onlinekonkurrenz stark ist. „Vor allem, wenn keine besondere Marke oder Spezialisierung dahintersteckt.“ Doch das „Frauenzimmer“ bietet Markenware und hat sich auf Frauen mit etwas mehr Gewicht spezialisiert. Privates Shopping wird genauso angeboten wie individuelle Beratung. „Viele Kundinnen sind Freundinnen geworden“, sagt Andrea Baumgärtner.
Müller von Faszination Altstadt räumt ein, der langwierige Umbau des früheren Gloria-Kinos in ein Restaurant habe eine Rolle gespielt. „Das 'Frauenzimmer' war wegen Baustellen jahrelang nicht zu sehen.“ Sie will in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung erreichen, dass Gewerbetreibende in solchen Fällen unterstützt werden.
Zurück in den alten Beruf
Mit Festen und Kulturereignissen ziehen Faszination Altstadt und Stadt Besucher an. Das kommt auch dem Einzelhandel zugute. Kammermusikfestival und Galerienabend locken im September das Publikum, im Oktober folgen das Queer-Streifen-Filmfestival, die Lange Nacht der Museen, der Dilly Dally Designmarkt und das Herbstfest. „Wir stellen auf Social Media Ladenbesitzer vor, damit die Leute sehen, an wen das Geld fließt“, sagt Müller. Das seien eben keine anonymen Onlinehändler. „Wir appellieren an die Kunden, dass es nachhaltiger ist, vor Ort einzukaufen.“
Beim Herbstfest soll jedes Geschäft eine Aktion anbieten, die mit dem Sortiment zu tun hat. Schließlich soll sich der Einkauf in der Altstadt wie ein Erlebnis anfühlen.
Andrea Baumgärtner verabschiedet sich von einer langjährigen Kundin und dankt für die großartige Zeit. Nina Brandl sagt: „Ich höre mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf.“ Die 41-Jährige wird zurückkehren in ihren Beruf als Intensivkrankenschwester und die Frauenzimmer-Mode online verkaufen unter femmeconcept.de. Den Store hat sie bereits eröffnet.