Kunstvoll komisch: Regensburger Stummfilmwoche gestartet

Buster Keaton und Laurel & Hardy hatten zum Auftakt des Festivals ihren großen Auftritt. Im Thon-Dittmer-Hof kugelte sich das Publikum.
Wenn sogar Pubertiere, die Stummfilme eher blöd finden, plötzlich doch lachen müssen, haben die Leinwandhelden des frühen Kinos einiges richtig gemacht. Laurel & Hardy und Buster Keaton standen am ersten Abend der Stummfilmwoche, der traditionell der Komödie gewidmet ist, auf dem Programm. Das Wetter spielte perfekt mit. Noch bis einschließlich Sonntag sind weitere Perlen der Stummfilmzeit zu Live-Musik im Hof des Thon-Dittmer-Palais zu sehen.
„Es ist schön, dass schon geklatscht wird, bevor die Hauptsache überhaupt angefangen hat.“ Festivalorganisatorin Nicole Litzel dankte dem Publikum im voll besetzten Arkadenhof für den warmen Empfang. „Sind welche hier, die den Vorfilm mit Stan Laurel und Oliver Hardy schon 2024 sehen wollten?“, fragte sie in die Runde. Damals wurde die Vorführung wegen eines heftigen Sturms abgebrochen. „Heute aber“, gab sich Litzel für den Ablauf von „Liberty“ optimistisch, „könnt ihr den Kurzfilm in voller Länge sehen.“

Der Hauptfilm am Auftaktabend – „Steamboat Bill, Jr.“ mit Buster Keaton in der Titelrolle – enthält laut Litzel eine seiner berühmtesten und zugleich gefährlichsten Szenen. Deshalb solle man beim Wirbelsturm genau aufpassen und „nicht gerade blinzeln“. In der kurzen Szene, als ein Tornado die Stadt am Mississippi in Trümmer legt, fällt die Fassade eines Hauses auf den davor stehenden William Canfield Jr., der unverletzt bleibt, weil er in einer Fensteröffnung steht.
Zu diesem Zeitpunkt sitzt der Vater, genannt Steamboat Bill, bereits im Gefängnis, weil er ein Fahrverbot missachtet und seinen Konkurrenten, den neureichen Kotzbrocken Mr. King, verprügelt hat. Der Junior hatte sich in dessen Tochter Kitty verliebt. Aufgrund der Gehässigkeiten der beiden Väter kann das Paar aber nicht zusammenfinden. Erst mitten im heftigsten Sturm beweist der schwächliche und ungeschickte Sohnemann echte Steherqualitäten und entwickelt pfiffige Ideen, um mit dem alten Dampfer des Vaters den Papa, seine Angebetete, deren Vater und zu guter Letzt auch einen vorbeitreibenden Priester aus den Fluten zu retten. Der Pfarrer steht natürlich für die Heirat der glücklich Vereinten.
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In vielen köstlichen und albernen Stunts während der bis zum Klamauk ausgewalzten Sturmszenen drehte Buster Keaton (angeblich „der Mann, der niemals lachte“, was aber nicht stimmte) mit Stürzen und Kämpfen gegen widrige Umstände richtig auf. Dabei wurden Nerven und Lachmuskeln des Publikums ein ums andere Mal strapaziert. Schon Juniors Auftritt beim Sheriff – mit einem riesigen Brot, in dem er Werkzeuge ins Gefängnis schmuggeln wollte, um den bärbeißigen Vater zu befreien – ging zum Vergnügen des Publikums gründlich in die Hose.
Nicht ganz so meisterhaft, aber gespickt mit grundsolidem Humor, verläuft der Gefängnisausbruch von Laurel & Hardy in „Liberty“. Während das Duo in taktisch durchlöcherten Episoden damit beschäftigt ist,seine im Fluchtauto vertauschten Hosen zurückzutauschen, tappt es von einem Fettnapf in den nächsten. Köstlich die für heutige Geschmäcker allerdings etwas zu lang geratenen Szenen auf dem Stahlskelett eines Hochhaus-Rohbaus. Und ein zum Kleinwüchsigen eingestampfter Polizist, der Laurel & Hardy verfolgt – das würde heute als diskriminierend gelten. Die niederländische Pianistin Maud Nelissen begleitete die köstlichen Leinwandstories am Klavier mit zupackender Dramatik und einer Musik, die zarte Liebesszenen sinnlich auskostete.
Die Stummfilme im Thon-Dittmer-Hof beginnen jeweils ab 20.30 Uhr, die Live-Musik liefern das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (14. und 16. August), die Diamond Dogs (15. August) und Vsevolod Pozdejev (17. August), Alle Details zum Programm unter: stummfilmwoche.de