Säm Wagner will Pop nicht nur für reiche Kids fördern

Von Michael Scheiner · 12. August 2025 um 12:12

In fünf Jahren hat der Regensburger viel für die Szene erreicht. Seine Arbeit ist wichtig - denn für viele junge Bands wird es immer schwieriger, sich eine Existenz aufzubauen.

„Inzwischen trage ich tatsächlich Ohrstöpsel, wenn ich Metal-Konzerte besuche“, gibt Mathias „Säm“ Wagner Einblick in sein verändertes Fanverhalten. Metal steht allerdings eher selten im Fokus seines persönlichen Interesses. Säm Wagner mag vor allem Indierock und -pop. Bei den rund 50 Konzerten, die der Popmusikbeauftragte des Bezirks übers Jahr gesehen besucht, haben Metal-Events dennoch einen Platz. Denn manchmal wird er mittlerweile von einem seiner Kinder begleitet, falls die am nächsten Tag schulfrei haben.

Seit fünf Jahren setzt sich Säm Wagner, der aus Pressath im Kreis Neustadt/Waldnaab stammt, hauptamtlich beim Bezirk für die Belange der Popszene ein. Die Betonung liegt auf Pop, verstanden in einem weiten Sinn, nicht beschränkt auf Popmusik. Zuvor hatte er den Job bereits doppelt so lange als Honorarkraft gemacht – neben der journalistischen Tätigkeit für diese Zeitung. Weil er mit ein paar Stunden die Woche aber weder Cham, Weiden noch Neumarkt ansteuern konnte, um Bands und Kulturvereine vor Ort zu besuchen und mit den Leuten Kontakt aufzunehmen, schaltete der Bezirkstag einen Gang höher. Die Stelle wurde professionalisiert, mit voller Stundenzahl ausgestattet und beim Bezirksheimatpfleger angesiedelt.

Beraten, vernetzen, fördern

Mitten im Coronajahr in seiner neuen Funktion gestartet, legte Säm Wagner gleich mal einen Newsletter auf, um Initiativen und Kulturschaffende zu informieren, wie sie an Hilfsprogramme rankommen. Der Newsletter hat sich verstetigt; heute informiert er die Szene alle zwei bis drei Wochen über Preise, Förder- aber auch Auftrittsmöglichkeiten und andere Neuigkeiten.

Beraten, vernetzen und fördern – das sind heute die zentralen Aufgaben, für die sich Säm Wagner ins Zeug legt. Er ist Mitglied im Bayerischen Musikrat, im Kuratorium der Rewag-Stiftung und bei BY-on, der Spitzenförderung für aufstrebende Musikacts beim Verband für Popkultur Bayern sowie Popmusikbeauftragter für die Stadt Regensburg. Er vertritt Anliegen der Musik- und (Pop-)Kulturszene bei der Politik, in Gremien, gegenüber der Verwaltung. Dabei geht es Säm Wagner darum die „Sichtbarkeit der Popszene zu erhöhen“, denn: „Oft wissen Mitarbeitende in den Verwaltungen gar nicht, was es alles an Bands und Initiativen vor Ort gibt.“

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Säm Wagner selbst musste sich in den ersten Jahren Überblick verschaffen, wo welche Gruppen in der Oberpfalz aktiv sind. Dabei stieß er auch auf das seit 13 Jahren bestehende Schwandorfer Dokumentarfilmfestival Zwickl, das heute ebenso wie die Regensburger Kurzfilmwoche – von ihm vorgeschlagen – gefördert wird.

Neben dem Topf für die Film- und Filmfestivalförderung gibt es auch für Studiokosten Zuschüsse vom Bezirk. Auf Wagners Vorschlag hin werden bis zu 30 Prozent der Produktionskosten von Aufnahmen ersetzt, gedeckelt bei 500 Euro. Am Ende der Coronazeit wurden auch Konzertgagen gefördert, „um wieder aus dem Loch rauszukommen“, in das die Szene durch die harten Beschränkungen gestürzt war.

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Inzwischen hat sich Popularmusikbeauftragte, so seine offizielle Bezeichnung, zum Ansprechpartner für die Schlagersängerin aus Cham entwickelt, für die HipHop-Crewa aus Regenstauf, den Graffitisprayer in Weiden oder die Tagung Dialog-Pop in Regensburg.

2025 war sein großes Thema, für das er aber intern schon länger gegraben hatte, eine Konzertförderung auf den Weg zu bringen. „Für viele junge Bands und Musikschaffende wird es immer schwieriger, sich eine Existenz aufzubauen.“ Praktisch gebe es keinen Verkauf von Tonträgern mehr, umreißt Wagner die Situation. „Und wer 240 Euro oder mehr für Taylor Swift ausgibt, hat meist keine Lust mehr, in der Mälzerei ein paar Euro für einen regionalen Liveact hinzulegen.“

Fördertopf bewilligt

Damit das Popbusiness in Zukunft „nicht nur für reiche Kindern“ offen steht, werde es nicht ohne mehr Förderung gehen, untermauert der umtriebige Popjünger sein Anliegen. Vor kurzem hatten die Bezirksrätinnen und -räte ein Einsehen und bewilligten mehrheitlich einen solchen Fördertopf. Damit können 2026 Veranstalter wie Olli Zink vom Alten Spital in Oberviechtach oder die Kulturvereine in Vohenstrauß und Furth im Wald, die Wagner erfolgreich vernetzt hat, einen Zuschuss für Konzerte beantragen.

Ein bemerkenswerter Erfolg in einer Zeit, wo andernorts Förderungen zunehmend beschnitten und manchmal ganz eingestellt werden.