Italienisch bis über beide Ohren: Das Regensburger Kult-Kino Gloria erfindet sich neu

Italo-Café, Restaurant und Bühne kommen in der Regensburger Altstadt. Nach langem Leerstand öffnet das einzigartige Gloria bald wieder. Gastronom Alex Desentis hofft, dass er im Oktober oder November eröffnen kann.
Alex Desentis sperrt das Vorhängeschloss am Bauzaun auf und führt in das frühere Gloria-Kino. Im halbdunklen Foyer hängen Kabel von der Decke. Mörtelsäcke stapeln sich. Verpackte Elektrogeräte warten auf ihren Einsatz. Aber wer den Saal betritt, schwelgt in Schönheit, auch wenn bislang nur die Kernsanierung abgeschlossen ist. Der acht Meter hohe Raum mit der restaurierten kupferfarbenen Decke und der Galerie hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren.
Der neue Pächter Alex Desentis deutet Richtung Foyer: „Da kommt eine Küche mit Pizzaofen und großer Theke hin.“ Auf der anderen Seite lässt er eine Bar einbauen. Die Bühne bleibt.
Der Name überlebt
Der Bau von 1954 mit seinen Rundungen und der hohen Fensterfront in der ersten Etage steht unter Denkmalschutz. Er sei ein wichtiges Zeugnis für die Kino-Architektur der 1950er-Jahre in Regensburg, sagte der städtische Denkmalpfleger Eugen Trapp, als die Arbeiten starteten. Erhalten bleiben der Terrazzo-Boden im Eingangsbereich, die Treppe mit dem nierenförmigen Grundriss, die metallgerahmten Fenster. Und natürlich der ikonische rote Gloria-Schriftzug an der Fassade.

Alex Desentis feilt an einem italienischen Gastro-Konzept für den ganzen Tag von 7 Uhr bis in den späten Abend. Im Foyer werden die Gäste morgens mit Espresso und Hörnchen verwöhnt. An einer Theke kann man zwischen Focaccia und Panini wählen. Ab 11 Uhr beginnt das Mittagsgeschäft mit Pizza und Pasta für Berufstätige, die wenig Zeit haben. Wer Muße hat, kann sich im Saal niederlassen und à la carte essen, auch mit Fisch und Fleisch.
140 Plätze stehen im Gebäude zur Verfügung. Desentis hat vor, im Oktober oder November zu eröffnen. Er ist jedoch nicht sicher, ob er es schafft. „Die Baustelle ist langsam“, sagt der gebürtige Mexikaner, der seit 2012 in Regensburg lebt. Mit den 60 geplanten Freisitzen beim Viereimer-Brunnen und in der Simadergasse wird es heuer wohl nichts mehr.

Zusammen mit seiner Frau Hilde betreibt Alex Desentis die Guacamole-Lokale in den Arcaden und in der Obermünsterstraße. Nach Räumen für ein Italo-Restaurant hat er schon lange Ausschau gehalten. In einer Gastronomie im Dörnbergviertel habe die Lüftungsanlage nicht ausgereicht, sagt er. Doch der Makler wies ihn auf das Gloria hin. „Ich habe mich sofort verliebt“, sagt Desentis. Der Selbstständige, der kulinarische Spezialitäten importiert, schätzt die Hausmannskost aus dem europäischen Süden, seit er als Jugendlicher in Mexiko City bei seinem Freund Stefano gegessen hat. Dort kochten die Mutter und die Oma italienisch.
Ehefrau Hilde ist Regensburgerin
Das Gloria soll erneut ein Ort der Kultur werden. Alex Desentis möchte alte italienische Filme über die Leinwand flimmern lassen und Piano-Abende veranstalten. Auch Public Viewing bei der Welt- oder Europameisterschaft im Fußball schwebt ihm vor. Wegen seiner Frau, die der 41-Jährige in Mexiko kennengelernt hat, ist er nach Regensburg gekommen. In seiner Heimatstadt Mexiko City mit ihren 22 Millionen Einwohnern hat er es auch kaum mehr ausgehalten. Die Massen, der Lärm, die Staus sind ihm zu viel geworden. „Das ist verrückt.“ Dieses „Chaos“ vermisst er nicht, aber die Familie, besonders seine Mutter.

Desentis kann mit Metropolen nicht viel anfangen. Wegen des Exportgeschäfts ist er oft in deutschen Großstädten unterwegs. München, Berlin und Hamburg gefallen ihm – das Wohnen dort jedoch nicht. Verwahrloste Viertel und Verkehrsüberlastung in der Hauptstadt schrecken ihn ab. „Regensburg ist dagegen ein Märchen“, schwärmt er.
Thomas Straubinger von der Prock + Straubinger Ingenieurgesellschaft führt die Generalsanierung durch, hat den Umbau geplant und ist verantwortlich für den Brandschutz und alle Ingenieurleistungen. Für ein edles Interieur sorgt der bekannte mexikanische Architekt Michel Rojkind, den Desentis privat kennt. Das Gloria gehört einem Familienunternehmen aus Rosenheim, das im Bereich Immobilien-, Land- und Forstwirtschaft tätig ist. Nach dem Kauf erklärte der Eigentümer, Ziel sei eine Nutzung, die das Viertel aufwertet. Es sei kein Geheimnis, dass man dafür mindestens eine siebenstellige Summe investieren müsse.
Die für das Interview eingeplante Stunde ist vorbei. Alex Desentis bricht auf, denn seine Frau Hilde muss im Guacamole in den Arcaden einspringen. Also passt der Papa auf die drei Kinder auf.