Das Regensburger Gloria-Kino wandelt sich in ein Restaurant

Bekannter Gastronom setzt auf italienische Küche und Lebensmittelverkauf im Gloria. Das Gebäude in der Altstadt von Regensburg wird saniert.
Die Wandmalerei der Künstlerin Jurena Munõz Lagunas auf einer Seite des früheren Gloria-Kinos ist verschwunden. Sie musste weichen, weil die Sanierung der Fassade beginnt. Seit Mitte 2023 verschönerte das lateinamerikanisch inspirierte Wandkunstwerk die Simadergasse, die geplagt war von Vandalismus, Verunreinigung und Schmierereien. Die Stadt lässt nun evaluieren, ob die Kunst den erwünschten Effekt erzielt hat, die Menschen aufmerksamer zu machen.
Das Gloria, Kult-Kino und Denkmal, ist in guten Händen. Diesen Eindruck bekommt man im Gespräch mit Thomas Straubinger von der Prock + Straubinger Ingenieurgesellschaft. Sie führt die Generalsanierung durch, plant den Umbau, ist verantwortlich für den Brandschutz und alle Ingenieurleistungen.
Wohnungen im Hinterhaus
Im Hinterhaus entstehen sechs Wohnungen mit ein bis drei Zimmern. Spannender für die Öffentlichkeit ist die neue Nutzung des denkmalgeschützten Vorderhauses mit 400 Quadratmetern, in dem Kinofilme über die Leinwand flimmerten. Der halbrunde Bau mit einer Empore und vielen schönen Details aus den 50er-Jahren wird zum Restaurant umgebaut. Toni Fischer, der die Casa della Pasta in der inzwischen geschlossenen Markthalle am Dachauplatz betrieb, hat vor, im Gloria ein italienisches Lokal zu eröffnen und Lebensmittel seines Heimatlandes anzubieten.
Freilich gibt es noch ein Problem: Dem Gastronom schweben Freisitze beim Viereimer-Brunnen vor. Die Genehmigung der Stadt lässt noch auf sich warten. „Es ist zwar schon alles geplant, aber ohne die Außenplätze mache ich es nicht“, sagt Toni Fischer. Im Innenhof des Gloria sei wegen der Wohnungen und weil nicht genug Platz zur Verfügung steht, kein Freisitz möglich.
Acht Meter hoher Saal
Auch in den Innenräumen arbeitet die Ingenieurgesellschaft Prock + Straubinger. „Jetzt wird alles herausgenommen, was nicht unter Denkmalschutz steht“, sagt Thomas Straubinger. In der Denkmalliste wird das Gebäude von 1954 als zweigeschossiger Saalbau mit vorgelagertem Foyer und Eingangsbereich in Kurvenform erwähnt.
„Wir versuchen, die Struktur für die Restaurantnutzung herzustellen“, erklärt Straubinger. Das ganze Gebäude bleibe erhalten, die Fassade werde überarbeitet. „Der Denkmalschutz hat uns die Aufgabe gestellt, die Kinoform zu erhalten.“ Das sei nicht einfach. „Ich muss das Restaurant in ein sehr hohes Gebäude reinbauen, mit Licht und allem.“ Der Saal ist acht Meter hoch. Mit einer Eröffnung rechnet der Ingenieur im ersten Quartal 2025.
Ein Familienunternehmen aus Rosenheim, das im Bereich Immobilien-, Land- und Forstwirtschaft tätig ist, hat das ehemalige Kino gekauft. Im Februar 2023 erklärte der Eigentümer, Ziel sei eine Nutzung, die das Viertel aufwertet. Es sei kein Geheimnis, dass man dafür mindestens eine siebenstellige Summe investieren müsse. Der Familie gehört ein weiteres Haus am Viereimerplatz.
Ein neues Standbein hat Gastronom Toni Fischer schon: das Anfang März eröffnete Restaurant Puro im Gartenhaus des Parkhotels Maximilian. Damit ist er sehr zufrieden. „Wir haben 50 Plätze draußen und 35 drinnen. Es ist wunderschön.“
Wie geht es weiter mit der Simadergasse, die vor der Kunstmaßnahme zur Schmuddelecke verkommen war? Caroline Hoffmann leitet das „Labor der kreativen Köpfe“ im Amt für Wirtschaft und Wissenschaft. Zusammen mit einem Team befragt sie gegenwärtig Anwohner, Geschäftsleute, Passanten und Hausbesitzer, ob sich die Wandmalerei von Jurena Munõz Lagunas positiv auf die Situation in der Gasse ausgewirkt hat – und auswirkt, denn beim Nachbarhaus hat die Künstlerin direkt die Fassade bemalt. Dort bleibt das Werk. Das „Labor der kreativen Köpfe“ will Kreative an der Erarbeitung und dem Ausprobieren von Ideen und Lösungen für die Herausforderungen der Stadt Regensburg beteiligen. Die Simadergasse hat dabei einen gewissen Pilotcharakter, da die Kreativen gemeinsam mit der Verwaltung und den Akteuren im Quartier frühzeitig eingebunden worden sind. Das Ganze zählt zur Smart-City-Strategie R_Next der Stadt.
Ein Denkmal
Architektur: Das Gloria ist ein wichtiges Zeugnis für die Kino-Architektur der 1950er-Jahre in Regensburg. Indizien dafür findet Abteilungsleiter Eugen Trapp von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Regensburg im Baudenkmal und an der Fassade. Gebaut wurde das Kino im Jahr 1954. Die Architekten waren Heinz Hamel und Walter Rhode.
Details: Denkmalschützer Eugen Trapp betrachtet den Terrazzo-Boden im Eingangsbereich, die Treppe mit dem nierenförmigen Grundriss oder die metallgerahmten Fenster als Kennzeichen für die Kino-Architektur dieser Zeit. Außen weisen laut Trapp beispielsweise der Schriftzug oder die Rundungen das Gloria als typisches Bauwerk seiner Zeit aus.
