Gloria wird für siebenstelligen Betrag saniert: Neuer Eigentümer stellt Pläne vor

Von Micha Matthes · 2. Februar 2023 um 15:46

Seit Jahren wurde das ehrwürdige Gebäude im Herzen des Obermünsterviertels in Regensburg mit Füßen getreten. Jetzt soll es wieder aufblühen – und mit ihm die ganze Simadergasse.

Ein Familienunternehmen aus Rosenheim, das im Bereich Immobilien-, Land- und Forstwirtschaft tätig ist, hat das ehemalige Kult-Kino Gloria gekauft. Der Eigentümer stellt nun seine Ideen vor.

„Unser Ziel ist es, eine Nutzung zu schaffen, die das Viertel aufwertet“, sagt der neue Eigentümer. „Es ist kein Geheimnis, dass man da auf jeden Fall eine siebenstellige Summe in die Hand nehmen muss.“ Seine Schwiegereltern kämen aus Regensburg, sein Vater habe hier in den 70er-Jahren studiert, erzählt er. Außerdem gehöre dem Familienunternehmen ein weiteres Haus am Viereimerplatz. „Wir fänden es einfach schön, wenn das Gloria renoviert wird und haben das jetzt in die Hand genommen.“

Das Architekturbüro Prock und Straubinger führt die Generalsanierung durch, macht die Planung für den Umbau, ist verantwortlich für Brandschutz und alle Ingenieurleistungen. Ein, zwei Jahre werde der Umbau wohl dauern, sagt Architekt Thomas Straubinger. Im Prinzip bestehe das Objekt aus zwei Teilen. „Im Hinterhaus sollen ganz klassisch sechs Wohnungen entstehen.“ Hier sollen die Arbeiten laut Straubinger zeitnah beginnen. Die Gestaltung des Innenhofs hänge noch von der jeweiligen Nutzung des Hauptgebäudes ab. Rettungswege aus dem Hauptgebäude führen auf den Hof.

Gloria in der Regensburger Simadergasse: Eröffnung 2025 geplant

Für das Vorderhaus – das ehemalige Kino – sucht der Eigentümer derzeit Mieter. Das Architekturbüro unterstütze bei der Suche. Im Moment plane man für dieses Gebäude einen Gastronomiebetrieb – „idealerweise mit Kunst und Kultur dabei“, sagt der Eigentümer. „Diese Kombination wäre unser besonderer Wunsch.“ Laut Straubinger würde auch die Stadt diese Idee präferieren. In welcher Kombination bzw. wo dann der Schwerpunkt liege, könne man im Moment noch nicht sagen. Fest steht: Das Gloria soll keinesfalls ein Club oder eine Diskothek werden. „Wir hatten schon einige Vorgespräche“, sagt der Eigentümer. „Das reichte von einer Nutzung als Museum mit Café bis hin zu Bistro oder Theater.“ Manches davon habe sich schon wieder zerschlagen. Generell seien alle Verhandlungen hier „noch in den Kinderschuhen“.

„Mein Ziel wäre es, bis spätestens Herbst einen Partner für eine langfristige Pacht zu finden“, sagt der Eigentümer. Dann müssten Baugenehmigungen beantragt werden. „Mit etwas Glück können wir vielleicht noch 2025 eröffnen.“ Am liebsten wäre es dem Eigentümer, wenn eine Partei die kompletten 400 Quadratmeter im Vorderhaus mit Gastro und Veranstaltungsraum bewirtschaftet. Generell soll der Innenraum in seiner jetzigen Form erhalten bleiben. „Dieser Charakter des runden Saals wird so bleiben – auch mit Bühne und Galerie. Das ist uns und dem Eigentümer ganz wichtig“, sagt Straubinger. Der Stil sei natürlich noch abhängig von den Ideen des jeweiligen Mieters.

Die Nachricht von der Sanierung lässt auch die Nachbarn aufatmen. Ihre Hoffnung: Eine Erneuerung des Stadtdenkmals könnte auf die Simadergasse abfärben. Weil die Gasse – die auch ein wichtiger Durchgang zur Innenstadt bzw. zum Peterswegparkhaus mit den dort angesiedelten Clubs ist – regelmäßig von Nachtschwärmern als Toilette missbraucht wird, dort immer wieder Fensterscheiben zerstört, vollgeschmiert oder besudelt werden, hatten sich mehrfach Bewohner und Geschäftsleute mit Beschwerden an die Stadt gewandt. Es folgten weitere Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt.

Obermünsterviertel: Lichtinstallation an Fassaden?

Vergangene Woche hatte es laut der Stadt dann einen Workshop gegeben, zu dem neben den Besitzern der Immobilien in der Simadergasse auch Kreativschaffende eingeladen waren, um Lösungsansätze zur Verbesserung der Situation zu erarbeiten. Die Teilnehmer hätten ganz unterschiedliche Ansätze vorgeschlagen, um den Problemen zu begegnen. „Kunst im öffentlichen Raum“ wurde als ein möglicher Ansatz zur Aufwertung der Gasse vorgeschlagen – beispielsweise ein Graffiti oder eine Lichtinstallation. „Die Außenfassade macht man bei einer Sanierung immer als letztes“, sagt der neue Eigentümer des Gloria. Derzeit sei sie mit Graffiti beschmiert. Er fände es schön, wenn man auch kurzfristig mit „Kunst am Bau“ die Gasse aufhübscht. „Die Fassade könnte sicher gut zu einer temporären Leinwand für Künstler werden.“

Außerdem brachten zuständige Stellen der Stadtverwaltung ihre Belange und Expertisen ein. „Auf dieser Grundlage werden die Kreativen ihre Ideen jetzt weiterentwickeln“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. „Welche Ansätze schließlich in die Testphase gelangen, die im Sommer starten soll, werde sich im Laufe des weiteren Prozesses entscheiden.“

Simadergasse ist Pilotprojekt des „Labors der kreativen Köpfe“

Der Prozess in der Simadergasse ist ein Projekt des „Labors der kreativen Köpfe“ und damit Bestandteil der Smart City-Strategie R_Next. Das Labor der kreativen Köpfe verfolge das Ziel, kreative Menschen bei der Erarbeitung und dem Ausprobieren von Ideen und Lösungen für die Herausforderungen der Stadt Regensburg zu beteiligen, so von Roenne-Styra. Die Simadergasse habe hierbei einen gewissen Pilotcharakter, da die Kreativen gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den Akteursgruppen im Quartier frühzeitig in die Lösungsfindung eingebunden und vernetzt werden.

Eine gute Fläche für Kunst am Bau? Das ehemalige Kino soll wieder aufblühen – und mit ihm die Simadergasse. -Foto: Fotos: Matthes
Die ganze Gasse litt unter dem Verfall des Gloria-Kinos. Jetzt schöpfen die Anwohner neue Hoffnung.