Trotz Insolvenz: Modegeschäft am Regensburger Neupfarrplatz will weitermachen

Schnell herrscht Besorgnis in Regensburg, wenn herauskommt, dass ein Laden am Neupfarrplatz von einer Insolvenz bedroht ist – leidet der Platz doch aktuell an Leerständen, Baustellen und baldigen Schließungen. Und so waren am Mittwoch auch die Kunden des Modegeschäfts „Closed“ nach einer Insolvenz-Nachricht verunsichert. Die Inhaber zeigen sich aber nun standhaft.
Baustellen und Leerstände prägen den Neupfarrplatz. Am einen Ende prangt die leere Hülle des Kaufhofs, auf der anderen Seite stehen Bauzäune. Das ehemalige Feinkostgeschäft Eilles steht seit Mai leer, dort zieht Vodafone ein. Das Gebäude, in dem vor einigen Jahren noch Bella Donna war (unterdessen in die Residenzstraße umgezogen), ist seit langem eine Baustelle. Und dann ist da das nordwestliche Eck des Platzes, wo sich das Modegeschäft Closed befindet. Direkt gegenüber steht eine ehemalige Bankfiliale leer. Aktuell sind dort Bauarbeiter unterwegs, denn hier soll die Spaghetteria einziehen. Im Nachbargebäude von Closed hingegen geht eine 766-jährige Geschichte zuende: am 21. August schließt die historische Engel-Apotheke. Aktuell läuft der Abverkauf. Folgt mit Closed jetzt der nächste Leerstand?
Kunden fragen nach, wie es weitergeht
Alle paar Minuten kommt wieder ein Kunde ins Geschäft, geht auf Conni Reicherseder zu und fragt sie genau das: Ist hier bald dicht? Und alle paar Minuten beschwichtigt die Regensburger Filialleiterin mit einem Lächeln: „Nein, es gibt keinen Räumungsverkauf.“ Es gehe alles ganz normal weiter. Das Modegeschäft Closed am Neupfarrplatz ist eine von 27 Filialen des 1978 gegründeten Hamburger Modeunternehmens. Dieses meldete am Mittwoch Insolvenz an. Für Reicherseder kam das sehr überraschend, sagt sie, lief doch das Geschäft immer gut. „Sogar während Corona. Wir haben viele treue Stammkunden, die uns auch durch diese schwierige Zeit getragen haben“, sagt sie. Von der Insolvenz erfuhr sie von Kunden, die es in der Zeitung gelesen hatten.

Vor sieben Jahren eröffnete der Laden in Regensburg, geführt von Inhaberin Caroline Chong. Sie führt den Laden als Franchisenehmerin, bestellt also die Waren vom Mutterkonzern, ist aber nicht direkt von dessen Schicksal abhängig. „Für uns geht es regulär weiter. Zu den normalen Verkaufspreisen“, sagt sie. Die Herbstsaison laufe, für das Frühjahr sei auch schon geordert. Chong führt auch die Marco Polo-Filiale am Neupfarrplatz. Und die Geschäftsleitung hat Erfahrung mit Insolvenzen: Auch das Modegeschäft Cinque in der Altstadt führt sie. Diese Marke war vor über 20 Jahren insolvent, überlebte aber. Bis heute gibt es Cinque in Regensburg. Chong ist optimistisch, dass es mit Closed genauso weitergehen wird, wie damals. Vier Angestellte arbeiten laut Filialleitung im Regensburger Geschäft, bekannt ist Closed vor allem für höherpreisige Jeans-Ware.
Wie geht es mit dem Neupfarrplatz weiter?
Dieses Modegeschäft bleibt dem Regensburger Altstadt-Herz also erhalten. Wie die Zukunft sonst aussieht, ist aber offen. Vor allem das Kaufhof-Gebäude droht, über Jahre ein Problemkind zu bleiben. Aufatmen gab es im vergangenen Jahr, als Edeka in das jahrelang leerstehende Pohland-Gebäude einzog. Besiegelt ist aber das Ende für das älteste Geschäft des Neupfarrplatzes: die Engel-Apotheke. „Es geht ein großes Kapitel zu Ende: sowohl historisch gesehen für die 766-jährige Tradition der Apotheke als auch für mich persönlich“, schreibt Betreiberin Antje Bullmann auf einem Plakat im Schaufenster und dankt den Kunden. In zwei Wochen ist hier alles vorbei.
