Edeka-Markt zieht ins Regensburger Pohland-Gebäude: „Gütesiegel für die Altstadt“

Von Marion Koller · 12. Januar 2024 um 05:00

Edeka Südbayern bestätigt den Umzug des Altstadt-Supermarkts offiziell. Nun füllt sich ein jahrelanger Leerstand im Regensburger Zentrum.

Caroline Chong führt drei Modegeschäfte. Zwei davon, Marc O'Polo und Closed, sind auf dem von Leerständen arg gebeutelten Neupfarrplatz. Sie freut sich über die Nachricht, dass Edeka aus dem Galeria-Untergeschoss ins gegenüberliegende, seit fünf Jahren leerstehende Pohland-Gebäude ziehen wird. Sprecher Christian Strauß von Edeka Südbayern hat das am Donnerstag offiziell bestätigt. Die Umbau-Planung zusammen mit der Vermieterin VR Bank Niederbayern-Oberpfalz laufe auf Hochtouren.

Der Neupfarrplatz ist einem ständigen Auf und Ab ausgesetzt. Erst Anfang der Woche ist bekannt geworden, dass der Warenhaus-Konzern Galeria zum dritten Mal Insolvenz beantragt hat. Ob die beiden Regensburger Standorte im Donau-Einkaufszentrum und am Neupfarrplatz überleben werden, ist unklar.

Zum Glück füllt sich bald der große Leerstand in der Drei-Helm-Gasse. Einen Zeitpunkt nennt Strauß noch nicht. Zunächst müssen die Verkaufsflächen im einstigen Pohland-Gebäude umgebaut und modernisiert werden. Der Brandschutz wird optimiert. Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen werden erneuert. Das Zugangs- und Sicherheitskonzept muss auf die Bedürfnisse des Lebensmittelmarkts ausgerichtet werden. Ende Oktober 2023 hat die Stadt die Baugenehmigung erteilt.

Im Obergeschoss befinden sich Wohnungen. Für die Mieter ändert sich nichts.

Ein Magnet für die Passanten

„Das wird auch uns Frequenz bringen“, ist Modehändlerin Caroline Chong überzeugt. „Ein Supermarkt ist immer gut. Und wenn es mit der Galeria Kaufhof dahingeht, sind wir sehr froh, dass Edeka bleibt.“

Bernd Ohlmann leitet den Handelsverband Bayern und kennt deshalb die Einkaufssituation in den Großstädten. „Dass Edeka bleibt, werte ich als Gütesiegel für die Altstadt“, sagt er. Ein Supermarkt sei ideal für den Branchenmix und daher äußerst wichtig für den Standort.

Ein Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss mit Schaufenstern besitzt mehr Anziehungskraft als im Untergeschoss. Die Kunden müssen nicht mit der Rolltreppe nach unten fahren, sondern betreten das Geschäft von der Straße aus. „Der Markt ist nicht mehr versteckt“, sagt Geschäftsführer Ohlmann.

Andreas Insinger besitzt das Eckhaus am Neupfarrplatz 7, in dem Ende September der Herrenausstatter Anson‘s eröffnet hat. Neun Monate zuvor war die Textilkette Zara von dort in die Arcaden gewechselt. Dass der Edeka-Markt bleibt, findet Insinger „super“. Etwas Besseres kann dem Neupfarrplatz in seinen Augen nicht passieren. Andreas Insinger spekuliert, der Edeka-Auszug aus dem Kaufhaus könne vielleicht auch die Chance für einen konzeptionellen Neuanfang sein. „Aber man muss sowieso abwarten, was daraus wird.“

Freude über das Ende des langjährigen Leerstands

Bei Faszination Altstadt, einem Zusammenschluss von Einzelhändlern und Gastronomen, freut man sich, dass sich der langjährige Leerstand in dieser Lage nun füllt. Mit Edeka ziehe an der viel frequentierten Ecke neues Leben ein. Die Entscheidung von Edeka zeige, dass Altstadtbewohner und Menschen, die im Zentrum arbeiten, auch wieder mehr dort einkaufen, sagt Geschäftsführerin Maria Müller von Faszination Altstadt. Sie hofft, dass das ein positives Signal an potenzielle Interessenten für die anderen leerstehenden Flächen am Neupfarrplatz sein wird. Für die Wahrnehmung des Platzes durch Bewohner und Gäste sei der Edeka-Umzug eine erfreuliche Entwicklung.

Für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war am Donnerstag Claudia Kick, die als Prokuristin bei der VR Bank Niederbayern-Oberpfalz für den Immobilienbereich zuständig ist. Für Armin Gebhard, Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, geht es beim Edeka-Umzug lediglich um einen Leerstand weniger. Der Herrenausstatter beurteilt die Lage des Altstadthandels pessimistisch. „Die Realität sieht so aus: Wenn es zu kompliziert wird, in die Stadt zu kommen, bleiben die Leute aus.“

Andere Leerstände bleiben

Am Neupfarrplatz bleibt eine Handvoll Leerstände, mehr oder weniger gut kaschiert. Das Palais Löschenkohl etwa, ein Barockgebäude, steht seit dem Auszug der Commerzbank im Jahr 2020 leer. Am Neupfarrplatz 11 ist das Lokal nach der Schließung von „Aloha Poke“ verwaist. Nach dem Aus für die Hypovereinsbank-Filiale neben dem Café Alex vor einigen Jahren hat es keine Nachfolgelösung gegeben. Das Eckhaus Neupfarrplatz/Obere Bachgasse dagegen wird seit dem Umzug der Boutique Bella Donna 2022 umfassend saniert. Eine künstlerische Verkleidung verbirgt die Baustelle vor Blicken.

Bedeckt hält sich Roman Kasimir, der Geschäftsführer der Galeria. In dieser prekären Lage wolle er sich nicht äußern. Erst im Oktober hatte der rührige Kaufhaus-Chef den Supermarkt Go Asia als zweiten Mieter für das Untergeschoss an Land gezogen. Nun klaffen bald wieder leere Verkaufsflächen – von der dramatischen Gesamtlage einmal abgesehen.

Geschäftsführer Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern ist überzeugt, dass der Supermarkt in der Altstadt dem Branchenmix guttut. Foto: Stefan Puchner/dpa
Modehändlerin Caroline Chong hofft auf mehr Frequenz am Neupfarrplatz. Foto: Lex