Wie das Klinikum Neumarkt auf die Kritik an der neuen Tiefkühlkost reagiert hat

Von Wolfgang Endlein · 7. August 2025 um 19:00

Das Klinikum Neumarkt hat seit einigen Wochen auf Tiefkühlkost umgestellt. Anfang Juli hatten Eltern von Kindern der Kindertagesstätten des Klinikums die Speisen kritisiert. Diese gibt es auch im Krankenhaus und in der Mensa der Gymnasien. Wie hat sich die Lage entwickelt?

In der Löwen-Gruppe des Kinderhauses Sonnenschein warten 19 Kinder an ihren Tischen auf das Mittagessen. Auf der Speisekarte steht paniertes Seelachsfilet mit Kartoffelsalat und Remouladensoße. Als Nachtisch für die 209 Kinder in zwölf Gruppen der Kinderhäuser Regenbogen und Sonnenschein gibt es Bananen.

Ob es den Kindern schmecken wird? „Mal schauen“, sagt eine Erzieherin, die das in der Klinikumsküche erhitzte und von einem Transportdienstleister in speziellen Behältern angelieferte Essen für die Gruppe portioniert. Kinder können heikle Esser sein.

Das hatten Anfang Juli auch Elternvertreter wie die Elternbeiratsvorsitzende im Kinderhaus Sonnenschein, Christiane Busch, betont. Ebenso, dass Geschmäcker verschieden seien. Allerdings sei das neue Essen unappetitlich, farblos und wenig ansprechend sowie geschmacklich weder abwechslungsreich noch gut. So beschrieb es der Elternbeirat in einem Brief an das Klinikum.

Klinikum Neumarkt erklärt Anpassungen bei Tiefkühlspeisen

Ebenso kritisierten die Eltern, dass die Erzieherinnen durch die Umstellung mehr Arbeit mit dem Essen hätten, was bei der Zeit für pädagogische Aufgaben verloren gehe. Das Klinikum um Vorstand Markus Graf sprach von Prozessproblemen, die man beheben werde.

Aktuell hat man einen Zwischenschritt gemacht. Die Erzieherinnen müssen nicht mehr jeden einzelnen Behälter des Herstellers öffnen und portionieren. Das Essen kommt erhitzt aus der Küche in Behältern. Demnächst soll das Essen zudem für die Gruppen vorportioniert geliefert werden, erklärt Gastronomieleiter Tomy Lii-Husak. Dann gebe es weniger Aufwand für die Erzieherinnen als vor der Umstellung.

Speiseplan wird von Ernährungsberaterin erstellt

Das Klinikum sieht sich in einem Lernprozess nach der Umstellung. Nicht nur bei den Prozessen, sondern auch bei der Auswahl der Gerichte. Tiefkühlkost-Anbieter Hofmanns beliefere viele Kindergärten. Entsprechende Speisen habe man anfangs bestellt, sagt Graf. „Das kam bei uns offensichtlich nicht so gut an.“ Man probiere aus, welche Gerichte ankommen und welche nicht, erklärt Holger Thaun, Geschäftsführer der Service GmbH des Klinikums. „Wenn wir merken, das passt nicht, dann tauschen wir ein Gericht wieder aus.“

Sechs Wochen geht ein Speiseplan. Dann startet ein neuer, der laut Klinikum von einer Ernährungsberaterin ausgearbeitet wird. Die Speisen seien mal bio, mal nicht. Manche Beilagen wie beispielsweise Nudeln, Kartoffelsalat oder Remouladensoße bereite das Klinikum für die Kitas nach wie vor selbst zu. Dies könne die infolge der Umstellung umstrukturierte Küche nach wie vor leisten, erklärt Thaun. Ebenso Salat, Obst und Nachtisch. 3,20 Euro kostet ein Mittagessen.

Klinikum Neumarkt nennt die Gründe, auf Cook & Freeze umzustellen

Diesen Preis zu halten, sei ein Auslöser dafür gewesen, auf Tiefkühlkost umzustellen, sagt Markus Graf. Reduzierter Personaleinsatz spart Kosten. Es gehe aber auch um Hygienestandards, die dadurch besser eingehalten werden könnten. Warmhaltezeiten verringerten sich durch Tiefkühlkost bei gleichzeitig hoher Qualität, ist Graf überzeugt. Hinzu komme die Prozesssicherheit, ergänzt Thaun. Selbst wenn mehrere Köche ausfielen, gebe es Essen.

Zusammengefasst: Durch eine andere Auswahl der Produkte und verbesserte Prozesse will das Klinikum auf die teils „berechtigte Kritik“ (Graf) reagiert haben. Wie sehen das die Eltern? Christiane Busch will sich aktuell nicht äußern – aus Fairness gegenüber dem Klinikum. In Gesprächen haben die Eltern ihre Kritikpunkte angebracht. Im September soll es zum Start ins neue Kindergartenjahr einen Elternabend geben. Bis dahin will Busch dem Klinikum die Chance geben, Verbesserungen umzusetzen.

Eltern sind nach wie vor kritisch

Von anderen Eltern ist zu hören, dass sie die Situation nach wie vor kritisch sehen. Manche Kinder lehnten das Essen weiterhin ab und Eltern bestellten keines mehr. Es gebe aber auch Eltern und Kinder, die keine Probleme sehen. Kurzum: Die Situation ist nicht eindeutig.

Das Klinikum erklärt, dass es keine belastbaren Zahlen zu Abbestellungen beim Essen nennen könne. Zum Ende eines Schul- und Kindergartenjahres gebe es immer eine gewisse Fluktuation. „Wir haben keine hohe Fluktuation, die ich auf die Umstellung zurückführen würde“, sagt Thaun.

Wie kommt das Tiefkühlessen in der Schulmensa an?

Aus der Mensa, in der Schüler der Gymnasien, der Mittelschule West und des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ) essen, gebe es bislang keine negativen Rückmeldungen, erklärt das Klinikum. „Wir haben nicht mitbekommen, dass es jetzt weniger bestellt wird“, sagt Thaun.

Die Schulleitungen des Ostendorfer Gymnasiums, des SFZ und der Elternbeirat des Willibald-Gluck-Gymnasiums erklären, dass bei ihnen keine Beschwerden eingegangen seien. Die Schulleitung des WGG und der Elternbeirat des OG reagierten auf eine Anfrage nicht.

Seit der Umstellung befragt das Klinikum nach eigenen Angaben Krankenhauspatienten zum neuen Essen. Auch über andere Kanäle habe es bislang keine negativen Rückmeldungen zum neuen Essen gegeben, sagt Vorstand Markus Graf.