Studie der Hochschule Neumarkt: Verderben Ekelfotos den Appetit?

Von Heidi Bauer · 6. Juni 2025 um 05:00

Plakate mit Schweinehälften: Wem vergeht bei diesem Anblick in der Uni-Mensa der Appetit auf Fleisch? Und wer greift bei Bildern von glücklichen Kühen zu? Genau dieser Frage gehen Studierende des Studiengangs „Management in der Ökobranche“ der Hochschule Neumarkt nach – mit spannenden Erkenntnissen.

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Vom 2. bis 4. Juni eruierte die Neumarkter Außenstelle der Technischen Hochschule Nürnberg an den Mensen von vier Hochschulen und Universitäten in Bayern, wie Tierwohl und Umweltschutz das alltägliche Essverhalten der Studierenden beeinflussen. Dabei blieb zwar das Essensangebot gleich – bereits jetzt seien 40 bis 50 Prozent der Gerichte vegetarisch oder vegan. Jedoch gab es im Umfeld der Speisesäle Veränderungen, erläuterten die Forscher bei einem Pressegespräch.

In den Mensen wurden gezielte Anreize gesetzt, um Verhaltensänderungen beim Essen messbar zu machen. Das Lehr-Lern-Forschungsprojekt wird von Professor Tobias Gaugler geleitet und von der Innovation und Zukunft Stiftung aus Nürnberg gefördert. Es basiert auf Rückmeldungen der Mensagäste über anonyme Fragebögen. Ziel sei, praktikable Ansätze zur Förderung nachhaltiger Ernährung zu ermitteln, so Gaugler.

Plakate und Fragebogen

Das Projekt „True Mensa 2.0“ baut ihm zufolge auf den Ergebnissen des Projekts „Wahre Kosten“ auf, das die Neumarkter Hochschule vor zwei Jahren mit einem Discounter gestartet hatte, und der TrueMensa-Aktionswoche 2024. Diesen zugrunde lag der Ansatz, das Auswirkungen und Umweltschäden im Preis berücksichtigt werden sollten.

Demnach haben tierische Produkte, vor allem Fleisch, wesentlich höhere externe Kosten als pflanzliche Lebensmittel, ökologische Produkte geringere Folgekosten. Diese wurden beim Verkauf eingepreist, um herauszufinden, wie Verbraucher reagieren.

Genau darüber – den wahren Preis von Döner oder Burger – wurde in der Mensa der Technischen Hochschule in Nürnberg im Rahmen des Nudging-Konzepts wissenschaftlich informiert. Nudging – auf Deutsch anstupsen – bedeutet, die Gäste der Mensen sollten durch dezente Anreize in ihrem Konsumverhalten beeinflusst werden, beispielsweise indem nachhaltige Lebensmittel wie Obst in der Mensa prominenter platziert wurden, Pflanzliches mit Grün und Fleischhaltiges mit Rot gekennzeichnet wurde.

Aufrüttelnde Botschaften und Fotos

In der TH Ingolstadt wurde mit positiven Konnotationen gearbeitet: mit Plakaten, die eine nachhaltige Ernährung in den Fokus rücken mit Sätzen wie „Gerechtigkeit bzw. Verantwortung beginnt auf deinem Teller“. Ganz anders war laut Gaugler hingegen der Versuchsaufbau an der Katholischen Universität Eichstätt: Dort sahen sich die Studierenden in der Mensa mit Ekelplakaten und aufrüttelnden Botschaften konfrontiert: Bilder von Schweinehälften, aus denen das Blut tropfte, und von totem Geflügel am Haken sowie mahnenden Sätzen wie „Nur für dich geschlachtet“, „120 000 Schweine werden heute geschlachtet“ und „Sterben für die Tonne – 10,5 Millionen Nutztiere werden in Deutschland einfach in den Müll geworfen“.

Die Mensa der Friedrich-Alexander-Universität in der Regensburger Straße in Nürnberg diente hingegen als Kontrollmensa: Hier blieb alles unverändert. Anhand von QR-Codes, die auf den Plakaten angebracht waren, konnten sich die Studierenden über das Projekt informieren und Fragebogen beantworten: einen vor und einen während der Aktion. Dabei ging es unter anderem darum, was und wie oft die Studierenden in der Mensa essen, um die Beweggründe für ihre Entscheidung, ob sie grundsätzlich mehr Fleisch oder fleischlos essen und ob sie es gut fänden, wenn nur noch klimafreundliches Essen angeboten würde.

Der Präsident der Technischen Hochschule Nürnberg, Prof. Dr. Niels Oberbeck, hält True Mensa 2.0 für ein „geniales Projekt“, bei dem ein Teil der Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt und wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können. Für das Studierendenwerk Erlangen-Nürnberg, das die vier Mensen betreibt, sei es bedeutend, belastbare Ergebnisse zum Thema Nachhaltigkeit zu bekommen und herauszufinden, was die Studierenden bei der Auswahl des Essens bewege, unterstreicht André Müller.

Große Resonanz

Gaugler zeigt sich sehr zufrieden mit der Resonanz: Bislang kamen 3374 Fragebogen vollständig beantwortet zurück – „ein unerwartet hoher Rücklauf“. Die Resultate sollen auf einer Fachtagung im Herbst präsentiert werden. Ziel sei es, diese auch anderen Hochschulen zur Verfügung zu stellen und bei der Zusammenarbeit Synergien zu schaffen.

• Management in der Ökobranche: Die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm bietet den Studiengang Management in der Ökobranche an der Außenstelle in Neumarkt an.

• TrueMensa Aktionswoche: 2024 wurden bei einer Aktionswoche „zweite Preisschilder“ in der Mensa der TH Nürnberg angebracht, die die „wahren Kosten“ der Gerichte auswiesen, wenn Umwelt- und Sozialfolgen mit einberechnet würden. Damit sollte das Bewusstsein der Studierenden für ihr Konsumverhalten geschärft werden.

• True Mensa 2.0: Das Projekt True Mensa 2.0 wird von Studierenden des Studiengangs Management in der Ökobranche unter der Leitung von Professor Tobias Gaugler durchgeführt. An drei Tagen, vom 2. bis 4. Juni, gab es Veränderungen und Befragungen in den Mensen der Technischen Hochschule Nürnberg Simon Ohm, der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg, an der Technischen Hochschule Ingolstadt und an der Katholischen Universität Eichstätt.