Brief ans Klinikum Neumarkt: Kita-Eltern erbost wegen „unappetitlicher“ Tiefkühlkost

Von Wolfgang Endlein · 4. Juli 2025 um 19:00

Es kocht im Klinikum Neumarkt. Allerdings nur noch im übertragenen Sinn. Denn die Krankenhausküche bereitet keine Speisen mehr zu. Dafür soll die Stimmung in den zum Klinikum gehörenden Kinderhäusern Sonnenschein und Regenbogen den Siedepunkt erreicht haben. Eltern kritisieren das neue Tiefkühlessen für ihre Kinder als unzureichend. Mit diesem versorgt das Klinikum auch seine Patienten und die Mensa der Gymnasien.

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„Leider müssen wir zunehmend feststellen, dass die Qualität der gelieferten Mahlzeiten nicht den Erwartungen an eine ausgewogene, frische und kindgerechte Ernährung entspricht“, heißt es in einem Schreiben des Elternbeirats des Hauses Sonnenschein an das Klinikum, die Kita und das Landratsamt. Unappetitlich, farblos und wenig ansprechend sowie geschmacklich weder abwechslungsreich noch gut, so beschreibt der Elternbeirat die Tiefkühlspeisen, die es laut Klinikum seit 17. Juni in den Kinderhäusern mit ihren etwas mehr als 200 Kindern gibt.

Christiane Busch ist die Vorsitzende des Elternbeirats imHaus Sonnenschein. Selbst probiert habe sie die Speisen nicht, erklärt sie. Entscheidend sei aber, dass mittlerweile viele Kinder die Mahlzeiten zum Preis von 3,20 Euro regelmäßig ablehnten.

Neumarkter Krankenhausessen: Was kritisieren Kita-Eltern?

„Die Stimmung unter den Eltern ist deswegen massiv“, sagt Busch. Seit der Umstellung habe sich eine WhatsApp-Gruppe mit rund 30 Mitgliedern gebildet. Wie das Tagblatt erfahren hat, soll auch im benachbarten Kinderhaus Regenbogen der Unmut unter den Eltern wachsen.

Die Krux sei für eine Mehrheit der Eltern, dass sie Mitarbeiter des Klinikums seien, sagt Busch, die nicht zu dieser Gruppe gehört. Es gebe die Sorge, sich Nachteile in der Arbeit einzuhandeln.

Eine Mutter, die sich als Sprachrohr für eine größere Gruppe von Eltern aus dem Haus Regenbogen bezeichnet, sagt: Nicht alle seien einer Meinung, aber die Grundstimmung sei mindestens durchwachsen. Man wolle dem System durchaus eine Chance geben, aber die Qualität müsse langfristig gewährleistet sein.

Aktuell sei das nicht der Fall, sagt die Mutter. Ihre Tochter lehne das Essen ab. Bei einem Besuch am Freitag sei sie Zeugin gewesen, dass die Erzieherinnen das Essen nicht an die Kinder hätten ausgeben können. Der Grund: Das erwärmte Essen soll nicht mehr die für den Verzehr vorgeschriebene Temperatur gehabt haben. „Man hat deutlich gesehen, dass es nicht genießbar war“, sagt die Mutter über das Essen.

Entsteht durch Tiefkühlessen am Klinikum Neumarkt viel Müll?

Neben Aussehen und Geschmack kritisieren die Eltern, dass durch die Tiefkühlkost viel Verpackungsmüll entstehe – auch wenn dieser laut Klinikum kompostierbar ist. Außerdem lernten Kinder wenig über gesunde Ernährung, wenn sie nur verpackte, vorportionierte Mahlzeiten erhielten, heißt es in dem Brief.

Darüber hinaus hätten die Erzieherinnen und Erzieher durch die Umstellung mehr Aufwand als zuvor. Die dafür nötige Zeit fehle bei der pädagogischen Arbeit an anderer Stelle, kritisieren die Eltern.

Klinikum Neumarkt hofft, durch Tiefkühlkost 300.000 Euro im Jahr zu sparen

In ihrem Schreiben an das Klinikum fordern sie, „alternative Konzept zu prüfen, die frisches, gesundes und kindgerechtes Essen ermöglichen – idealerweise unter Einbeziehung regionaler Anbieter oder frischer Zubereitung vor Ort“.

Ob das Aussicht hat, Gehör zu finden? Daran hat Busch selbst Zweifel. Denn ein Grund für die Umstellung auf Tiefkühlkost ist, dass das Klinikum Kosten spart. Rund 300 000 Euro pro Jahr, wie es erklärt.

Die Einsparung ist aus Sicht des Klinikums aber nur ein Grund für die Umstellung. Das Haus führt an, dass die Gerichte nährstoff- und vitaminschonend zubereitet seien und eine hohe Sicherheit gegen Keime böten. Vor allem aber ermögliche „Cook & Freeze“ eine flexible Zubereitung je nach Bedarf, wodurch weniger Überproduktion und weniger Abfall entstünden. Durch schlankere Prozesse sei zudem weniger Personal nötig. Kündigungen beim bisherigen Personal habe es aber keine gegeben, erklärt das Klinikum. Die Mitarbeiter führten inzwischen andere Tätigkeiten aus.

Klinikum Neumarkt beliefert auch Mensa der Gymnasien mit Mittagessen

Im Übrigen erklärt das Klinikum zur Kritik der Eltern, dass der sechswöchige rollierende Speiseplan von einer Fachberaterin für Ernährung und Diätetik ausgearbeitet worden sei, um eine kindgerechte Ernährung sicherzustellen. „Zudem werden von uns täglich ergänzend frisches Gemüse, Obst oder Fruchtjoghurt ausgeliefert“, heißt es in der Antwort des Klinikums.

Ist Tiefkühlkost tatsächlich schonend zu Nährstoffen und Vitaminen?

• Vitamine und Nährstoffe: Mehrere wissenschaftliche Studien haben für tiefgefrorenes Gemüse herausgefunden, dass es, kurz nach der Ernte tiefgefroren, Vitamine und Nährstoffe besser behält als Gemüse, dass mehrere Tage im oder außerhalb des Kühlschranks lagert.

• Auftauen: Was gilt es bei der Zubereitung von Tiefkühlkost zu beachten, damit Nährstoffe und Vitamine nicht verloren gehen? Während vor allem rohes Fleisch und Fisch im Kühlschrank langsam aufgetaut werden sollte, empfiehlt es sich, Tiefkühlgemüse sofort zu verarbeiten. Da TK-Gemüse oft vorblanchiert ist, braucht es weniger Garzeit. Dünsten, Dämpfen oder kurzes Erhitzen reduziert zusätzlich den Verlust wertvoller Nährstoffe.

Das Klinikum räumt anfängliche „Prozessprobleme“ ein. Diese habe man inzwischen abgestellt, so dass sich der Aufwand für die Erzieher beim Verteilen des Essens reduziert habe. An den Elternbeirat werde man sich direkt wenden. Christiane Busch berichtet von einem Gespräch mit der Kita-Leitung. Von der Klinikums-Spitze sei niemand dabei gewesen, was sie zum Anlass nehmen werde, sich im Namen der Eltern erneut mit einem Schreiben an das kommunale Unternehmens zu wenden.

Neben den Kinderhäusern werden die Tiefkühlspeisen auch im Krankenhaus und in der Mensa der Gymnasien ausgegeben. Die Patienten erhalten seit 1. Juli Tiefkühlkost. Kritik habe es bislang nicht gegeben, erklärt das Klinikum. So sei es auch bei einem Testlauf auf einer Station gewesen. Beschwerden aus der Mensa seien seit dem Start nach dem Pfingstferien nicht bekannt. Unser Medienhaus hat bei den Schulen und Elternbeiräten angefragt. Der Elternbeirat des Willibald-Gluck-Gymnasiums antwortet, bei ihm sei bislang keine Kritik angekommen.