Führt Abbau des Servicepersonals im Klinikum Neumarkt zu Mehrbelastung für Pfleger?

Eine Patientin kritisiert in einem Schreiben an die MZ den Service im Klinikum Neumarkt. Sind das die Folgen des Personalabbaus bei den Servicekräften, der durch die veränderte Krankenhausfinanzierung nötig geworden ist? Das Klinikum nimmt die Vorwürfe ernst und hat inzwischen Stellung bezogen.
Die Frau, die zuletzt zweimal im Klinikum Neumarkt stationär aufgenommen werden musste, zeigte sich zufrieden mit der medizinischen und pflegerischen Betreuung. Sie kritisiert jedoch, dass im Servicebereich einiges im Argen liege – und befürchtet in einem Schreiben an die Redaktion, dass das Klinikum auf Kosten des Pflegepersonals und der Patienten totgespart werden könnte.
Essensbestellung erst am vierten Tag
Das war passiert: Die Dame, eine Patientin mit privater Zusatzkrankenversicherung, war stationär im Klinikum aufgenommen worden. Zu einer der Leistungen dieser Versicherung gehört neben der Option, in einen Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht zu werden, und einer Chefarztbehandlung auch die Auswahl des Speiseplans. Allerdings habe im Klinikum Neumarkt Letzteres überhaupt nicht funktioniert, wie sie schildert. Erst am vierten Tag sei jemand gekommen, um ihre Essensbestellung aufzunehmen.
Pflegekräfte hätten der Patientin mitgeteilt, dass Aufgaben, die bis vor wenigen Monaten von extra Servicepersonal erledigt worden seien, nunmehr die Pflegekräfte selbst übernehmen. „Ich arbeite gerne 100 Prozent für die Patienten, aber nicht 120 Prozent für zusätzliche Aufgaben“, zitiert die Patientin eine Mitarbeiterin auf Station. Ebenso sei ihr mitgeteilt worden, dass am Wochenende keine Essensbestellungen mehr aufgenommen werden.
Versäumnisse eingeräumt
Das Klinikum nimmt die Vorwürfe der Patientin offenbar sehr ernst und hat sich auf Anfrage unseres Medienhauses umfangreich geäußert. Denn tatsächlich seien bei der Essensbestellung zuletzt Lücken aufgetaucht: So sei bisher auf der Wahlleistungsstation 3A von Montag bis Sonntag ein zusätzlicher Mitarbeiter für diese Aufgabe eingesetzt. Auf der Wahlleistungsstation 4A jedoch seien bis vor kurzem die Speisenwünsche nur von Montag bis Freitag und am Freitag zugleich für das folgende Wochenende aufgenommen worden. Wochenend-Zugänge hatten dadurch erst am Montag nach deren Speisewünsche gefragt werden können. „Diese Praxis haben wir nun umgestellt, so dass auch Zugänge am Wochenende die Möglichkeit zur Menüwahl haben“, heißt es in der Stellungnahme des Klinikums. Dort geht man davon aus, dass die Patientin von genau diesem Umstand betroffen gewesen sein könnte.
Ebenso sei es möglich, dass die Patientin aufgrund einer Untersuchung oder Behandlung nicht im Zimmer gewesen sein könnte, um das Essen zu bestellen. Ist dies der Fall, so werde für den betreffenden Patienten entsprechend seinem Krankheitsbild oder gegebenenfalls bekannter Vorlieben ein Essen gewählt. Darf oder soll der Patient aufgrund bestimmter Gesundheits- oder Behandlungskriterien beim Essen nicht frei wählen, so erfolgt die Speisenauswahl nach verordneter Kostform, schreibt das Klinikum.
Personal stetig aufgebaut
Tatsächlich hatte das Klinikum ab Anfang 2025 das Servicepersonal, das sich um genau solche Aufgaben kümmert, abbauen müssen. Das war durch eine geänderte Finanzierung der Krankenhäuser notwendig geworden. Auf den Wahlleistungsstationen werden laut Klinikum im reduzierten Umfang weiterhin Servicemitarbeiter für die Unterstützung im Wahlleistungssegment eingesetzt.
Dass durch die Reduzierung des Servicepersonals das Pflegepersonal statt „100 Prozent nun 120 Prozent für zusätzliche Aufgaben“ arbeiten müsse, wie von einer Pflegeperson geäußert, weist das Klinikum entschieden zurück.
Das Klinikum Neumarkt baue seit Jahren den Pflegedienst nachhaltig auf, heißt es. Zwischen 2019 und 2024 sei die Besetzung des Stellenplans in der Pflege auf den bettenführenden Stationen von 388 auf 443 Vollkräfte um 14 Prozent im Jahresdurchschnitt gestiegen. Zwischen 2023 und 2024 sei zudem ein Aufbau um 22 Vollkräfte erfolgt, um den Abbau des Servicepersonals zu kompensieren. Weil parallel dazu die Zahl der stationären Patienten seit 2019 abgenommen hat, haben sich die Betreuungszeiten im Pflegedienst pro Patient um 95 Minuten erhöht.
Im besten Fall gelingt eine Lösung noch während des stationären Aufenthalts, da der Sachverhalt im Dialog besprochen und gelöst werden kann.
Stellungnahme Klinikum Neumarkt
Die betroffene Patientin hatte bei beiden Krankenhausaufenthalten einen Beschwerdebogen ausgefüllt und auf das Problem hingewiesen. Das Klinikum betont, sich mit jeder Beschwerde kritisch und konstruktiv auseinanderzusetzen. „Im besten Fall gelingt eine Lösung noch während des stationären Aufenthalts, da der Sachverhalt im Dialog besprochen und gelöst werden kann.“
Ausbildung am Klinikum Neumarkt
• Neumarkter Akademie für Gesundheitsberufe: Das Klinikum Neumarkt hat seit dem Jahr 2019 die Ausbildungszahlen in der Gesundheits- und Krankenpflege an der Neumarkter Akademie für Gesundheitsberufe von 141 auf 228 gesteigert. Während ihres praktischen Einsatzes im Klinikum arbeiten die Auszubildenden entsprechend ihres Ausbildungsstandes in der Pflege mit und unterstützen bei patientennahen und patientenfernen Tätigkeiten. Im April und September werden wieder neue Mitarbeiter aus den Abschlusskursen der Akademie übernommen.
• Ehemalige Servicekräfte: Nachdem die Finanzierung der Servicekräfte am Klinikum mit Beginn des neuen Jahres ausgelaufen war, hat das Klinikum Neumarkt einige von ihnen aufgrund ihrer beruflichen Grundqualifikation in die Pflege übernommen. Diese Mitarbeitenden unterstützen inzwischen bei patientennahen und patientenfernen Tätigkeiten.
• Pflegefachhelfer: Weitere ehemalige Mitarbeitende der Service GmbH werden im August 2025 ihre Ausbildung in der Krankenpflegehilfe abschließen und dann als Pflegefachhelfer übernommen.