Kosten sparen: Neumarkter Klinikum stellt für Patienten und Kinder auf Tiefkühlkost um

Von Eva Gaupp · 31. März 2025 um 05:00

Voraussichtlich ab 1. Juli bereitet nicht mehr die Küche im Klinikum Neumarkt das Essen für die Patienten zu. Das Management der Sozialstiftung Bamberg hat einen Auftrag für Cook & Freeze ausgeschrieben. Das heißt, das Essen kommt tiefgefroren und wird auf den Stationen erhitzt – auch für die KlinikKinder und die Mensa der Gymnasien. Derweil kritisieren einige Patienten die aktuelle Verpflegung.

„Das hat mit Kochen nichts zu tun“, sagt ein Patient, der selbst gelernter Koch und Konditor ist. „Ich weiß, was eine Suppenbrühe ist.“ Was ihm während seines Aufenthalts im Neumarkter Klinikum serviert wurde, sei wässrig und geschmacklos gewesen. Die Suppe genauso wie der Pudding. Zum trockenen Brot keine Gurke, keine Tomate, einmal innerhalb von sechs Tagen habe er einen Salat bekommen, zweimal eine Banane, eine kleine Kiwi. „Man kann ja sparen, aber doch nicht an den kranken Patienten“, sagt der Mann aus dem Landkreis Neumarkt.

Patienten können in Neumarkt Essen bestellen

Mit seiner Kritik steht der Mann nicht allein: In den vergangenen Monaten haben sich weitere Patienten und Angehörige mit ähnlichen Schilderungen an die Redaktion gewandt. Eine Kritik, die der Sprecher des Klinikums, Oliver Schwindl, angesichts der offiziellen Rückmeldungen nicht nachvollziehen kann: „Patientenbefragungen und die Statistik unseres Beschwerdemanagements weisen auf keine signifikante Zunahme an Beschwerden über das Speisenangebot hin“.

Die Essensmenge könne patientenspezifisch individuell über das Menübestellsystem erfasst werden, die Patienten könnten aus verschiedenen Menüangeboten auswählen und die Zubereitungsform habe sich in den vergangenen Monaten auch nicht verändert. Alle Beschwerden würden erstgenommen, um besser zu werden, betont Schwindl.

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft leidet die Verpflegung vielerorts unter dem enormen Kostendruck, unter dem Krankenhäuser derzeit in Deutschland stehen. „Kliniken erhalten in der Regel pro Patient ein pauschales Budget für sämtliche anfallende Kosten. Ernährungsmedizinische Leistungen oder Budget für hochwertigere Produkte stehen den Kliniken nicht zur Verfügung“, informiert dazu eine Sprecherin der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

Auch eine Ernährungsberatung könne im deutschen Gesundheitswesen nicht gesondert abgerechnet werden. „Das ,Extra‘ bekommt man als Klinik leider nicht extra bezahlt.“ Fakt sei jedoch, dass eine gesunde und angepasste Ernährung im Krankenhaus in den Kliniken enorm wichtig sei, da der gesamte Heilungsprozess dadurch beeinflusst werde, so die Sprecherin weiter.

Neumarkt will Qualität der Speisen verbessern

In diesem Kontext will Schwindl auch die Umstellung auf Cook & Freeze verstehen: Damit strebe das Klinikum „eine weitere qualitative Steigerung des Speisenangebotes an“. Hunderte andere Kliniken verschiedener Träger wie Helios, Schön Kliniken, Rotes Kreuz oder Vamed seien diesen Schritt bereits gegangen, teilt die Klinikleitung auf Anfrage weiter mit. Diese Art der Versorgung werde „immer mehr zum Standard in der Speisenversorgung von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Essen auf Rädern, in Kindergärten und in der Gastronomie“.

Cook & Freeze benötige einen „geringeren Personaleinsatz“, ermögliche „schlanke Küchenprozesse“ sowie ein Einsparpotenzial von rund 300.000 Euro im Jahr. Wobei das Klinikum betont, dass der wirtschaftliche Aspekt „nur einer von mehreren“ sei. Als weitere Vorteile führt es die Vermeidung von Überproduktion und unnötigen Abfalls, eine flexible Reaktion auf den tatsächlichen täglichen Bedarf bis hin zu einer nährstoff- und vitaminschonenden sowie langen Lagerzeit an.

Keine Kündigungen am Klinikum Neumarkt geplant

Die betroffenen Mitarbeiter seien auch nach der Umstellung in der klinikeigenen Gastronomie tätig, führten dann jedoch teilweise andere Tätigkeiten aus. Kündigungen würden keine ausgesprochen.

Doch nicht nur die Patienten werden künftig auf diese Art und Weise versorgt, sondern auch die Mädchen und Buben, die die Einrichtungen der KlinikKinder besuchen, sowie die Schüler in der Mensa des Landkreises. Dieses Angebot werde weiter aufrechterhalten, heißt es aus dem Klinikum.

Doch bevor die ersten Gerichte auf dem Tisch stehen, muss das Klinikum die dafür notwendige Infrastruktur aufbauen: Dafür braucht es die entsprechende Gebäudetechnik – Strom, Kälte, Lüftung, Brandschutz, etc. – und die Gerätetechnik wie Wärmewagen, Kühlzellen und Andockstationen. Eine sechsstellige Summe werde dafür investiert.

Lagarde 7 schreibt in Parsberg rote Zahlen

2020 war die Küche des Klinikums für etwa drei Millionen Euro erweitert und modernisiert worden. Deshalb werde die Küche inklusive der dort verorteten Geräte auch „weiterhin in vollem Umfang genutzt“, gibt das Management weiter Auskunft. Lediglich einzelne Herdanlagen, die jedoch schon 20 Jahre alt seien, würden außer Betrieb genommen.

Derweil schreibt das Restaurant Lagarde 7 im Parsberger Ärztehaus rote Zahlen. Von rund 200.000 Euro ist die Rede – eine Summe, der das Management nicht widerspricht. Ein defizitärer Betrieb sei zu Beginn erwartet worden – erst mit Eröffnung der psychosomatischen Klinik und des Hauses für Pflege und Soziales im nächsten Jahr werde eine wirtschaftliche Betriebsführung erwartet, sagt das Management.

„Aber bis dahin werden wir das Konzept fortschreiben. Der Fokus unseres Lagarde 7 liegt in 2025 auf der Ausrichtung und Durchführung von Veranstaltungen und Feiern.“ So könne auch sein Bekanntheitsgrad verbessert werden. Im Februar dieses Jahres habe die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr bereits „erheblich gesteigert“ werden können. Das Restaurant mit großer Sonnenterrasse und 250 Sitzplätzen war im Februar 2024 eröffnet worden.

Gut zu wissen: Das versteht man unter Cook & Freeze

Definition: Cook & Freeze – auf Deutsch „Kochen und Auftauen“ – bedeutet, dass fertige Gericht vor Ort aufgetaut und dann serviert werden. Im Gegensatz dazu steht das Konzept Cook & Serve, wenn Gerichte also vor Ort gekocht und direkt anschließend serviert werden.

Produktion: Ein Dienstleister kocht die Gerichte, anschließend werden sie bei -40 Grad schockgefrostet. Lieferung und Lagerung erfolgen bei mindestens -18 Grad. Laut Klinikum Neumarkt lassen sich die tiefgekühlten Speisen einige Monate lagern und werden in der Klinik regeneriert.

Hintergrund: Nach Angaben des Klinik-Managements könne so eine „qualitativ hochwertige Verpflegungsleistung“ angeboten werden. Dafür werde eine „kundenorientierte, gesetzeskonforme, wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Infrastruktur“ im Klinikum eingerichtet.