Erste Herzklappen-Operation am Klinikum in Neumarkt geplant

Als Peter-Hubert Grewe vor 20 Jahren ans Klinikum Neumarkt kam, war er der erste Kardiologe. Dieses Jahr wird der Chefarzt mit seinem Team an der Klinik für Herz-, Lungen- und Kreislauferkrankungen rund 4500 Patienten behandeln. Und im März ist die erste Operation an einer Herzklappe geplant.
„Es war immer meine Grundstrategie, Patienten ein so breites Spektrum anzubieten, dass sie sich am Neumarkter Klinikum gut aufgehoben fühlen“, sagt Grewe, wenn er auf die zwei Jahrzehnte zurückblickt. Sein eigenes breites medizinisches Wissen war dafür die Basis: Denn der 60-Jährige ist nicht nur Facharzt für Kardiologie, sondern auch für Angiologie (internistische Lehre der Blutgefäße) und verfügt über die fachlichen Voraussetzungen für Pneumologie (Lungenheilkunde).
Drei Fachgebiete vereint: Kardiologie, Angiologie, Pneumologie
Da viele Herzpatienten früher oder später mit Lungenhochdruck zu kämpfen hätten und Lungenpatienten oft Probleme mit dem Herzen bekämen, hängen für Grewe diese drei Fachgebiete eng zusammen. Der Vorteil für die Patienten: Sie müssen seit Januar nicht mehr das Krankenhaus wechseln, wenn sie einen Spezialisten für Lungenerkrankungen brauchen. Denn seit Januar arbeiten drei Pneumologen am Klinikum.
Und auch Patienten mit einem Lungen- oder Bronchialtumor könnten dank der vorhandenen Fachpflege im Bereich der Onkologie sowie den Erfahrungen mit Chemotherapie in Neumarkt behandelt werden.
Deshalb blickt der Chefarzt optimistisch in die Zukunft: Denn die Anforderungen, die die aktuelle Krankenhausreform an Kliniken für den Fachbereich Kardiologie fordert, würden in Neumarkt erfüllt. „Wir sind in Neumarkt sehr gut aufgestellt. Ich glaube fest an das Klinikum.“
Lungenfachärzte in neuer Abteilung in Neumarkt
Die drei neuen Lungenfachärzte sind ebenfalls wichtig, um Menschen mit akuter Lungenentzündung adäquat zu behandeln: Denn Betroffene müssten innerhalb von einer Stunde mit einem Antibiotikum behandelt werden, sagt Grewe. Allein die Fahrt nach Nürnberg oder Regensburg mache diese Vorgabe aber schon schwierig. Um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, heißt die Medizinische Klinik I nun „Klinik für Herz-, Lungen- und Kreislauferkrankungen“.
Es ist jedoch nicht nur das breite medizinische Spektrum, das das Klinikum Neumarkt auszeichnet und seit Jahren zahlreiche Patienten aus den Nachbarlandkreisen anzieht: Peter-Hubert Grewe ist seiner Universität in Bochum lange treu geblieben, hat dort als Professor weiter Vorlesungen über Angiologie gehalten, bis er vor drei Jahren einen Ruf als Dozent von der Universität Regensburg erhielt.
Große Beachtung findet darüber hinaus die Forschung von ihm und seinem Team, Herzkatheteruntersuchungen zu verbessern. Früher war es üblich, den Katheter, einen dünnen Schlauch, über die Schlagader in der Leiste bis zum Herzen zu führen. In seltenen Fällen kann es dabei jedoch zu Einblutungen ins Bein und den Unterbauch kommen. Weniger Komplikationen gibt es, wenn die Schlagader am Handgelenk, im sogenannten „Schnupftabak-Grübchen“, oder eine der Arterien am Unterarm genutzt wird, wie die Arbeitsgruppe festgestellt hat. Um die Erkenntnisse weiter zu verfeinern, werden die Daten von inzwischen rund 6000 Patienten in einer deutschlandweit einzigartigen Datenbank an der Berliner Charité anonymisiert ausgewertet.
Peter-Hubert Grewe als Dozent an Universität Regensburg
Dieser „Dreiklang“ aus Forschung, Arbeit mit und am Patienten sowie als Leiter einer Klinik bedeutet für Peter-Hubert Grewe „das Salz in der Suppe“. Der Austausch mit den Studenten mache ihm nicht nur Spaß, sondern durch die Lehre und Forschung bringe er sich laufend auf den neuesten Stand – was wiederum dem Team und vor allem den Patienten zugute komme.
„Man kann Patienten ihre Angst nehmen, indem man ihnen eine Perspektive gibt.“ Peter-Hubert Grewe, Chefarzt
So ist das medizinische Spektrum im Laufe der vergangenen Jahre immer weiter gewachsen: Ein erster Meilenstein war die 24-Stunden-Herzkatheter-Bereitschaft, die er 2005 noch gemeinsam mit nur zwei Oberärzten stemmen musste. Doch das sei eine Grundvoraussetzung – auch für die Intensivstation –, um Patienten mit einem Herzinfarkt jederzeit behandeln zu können. Jeder zweite Patient mit einem Herzinfarkt sterbe außerhalb eines Krankenhauses, sagt Grewe. „In einer Klinik mit 24-Stunden-Herzkatheter-Bereitschaft sind es nur noch drei Prozent.“
Der nächste Meilenstein ist die kathetergestützte Operation von Herzklappen bei einer Mitralklappeninsuffizienz. Das heißt, wenn die Herzklappe nicht mehr richtig schließt. Ersten Patienten wird im März ein sogenannter „Mitra-Clip“ eingesetzt.
Die Qualitätsvoraussetzungen habe das Klinikum bereits vor zwei Jahren erfüllt, sagt Grewe. Allerdings habe ihnen noch ein Herzchirurg gefehlt, um das Aufklärungsgespräch mit dem Patienten zu führen. Dafür sei jetzt das Universitätsklinikum Erlangen als Partner gewonnen worden. Die Zertifizierung wurde freiwillig erneuert und mit dem Team von Professor Schwemmer stehe eine „ausgezeichnete Anästhesie“ zur Verfügung.
Angesichts dieser Entwicklungen in Neumarkt denkt der 60-Jährige noch nicht an Rente und lacht: „Sieben Jahre habe ich noch und die werde ich auch gerne erfüllen.“
Das Team: Inzwischen zählt die Abteilung 23,75 medizinische Vollzeitkräfte – unter ihnen die Oberärzte Dr. Christian Schmidt (Lt. OA), Steffen Heyes, Dr. Kirstin Meier, Dr. Ulrich Reiser, Marlis Wacker und Privatdozent Dr. Frank Muders.
Herzschrittmacher: Jedes Jahr werden in einem „Hybrid-Operations-Saal“ rund 150 Herzschrittmacher und etwa 80 Cardio-Defibrillatoren implantiert.Herzrhythmusstörungen: 2024 wurden über 120 Ablationen durchgeführt. Dabei wird mithilfe eines Katheters Gewebe am Herzen verödet, um etwa Vorhofflimmern zu behandeln. Eine Erkrankung, unter der laut Grewe auch junge Menschen leiden.