Arbeitsgruppe am Klinikum Neumarkt: Optimierter Zugang für Herzkatheter

Seit 2017 führt die wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Medizinischen Klinik I klinische Forschung durch. Der Schwerpunkt sind die Zugangswege für Herzkatheteruntersuchungen und -behandlungen.Dabei erzielten die Ärzte einen Durchbruch.
Jährlich werden etwa 1500 wissenschaftliche Arbeiten aus dem gesamten Bereich der Herz-Kreislauf-Forschung zur Präsentation beim größten deutschsprachigen Kardiologie-Kongress eingereicht, sagt Chefarzt und Kardiologe Prof. Peter Grewe. Dabei spanne sich der Bogen der Themen von der Herz-Kreislauf Grundlagenforschung über aktuelle Herzkatheterbehandlungen bis hin zur medikamentösen Behandlung von Herzerkrankungen.
Vom 12.April bis 15.April fand dieser Kongress, also die 89. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, in Mannheim statt. Das diesjährige Hauptthema lautete: „Epidemie Herzinsuffizienz: Mechanismen erforschen, Herzen heilen.“ Aus den Anmeldungen wurden dieses Jahr 1002 Arbeiten ausgewählt und die Arbeitsgruppen konnten ihre Ergebnisse präsentieren. Wie auch in den vergangenen fünf Jahren, wurde dieses Jahr die aus der Arbeitsgruppe der Medizinischen Klinik I des Klinikum Neumarkt angemeldete Arbeit zur Präsentation akzeptiert, so Grewe.
Punktierung der Schlagader in der Leistenregion birgt Risiken
Über Jahrzehnte wurde die Schlagader in der Leistenregion punktiert, um mit dem Herzkatheter, einem kleinen weichen Kunststoffschlauch, zum Herzen zu gelangen, erklärt der Kardiologe. Dieser damals gängige Zugangsweg zum Herzen war und ist aber mit einem nicht zu vernachlässigen Risiko von Einblutungen ins Bein oder den Unterbach verbunden. Darum rät die Europäische Gesellschaft für Kardiologie schon seit dem Jahr 2018 mit hohem Nachdruck von der Verwendung der Leistenschlagader ab und empfiehlt stattdessen die Verwendung einer Handgelenksschlagader, der Arterie radialis, als Zugangsweg.
Diese Empfehlung wurde am Klinikum Neumarkt konsequent umgesetzt. „Aus internationalen Registerdaten wurde klar, dass eine Herzkatheteruntersuchung für Patienten dann risikoreicher wird, wenn nach einer Fehlpunktion der A. radialis auf die große Leistenschlagader gewechselt werden muss“, so Grewe. „Ich habe die technisch deutlich schwierigere Punktion der A. radialis bereits 1999 in England von James Nolan, einem der Pioniere dieses Verfahrens, lernen dürfen.“
Da die Arterie am Handgelenk aber nicht bei jedem Patienten geeignet sei, einen Herzkatheter vorzubringen, entwickelte die medizinische Klinik I des Klinikums Neumarkt eine Behandlungsablauf, der mehrere Unterarmarterien nacheinander oder parallel in den Untersuchungsablauf einbezieht.
Noch in seiner Zeit in der Grundlagenforschung an der Ruhr–Universität Bochum identifizierte Grewe mit seinem Team insgesamt drei Arterien am Unterarm, die für einen Zugang zum Herzen geeignet sein können. Somit stehen einem geübten Herzkatheterspezialisten insgesamt sechs Unterarm-Arterien zur Verfügung.
Neues Verfahren aus wissenschaftlicher Literatur entstanden
„Wir haben uns da nicht irgendetwas selbst ausgedacht und Experimente an unseren Patienten durchgeführt“ erklärt Grewe, „sondern viele wissenschaftliche Details aus der Weltliteratur und den Erkenntnissen von internationalen Hospitationen zusammengetragen und zu einem neuen Untersuchungsablauf zusammengesetzt“. Es bedürfe aber einer weit überdurchschnittlichen technischen und damit teuren Ausstattung, um diesen schonenden Untersuchungsablauf durchführen zu können.
Die statistische Auswertung der anonymisierten Patientendaten erfolgte mit der Zustimmung der Ethikkommission der Universität Erlangen. Aktuell verfügt die Arbeitsgruppe über die weltweit größte Datenbank zu diesem Thema. Das dieses Vorgehen tatsächlich einen erheblichen Vorteil für die Patientensicherheit hat, wurde durch eine komplexe statistische Auswertung von Tobias Röschl belegt. Der gebürtige Neumarkter und Kardiologe hat nach seiner intensiven kardiologischen Grundausbildung am Klinikum an das Deutschen Herzzentrum Berlin gewechselt und forscht dort erfolgreich auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz in der Kardiologie.
