Klinikum Neumarkt befragt seine Mitarbeiter: 82 Prozent sind unzufrieden

Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als rund 1000 Personen für mehr Menschlichkeit im Klinikum Neumarkt auf die Straße gegangen sind. Es sei ruhiger geworden, hatte das Management zuletzt gesagt. Ein fataler Trugschluss zu glauben, die Mitarbeiter seien jetzt zufriedener. Das beweist eine Mitarbeiterbefragung.
In einem Pressegespräch informierten Vorstand Markus Graf, der Leiter der Allgemeinen Verwaltung, Oliver Schwindl, sowie die Vorsitzende des Betriebsrats der Service GmbH, Nicole Delikahya, am Montag über die Ergebnisse. Das Klinikum hatte ein Beratungsunternehmen beauftragt, die Mitarbeiterbefragung zu übernehmen und anonym auszuwerten.
Das Ergebnis: 82 Prozent der 81 Teilnehmer erklärten, sie seien unzufrieden mit der Unternehmenskultur am Klinikum. Vor allem äußerten sie Kritik an der Kommunikation, der Information, daran, dass sie sich nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden fühlten.
Betriebsratsvorsitzende: 18 Prozent Zufriedenheit gängiger Wert
„Wie zu erwarten, gibt es eine gewisse Unzufriedenheit“, kommentiert Graf das Ergebnis. Ein Jahr zuvor habe er die Stimmung als „durchaus kritisch“ wahrgenommen, „das konnte mit der Verlängerung des Managementvertrags in Verbindung gebracht werden“.
Dass nur 18 Prozent angegeben haben, sie seien zufrieden, komme nicht überraschend, erklärt Delikahya, die zusammen mit Vertretern verschiedener Abteilungen in einer Arbeitsgruppe die Befragung mit der Beratungsfirma vor- und nachbereitet hat. „Die Beratungsfirma rechnet grundsätzlich mit einem Wert von um die 20 Prozent.“ Wer an den 90-minütigen Gesprächen teilgenommen habe, sei aber positiv überrascht gewesen, „sie durften offen sagen, was sie denken. Das kam gut an.“
Allerdings war es offensichtlich nicht so einfach, überhaupt 81 Mitarbeiter zu finden, die zu diesen Gesprächen bereit waren – angesichts von rund 2300 Beschäftigten. Einem Insider zufolge hätten fast 400 Personen angefragt werden müssen, um die Zahl von 81 zu erreichen.
Frauenknecht und Graf wurden auch befragt
„Wir hätten uns mehr gewünscht“, gibt Graf zu und Schwindl ergänzt: „Jeder hätte sich beteiligen dürfen“. Der Generalbevollmächtigte Xaver Frauenknecht und Graf selbst haben teilgenommen. Das habe die Firma vorgegeben, um „das Zielbild abzugleichen“.
Trotzdem sei die Umfrage wissenschaftlich repräsentativ und die Aussagen ähnelten sich, betont Graf. Außerdem habe die Umfrage im August und September stattgefunden, während der Urlaubszeit. Über die Gründe, weshalb etliche Mitarbeiter sich nicht äußern wollten, lägen ihm keine Informationen vor.
„Es ist vier Jahre lang nichts passiert. Was soll ich jetzt noch reden?“, sagt eine beschäftigte Person, die anonym bleiben will, wie sie innerlich schon mit dem Klinikum abgeschlossen hat. Wenn sich ein anderer Job anbiete, sei sie weg.
Andere hätten befürchtet, ihre Aussagen könnten nicht anonym behandelt werden, erzählt eine andere Person. „Der Vorstand erreicht die Mitarbeiter nicht mehr“, lautet ein weiterer Kommentar. „Man muss mit den Menschen reden, dann gehen sie auch mit“, sagt ein anderer und wirft dem Vorstand vor, „Führungsmethoden aus den 80er Jahren“ an den Tag zu legen. Es werde „von oben angeordnet. Ob und wie eine Umsetzung möglich ist, ist der Leitung vollkommen egal“, lautet eine weitere Aussage. Es scheine die Devise zu herrschen, wenn ihr es nicht schafft, dann könnt ihr ja gehen; dann machen das andere.
Vorstand des Klinikums Neumarkt: Personalfluktuation normal
Während Beschäftigte bedauern, dass jede Führungsposition innerhalb der Verwaltung seit der Übernahme des Managements durch die Sozialstiftung Bamberg mindestens einmal ausgetauscht worden sei und es inzwischen „kein Eigengewächs“ mehr gebe, spricht Markus Graf von keiner unnatürlichen Fluktuation. Und: „Der Wechsel einer Führungskraft zieht immer Bewegung in der Mitarbeiterschaft nach sich.“ Die Begründungen seien für ihn immer nachvollziehbar gewesen und hätten mit einer persönlichen Weiterentwicklung zu tun gehabt. Trotzdem reflektiere er sein persönliches Verhalten nach der Befragung noch mehr als vorher.
Erfahren Sie hier mehr über die Umstrukturierungen im Klinikum Neumarkt.
Aber Graf sagt auch: Noch mehr als die Stimmung im Haus beschäftige ihn die Zukunft des Klinikums. Denn wie alle anderen Krankenhäuser steckt es mitten in einem Transformationsprozess. Derzeit wartet das Klinikum auf die Entscheidung des Freistaats, welche Leistungsgruppen es in Zukunft noch anbieten darf. „In solchen Zeiten Sicherheit zu vermitteln, ist schwierig“, sagt Graf deshalb.
Nach Angaben der Betriebsrätin Nicole Delikahya seien die Mitarbeiter inzwischen sehr viel besser über die Reformen informiert und könnten unterscheiden zwischen Kritik am Management und den Auswirkungen der Reformen. „Es gibt nicht Kritik daran, was wir machen, sondern daran, wie wir es machen. Das war ein gutes Ergebnis.“
Markus Graf: Stimmung im Klinikum Neumarkt schon verbessert
Seinem Eindruck nach habe sich die Situation inzwischen schon verbessert, sagt Graf. In den Mitarbeiterversammlungen seien Probleme ergebnisoffen diskutiert worden, über den Newsletter „Informiert in den Tag“ werde über Aktuelles informiert. Denkbar wäre eine regelmäßige Sprechstunde des Vorstands und der Führungskräfte, sagt Graf. „Aber wir wollen mit den Mitarbeitern absprechen, was sie wollen.“
Klarheit soll eine Veranstaltung Mitte Februar in der Kleinen Jurahalle bringen. Moderiert von der Beratungsfirma sind die Ergebnisse der Befragung sowie Lösungsansätze Thema. Damit die potenziell 300 Teilnehmer anonym bleiben, arbeiten sie zwar vor Ort in Kleingruppen, äußern sich aber anonym per Computer.