Trotz roter Zahlen: Neumarkter Klinikum will eigene teure Strahlentherapie aufbauen

Von Eva Gaupp · 30. Oktober 2024 um 19:00

Das Klinikum Neumarkt steckt in den roten Zahlen. Trotzdem will es für insgesamt rund 3,5 Millionen Euro einen neuen Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie von Krebspatienten kaufen. Dabei ist sehr fraglich, ob sich das überhaupt rechnet – betreibt doch der Facharzt Frank Muckelbauer bereits zwei solcher Geräte in Neumarkt.

Seit 2005 lief es so: Frank Muckelbauer führte eine Praxis für Strahlentherapie unter dem Dach des Klinikums Neumarkt. Dort wurden ambulante Krebspatienten genauso behandelt wie stationäre aus dem Klinikum. Doch der frühere Klinikvorstand René Klinger wollte Muckelbauers Praxis kaufen und sie als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben. Das wäre für das Klinikum finanziell attraktiv, hatte Klingers Begründung gelautet. Muckelbauer hätte als angestellter Arzt weiter arbeiten können.

Klinikum Neumarkt wollte Muckelbauers Praxis kaufen

Doch das wollte Muckelbauer nicht – und was die Konditionen anging, war man sich nicht einig geworden. Überhaupt hatte sich der Mediziner darüber geärgert, wie der Klinikvorstand mit ihm als Mieter und langjährigem Partner umgegangen ist. Das Klinikum habe daraufhin seinen Mietvertrag zum 31. Dezember 2024 gekündigt.

Während Muckelbauer derzeit schon dabei ist, seine neuen Praxisräume am Schwarzachweg 7 einzuräumen, ist das Klinikum seinerseits dabei, eine eigene Strahlentherapie aufzubauen. Das sei im bayerischen Krankenhausplan für Neumarkt auch so vorgesehen, sagt der Generalbevollmächtigte Xaver Frauenknecht.

Da Muckelbauer den Linearbeschleuniger mit in seine neue Praxis nimmt, muss das Krankenhaus ein neues Gerät anschaffen. Kostenpunkt: „eine siebenstellige Summe“, sagt Frauenknecht. Die Ausschreibung laufe derzeit, deshalb könne er darüber noch keine genauen Angaben machen.

Muckelbauer: Klinikum muss rund 3,5 Millionen Euro investieren

Muckelbauer wird da etwas konkreter: Je nach Art des Geräts müsse man mit etwa 3,5 Millionen Euro rechnen – Software inbegriffen. Dazu kämen Wartungsverträge sowie Auflagen für das Personal, weil man beispielsweise Medizinphysiker brauche.

Staatliche Zuschüsse gibt es keine, räumt Frauenknecht ein. „Großgeräte sind nicht mehr in der Förderung.“ Das Geld müsse das Klinikum aus eigener Tasche finanzieren. Eine Alternative wäre, dass der Landkreis dem Klinikum einen Kredit gewährt, so wie es in der Vergangenheit bei größeren Investitionen oft der Fall war.

Billiger und einfacher wäre es gewesen, wenn sich die beiden Parteien geeinigt hätten. Doch das war offensichtlich nicht möglich – allerdings widersprechen sich die Aussagen: „Wir haben keine Lösung gefunden“, sagt Xaver Frauenknecht. Vorstand Markus Graf und er hätten mehrere Verhandlungstermine initiiert, „aber es kam kein ernsthaftes Gespräch zustande. Wir hätten uns das sehr gewünscht“.

Frank Muckelbauer indessen sagt, er habe sich noch im Sommer dieses Jahres mit einem Brief an den Klinikvorstand gewandt, um eine Einigung zu erzielen. Doch er habe lediglich eine Bestätigung erhalten, dass sein Brief angekommen sei. „Ansonsten null Reaktion.“ Überhaupt sei die Kommunikation mit der Klinikleitung abgebrochen, sagt Muckelbauer, der seinen Brief auch an die niedergelassenen Ärzte des Praxisnetzes geschickt habe.

Folgen für Krebspatienten im Neumarkter Krankenhaus

Deshalb geht er davon aus, dass auch sein Kooperationsvertrag mit dem Klinikum auslaufen werde. Bis jetzt sei noch niemand auf ihn zugekommen, wie die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll. „Das ist nicht im Geringsten geregelt.“

Denn das Klinikum braucht einen Facharzt für Strahlentherapie für seine Interdisziplinären Tumorkonferenzen. Im Gespräch verweisen Graf und Frauenknecht ebenfalls auf diesen Kooperationsvertrag im Rahmen des onkologischen Zentrums. Deshalb habe Muckelbauers Umzug aktuell noch keine Auswirkungen für die stationären Patienten. Das sind laut Muckelbauer etwa fünf.

Das Klinikum muss aber per Gesetz einen eigenen Facharzt für Strahlentherapie einstellen. Eine Kooperation mit einem anderen Krankenhaus scheidet damit aus. „Wir stehen derzeit in Verhandlungen mit möglichen Partnern“, ergänzt Markus Graf.

„Wir sind zeitnah dran, dass wir ab 1. April oder 1. Mai 2025 wieder im Klinikum starten“, blickt Frauenknecht in die Zukunft. Bis dahin müsse das Klinikum schauen, ob es die Behandlung in diesem Zeitraum sicherstellen könne, sagt Graf. Die stationären Krebspatienten müssten in dieser Zeit möglicherweise in der Praxis am Schwarzachweg 7 bestrahlt werden.

„Neumarkt ist keine Großstadt. Da kann keiner von beiden reich werden. Oder es wird sogar ein Minus erwirtschaftet.“ Frank Muckelbauer, Facharzt für Strahlentherapie

Offen ist, ob der neue Linearbeschleuniger des Klinikums zu diesem Zeitpunkt bereits einsatzbereit ist. Denn die Lieferzeit könne ab der Bestellung schon mal zwölf Monate betragen, weiß Muckelbauer aus Erfahrung. Darüber hinaus dauere es Wochen bis Monate, bis das Gerät aufgestellt und von den Behörden abgenommen werde. Schneller gehe es nur mit einem speziellen Fabrikat, das aber im Einsatz weniger vielseitig sei.

Zu wenig Patienten für zwei Strahlentherapien?

Frank Muckelbauer fürchtet eigenen Angaben zufolge nicht die Konkurrenz, die das Klinikum mit einer eigenen Strahlentherapie aufbaut. „Ich habe eine etablierte Praxis.“ Außerdem könnten Patienten frei wählen, wo sie sich bestrahlen lassen und es hänge auch von den Gynäkologen und Hausärzten ab, wohin sie ihre Patienten zur Bestrahlung empfehlen. Zudem habe er mit dem Thema Klinikum inzwischen abgeschlossen.

Aber er macht keinen Hehl daraus, dass er diesen Schritt für „betriebswirtschaftlich abstrus“ hält. Im Landkreis Neumarkt gebe es nicht genug Krebspatienten, als dass sich beide Therapieeinrichtungen rentierten. Man brauche einen gewissen Umsatz, damit sich die Geräte amortisieren. „Neumarkt ist keine Großstadt. Da kann keiner von beiden reich werden. Oder es wird sogar ein Minus erwirtschaftet.“